Stippvisiten bei den Bilderbergern (6)

In fünf Artikeln haben wir uns inzwischen über 220 Teilnehmerkarten (von 400) gewidmet. Alle Eingeladenen waren Menschen, die hochgradig private Interessen vertraten. Bei Vernetzungen zu Politik, Denkfabriken und Militär fanden sich immer enge Verbindungen zur Wirtschaft (einschl. Medienwirtschaft) und den Banken, Versicherungen, Investment-Gesellschaften sowie Wirtschafts- und Finanzberatern. Eine elitäre Riege von Milliardären und Millionären konnten wir kennenlernen, aber Idealisten die sich uneigennützig der Gesellschaft verpflichtet fühlen und ihr Leben rastlos dem Frieden der Welt widmen?


Man mag das ethisch bewerten, gar verurteilen, wenn Gier, einschließlich der Gier nach Macht über dem Versammlungstisch der Bilderberg-Konferenz schweben. Nur, da dieses Verhalten die gesamte Gesellschaft durchdringt, warum sollte es ausgerechnet bei den Bilderbergern nicht präsent sein? Und wie wir in diesen fünf Artikeln auch erfahren durften, gibt es überhaupt keine Grenze zwischen Jenen und den Politikern. Oft stecken ein und dieselbe Person hinter den beiden Rollen, mal nacheinander, mal sogar zeitgleich. Noch eines ist mir bei der Recherche klarer geworden. Diese Akteure denken hierarchisch und klassenbewusst. Sie fühlen sich einer Klasse zugehörig, welche ähnliche Ideologien denkt und nach ihnen handelt. Ideologien und Klassen sind – aus meiner Sicht – untrennbar miteinander verbunden.

Wer hat das Sagen?

Was wir erfahren ist: Die Bilderberg-Konferenz hat einen Vorsitzenden (Chairman), einen Lenkungsausschuss (Steering Committee) und ein Beratungsgremium (Advisory Board). [1]

Die offizielle Seite des Bilderberg-Meetings sagt zur Steuerung und Finanzierung der Veranstaltung Folgendes:

„Die jährlichen Bilderberg-Konferenzen werden durch die Stiftung der Bilderberg-Konferenzen organisiert. Ein Lenkungsausschuss führt diese Stiftung und bestimmt einen Vorsitzenden. Die Mitglieder werden für einen Zeitraum von vier Jahren ausgewählt und durch den Vorsitzenden bestimmt. Die Hauptaufgaben des Vorsitzenden beinhalten die Führung des Lenkungsausschusses und, gemeinsam mit dem Lenkungsausschuss, die Vorbereitung des Konferenzprogramms, wie auch die Auswahl der Teilnehmer. Die Unterhaltungskosten für das kleine Büro der Bilderberg-Konferenzen werden vollständig durch private Spenden gedeckt. Die Aufwandskosten der jährlichen Konferenzen selbst liegen in Verantwortung der Mitglieder des Lenkungsausschusse des jeweiligen Gastgeberlandes.“ [2]

Wie mehrfach thematisiert, sieht sich Bilderbergs als privates Treffen. Dass sich nun im Lenkungsauschuss die Macht nochmals hoch konzentriert, lässt sich nur mit gehöriger Blauäugigkeit als Zufall betrachten. Aus diesem inneren Zirkel heraus dürfte die Auswahl der weiteren Teilnehmer getroffen werden. Schauen wir also noch einmal, von wem Politiker so Einladungen zu Bilderbergs erhalten – und annehmen. Der über 100 Jahre alte David Rockefeller – der übrigens derzeit allein das Advisory Board vertritt [3] – ist dabei nicht mehr vor Ort präsent. Wer aufmerksam die vorherigen Artikel zum Thema studiert hat, entdeckt schnell weitere „alte Bekannte“. Womit wir schon knapp die Hälfte aller Mitglieder des Lenkungsausschusses erfasst haben:

  1. Robert Zoellick, als Vertreter der Neocons in den USA und Mit-Architekt des Irak-Krieges; dabei in seiner offiziellen Funktion ständig wechselnd zwischen Politik, Denkfabriken und Privatwirtschaft (zuletzt als Berater von Goldman Sachs)
  2. Peter Thiel, als Hedgefonds-Manager zum Milliardär geworden; Mitbegründer der Software-Firma Palantir, welche Software zum Ausspionieren sozialer Netzwerke entwickelt und des sozialen Netzwerks Facebook (Schlüsse darf jeder selbst ziehen)
  3. Andre Kudelski, welcher eine Firma leitet, die Software zur Ver- und Entschlüsselung von Daten entwickelt
  4. Kravis, Marie-José, Chefin des erzkonservativen Hudson Institute und Gattin des KKR-Chefs Henry Kravis, der als neoliberaler Sanierer von Unternehmen ein Milliarden-Vermögen angehäuft hat.
  5. Alex Karp, Gründer und Chef der Firma Palantir, die Software zum Ausspionieren (u.a.) sozialer Netzwerke entwickelt und neben Privatkunden, Behörden wie CIA, FBI, US-Airforce, NSA und den BND zu ihren Partnern zählt
  6. James Johnson, Vorstandsmitglied von Goldman Sachs und Perseus LLC, und früher in leitenden Postionen bei Fannie Mae und Lehman Brothers; mit Einfluss in der Trilateralen Kommission, dem Council on Foreign Relations sowie Brookings Institution.
  7. Thomas Enders, Vorsitzender des zweitgrößten europäischen Rüstungskonzerns (neben Luft- und Raumfahrt) in Europa, der Firma Airbus SE (früher EADS)
  8. Henry de Castries, Vorsitzender des größten europäischen Versicherungskonzerns AXA
  9. Craig Mundie, langjähriges Vorstandsmitglied des Software-Giganten Microsoft
  10. John Elkann, Vorsitzender des Fiat-Chrysler-Konzerns, sowie des Medienunternehmens Economist Group sowie des italienischen Massenblattes La Stampa
  11. Thomas Leysen, Vorsitzender der KBC Group, einem der größten europäischen Finanzunternehmen
  12. Klaus Kleinfeld, früherer Siemens-Konzernchef und jetziger Vorsitzender des zweitgrößten Aluminiumherstellers der Welt – Alcoa
  13. Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank AG
  14. Eric Schmidt; Chef des Internet-Giganten Alphabet Inc. (Google)

27 der 31 aktuellen Mitglieder sind direkt als Vertreter der Privatwirtschaft vertreten. [4] Und mit diesem Wissen versuchen wir uns ein wenig in Psychologie. Wie reagiert ein hochrangiger Politiker in einer heilen demokratischen Welt, wenn eine Gruppe schwer reicher Privatiers ihn zu einem dreitägigen Informationsaustausch einlädt? Kann mir der Leser zustimmen, dass ein verantwortungsbewusster Politiker das sofort als dreisten Versuch erkennen würde, korrumpiert zu werden? Das Problem ist leider: Wir leben eben nicht in einer heilen demokratischen Welt. Mehr noch gibt es sie überhaupt nicht!

Und so können wir auch davon ausgehen, dass ein Politiker keinesfalls völlig überraschend ein Einladungsschreiben zur Bilderberg-Konferenz in seinem Briefkasten findet. Ein Politiker wird darauf vorbereitet, er wird sorgfältig im Vorfeld auf seine Qualitäten geprüft, auf seine Eignung zum gewünschten Funktionieren im System der Eliten. Seine Affinität für Macht, Gier und Selbstdarstellung wie Narzismus, menschliche Schwächen also werden ausgetestet. Und wir müssen konstatieren, dass die systemischen Voraussetzungen ganz hervorragend sind, um geeignete Kandidaten (die zukünftigen Werkzeuge) aus einer Politiker-Gilde heraus zu filtern.

Geeignete Politiker

Die folgende Liste beinhaltet demnach Menschen, die geeignet sind, Interessen wahr zu nehmen. Privatinteressen, weil das eigene private Interesse und das eigene Ego erfolgreich gefördert wurde. Weil Abhängigkeiten aufgebaut wurden, aus deren Umklammerung der Politiker sich nur befreien könnte, wenn er den Mut aufbringen würde, seine Bequemlichkeit und seine Ängste zu erkennen. Diese Kombination wurde ihm nicht aufgebürdet, sie war schon immer Teil des Ichs, die politische Karriere solcher Politiker wurde durch eben diesen Charakter erst möglich. Ein politischer Aufstieg, also eine Karriere, ist schwer vereinbar mit der Unterordnung unter den Auftrag des Wahlvolkes.

Das ist keine Verurteilung. Jeder der mit dem Finger auf Politiker zeigt, prüfe sich gründlich selbst, ob er frei vom Wesen der Politiker ist. Zur unbequemen Wahrheit gehört eben auch, dass Politiker tatsächlich das tun, was eine Gesellschaft, in der das private Interesse dominiert, die ja davon lebt, dass sie das nun mal mehr oder weniger eben auch tun.

Kleines Beispiel gefällig? Warum muss sich ein Politiker darum kümmern, Gesetze zur Geflügelhaltung zu verabschieden. Nun könnte man argumentieren, dass ja die gierigen Konzerne im Bereich Fleischverarbeitung im Zaum gehalten werden müssen. Doch jeder weiß längst, wie Hühner und Puten gehalten werden – auf engstem Raum in Lagern konzentriert, gegen ihre Natur gemästet, gedopt, jämmerlich vegetierend, leidend, um dann schließlich industriell getötet zu werden. Und, warum fordern wir – als Gesellschaft – Gesetze von den Politikern? Wir kaufen doch das Fleisch! Wir sind doch die Antreiber der perversen Tierzucht und jeden Tag wird der Unternehmer im Lebensmittelhandel mit seinem Konzept durch uns bestätigt. Wenn wir so edel wären, würde eine Gesetzgebung wie TTIP völlig ins Leere laufen, einfach weil keiner den Dreck kaufen würde. Finde der Leser weitere Beispiele, wer sucht, wird fündig…

Politiker sind die optimale Opferanode um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Also stellt sich – für mich – hier nicht die Schuldfrage. Versuchen wir zu verstehen und dabei zu erkennen, warum Politiker bestimmte Dinge tun und was das wiederum mit uns zu tun hat. Die Liste der Politiker am Bilderberger-Tisch (untersuchter Zeitraum, wie gehabt, 2013 bis 2015) ist auf jeden Fall beeindruckend lang und wir können auch gleich feststellen, dass deutsche Politiker nur wenige unter vielen sind [5][6][7].

Politiker Funktion
Babacan, Ali (TUR) Stellv.Minister f. Wirtschaft u. Finanzen
Balls, Edward M. (GB) 3x Finanzminister d. Schattenkabinetts, Finanzminister, ehem. Finanzminister
Barroso, José M. Durão (PRT) 2x
(ehem.) Präsident d. Europäischen Kommission
Bavinchove, Olivier de (FRA) Chef des Euro-Corps
Bildt, Carl (SWE) 2x
Außenminister
Borg, Anders (SWE)
Finanzminister
Cameron, David (GB)
Premierminister
Clarke, Kenneth (GB)
Parlamentsmitglied
Corydon, Bjarne (DNK)
Finanzminister
Davignon, Etienne (BEL) 2x
Staatssekretär
Eide, Espen Barth (NOR)
Außenminister
Fillon, François (FRA)
ehem. Premierminister
Gutzwiller, Felix (CHE)
Mitgl. d. Schweizerischen Ständerates
Kerr, John (GB)
Mitgl. d. britischen Oberhauses
Lauk, Kurt J. (D)
Vors. d. CDU-Wirtschaftsausschusses
Lindner, Christian (D)
Vors. d. FDP
Löfven, Stefan (SWE)
Vors. d. Sozialdemokratischen Partei
Monti, Mario (ITA)
ehem. Premierminister
Pavey, Şafak (TUR)
Mitgl. d. türkischen Parlaments
Pécresse, Valérie (TUR)
Mitgl. d. türkischen Parlaments
Portas, Paulo (PRT)
Außenminister
Reding, Viviane (INT) 2x
EU-Vizepräsident f. Grundrechte, Bürgerbewegung…
Rostowski, Jacek (POL)
Finanzminister
Rutte, Mark (NIE) 2x
Premierminister
Schieder, Andreas (AUT)
Finanzminister
Seguro, António José (PRT)
Generalsekretär d. Sozialistischen Partei
Urpilainen, Jutta (FIN)
Finanzminister
Wall, Brad (CAN)
Premierminister d. Staates Saskatchewan
Williams of Crosby, Shirley (GB)
Mitgl. d. britischen Oberhauses
Bajnai, Gordon (HUN)
ehem. Premierminister, Parteiführer Einigkeit 2014
Baroin, François (FRA)
Mitgl. d. Parlaments
Coveney, Simon (IRL)
Minister f. Landwirtschaft u. Ernährung
García-Margallo, José Manuel (SPA)
Außenminister
Greening, Justine (GB)
Staatssekretär f. Internat. Entwicklung
Kenney, Jason T. (CAN)
Minister f. Entwicklung
Liu, He (CHI)
Mitgl. d. Leitungsgruppe Finanzen u. Ökonomie
Macedo, Paulo (PRT)
Minister f. Gesundheit
Macron, Emmanuel (FRA)
Stellv. Staatssekretär
Medeiros, Inês de (PRT)
Mitgl. d. Parlaments
Oran, Umut (TUR)
Stellv. Vors. d. Republikanischen Volkspartei
Osborne, George (GB) 2x
Finanzminister
Pellerin, Fleur (FRA)
Staatssekretär f. Außenhandel
Reed, Kasim (USA)
Bürgermeister v. Atlanta
Röttgen, Norbert (D)
Mitgl. d. Bundestages
Samsom, Diederik M. (NLD)
Parlamentsführer Labour Party
Schippers, Edith (NLD)
Minister f. Gesundheit u. Sport
Boone, Laurence  (FRA) Berater d. Präsidenten f. Finanzen u. Wirtschaft
Damberg, Mikael L. (SWE) Minister f. Unternehmen u. Innovation
De Gucht, Karel (BEL) ehem. EU-Handelskommissar
Donilon, Thomas E. (USA) ehem. nationaler Sicherheitsberater
Fischer, Heinz (AUT) Bundespräsident
Juppé, Alain (FRA) ehem. Premierminister
Leyen, Ursula von der (D) Verteidigungsminister
Markus Lassen, Christina (DNK) Abt.Leiter i. Ministerium f. Auswärtiges
Michel, Charles (BEL) Premierminister
Sayek Böke, Selin (TUR) Vize-Präsident d. Republikanischen Volkspartei
Stubb, Alexander (FIN) Finanzminister
Suder, Katrin (D) Stellv. Verteidigungsminister

Wie gesagt, was die Anzahl der Teilnehmer betrifft, fällt Deutschland – bei insgesamt 66 Nominierungen – nicht wirklich auf:

Staat Anzahl der Politiker
Großbritannien 10
Frankreich 7
Schweden 5
Türkei 5
Deutschland 5
Portugal 5
Belgien 4
Niederlande 4
USA 2

Nur zwei US-Politiker, das könnte überraschen, wenn gleich es im späteren noch etwas relativiert wird. So richtig können wir mit dieser Information erst einmal nichts anfangen, wäre ein anderer Ansatz zielführender?

Schauen wir auf die Funktionen der Eingeladenen, sehen wir, dass sie prinzipiell alle hochrangig sind, Premierminister, Minister, Staatssekretäre, ehemalige Minister. Die Einladenden schielen danach direkt auf die Spitzen der institutionellen politischen Macht in den jeweiligen Staaten. Umgarnt werden Führer von Regierungsparteien wie die der Opposition und ebenso Parlamentsmitglieder. Dass hier Einflussnahme zu politischen Entscheidungen auf der Ebene von Staaten vorgenommen wird, ist unausweichlich. Gute Tradition ist es wohl auch, den Premierminister und / oder Bundespräsidenten des jeweiligen Gastgeberlandes einzuladen. Im untersuchten Zeitraum waren das Großbritannien, Dänemark und Österreich. Nicht immer werden diese Einladungen auch angenommen, siehe Angela Merkel 2016. [8]

Wie Macht umgesetzt wird

Auffällig war noch das: 14 der geladenen Politiker (Mehrfachnennungen berücksichtigt), also jeder Fünfte, hatten im Bereich Finanzen zu tun, davon waren zu jener Zeit neun aktiv als Finanzminister! Und erinnern wir uns, dass außerdem noch elf Einladungen an Vertreter nationaler Zentralbanken bzw. der Europäischen Zentralbank ausgesprochen wurden. Was die Präsenz der USA bei den Bilderbergern betrifft, war beim jetzigen Stand der Analyse und zwei Dritteln der untersuchten Teilnehmer eine Branche von dort wirklich auffällig vertreten: die Finanzindustrie. Sie aber ist der Signalgeber für die tiefe Systemkrise des gegenwärtigen kapitalistischen Systems, das seinen Antrieb aus dem Wettbewerb um den Profit (die Zinsen) erhält. Vor allem steht und fällt die Vormachtstellung der USA mit der Aufrechterhaltung der Dollar-Dominanz. Nur so ist der exorbitante Aufwand zur Aufrechterhaltung ihres Status als Dominator einer unipolaren Welt auch weiterhin überhaupt finanzierbar.

Kurz hatte ich ja w.o. TTIP angesprochen. Das Ringen um dieses Freihandelsabkommen zeigt, wie stark die USA auf die weitere Öffnung von Märkten angewiesen sind, um ihr Finanzsystem nicht vollends kollabieren zu lassen. Eine „normale“ Geldschöpfung durch Kredite ist nicht mehr möglich, die kursierenden Geldmengen sind in’s Astronomische gewachsen (daher ja auch die horrenden Schulden). Die Wirtschaft der westlichen Gesellschaften stößt immer mehr an die ganz realen Grenzen eines vermeintlich unendlichen Wachstums. Und aus diesem Grund sind auch die großen Kapitalverwerter mit am Tisch der Bilderberger, die Investment-Gesellschaften und Vermögensverwalter (was im Prinzip das Gleiche ist) und deren krassesten und gierigsten Auswüchse, die Hedge Fonds – und Private Equity – Gesellschaften.

Diese Finanzbranche – insbesondere die Vertreter aus Übersee, aber beileibe nicht nur sie – hat durch ihre finanzstarken Vertreter die Möglichkeit, bei der Bilderberg-Konferenz die Finanzpolitiker angemessen zu bearbeiten, um das immer fragiler werdende System der Geldvermehrung zu verlängern. Und im Bunde mit den Ideologen aus Denkfabriken und Experten aus hochrangigen Bildungseinrichtungen (wie z.B. Elite-Universitäten) werden sie den Horror im Kopf der Politiker hoch halten, dass der Zusammenbruch dieses absurden Finanzsystems das Ende der Welt bedeutet und sein unbedingter Erhalt daher alternativlos ist.

Dass wir uns in Europa jedoch auch in dieser Hinsicht mitnichten in der Opferrolle sonnen brauchen, das zu begründen, folgt der kleine Einblick in das Wirken eines deutschen Politikers.

Volksvertreter und Wirtschaftsberater

Der Politiker Kurt Joachim Lauk war 2013 in seiner Rolle als Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsausschusses Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz. Wenn auch nicht sonderlich bekannt, ist er doch einer der wichtigsten Politiker der deutschen Christdemokraten und füllt desweiteren diese Funktionen aus [9]:

  • Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung
  • Stellvertreter für den Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten
  • Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
  • Stellvertreter für die Delegation für die Beziehungen zu Iran
  • Europa-Abgeordneter der Europäischen Volkspartei (2004-2009)

Welche Interessen vertritt Kurt Lauk? Er studierte evangelische Theologie und Geschichte an der Universität München. Der vor allem aus öffentlichen Mitteln finanzierte Deutsche Akademische Austauschdienst förderte ihn danach mit einem Stipendium an der Stanford University in den USA. [10] Das Thema Schulen und Universitäten ist in dieser Artikelreihe noch nicht zur Sprache gekommen. Daher an dieser Stelle der Hinweis, dass die Stanford University (bzw. ihr angeschlossene Einrichtungen) in allen untersuchten Jahren mit Teilnehmern bei der Bilderberg-Konferenz präsent war.

Hat sein Studium der Theologie Kurt Lauk zu noch zu besprechenden Einsichten gebracht – oder doch eher die Zeit an der Stanford University und dann später der Graduate School of Business Stanford/California? Jedenfalls promovierte er im Jahre 1977 mit folgendem Thema: Die nuklearen Optionen der Bundesrepublik Deutschland. [11] Ich wage zu behaupten, dass in eben jener Zeit, Prägendes im Kopf von Kurt Lauk stattgefunden haben muss. Denn seine Ansichten als Politiker sind schon bemerkenswert, wie z.B. die hier:

„Derzeit gewinnen wir kein Profil und zeigen uns nicht regierungsfähig. Auf die Proteste können wir keine Rücksicht nehmen, zumal die Regelungen nicht besonders unsozial sind. […] Der Zahnersatz muss komplett aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung heraus. Jeder Bürger weiß, dass irgendwann eine Zahnarztersatzbehandlung auf ihn zukommt. Er kann sich also rechtzeitig darauf einrichten.“ [12]

oder die:

„Die Gesamtdauer der Hartz-IV-Leistungen muß vom 25. bis zum 65. Lebensjahr insgesamt auf eine noch festzulegende Anzahl von Jahren begrenzt werden, damit sich jeder darauf einstellen kann. Bei Arbeitsverweigerung muß man kürzen auf das Niveau von Mindestlohn in vielen Ländern um uns herum, also auf rund 400 Euro unter dem ALG II. [13]

oder wenn es um „Hilfspakete“ oder „Rettungspakete“ oder „Reformen“ für Griechenland geht.:

„Griechenland wird zum Lackmustest für die Strategie „Geld gegen Reformen“. Wenn die europäischen Partner von diesem Prinzip abweichen, verliert die Rettungspolitik die letzte Glaubwürdigkeit. Es kann nicht sein, dass Griechenland erst 2025 mit der Schuldentilgung aus den Hilfspaketen beginnt, aber die eigenen Verpflichtungen nicht einmal die Launen eines Wahltages überstehen.“ [14]

Was Kurt Lauk mit der „Rettungspolitik“ für Griechenland meint, kann der Interessierte gern hier und hier nachlesen.

Es sieht jedenfalls so aus, als konnte sich Kurt Lauk schon beizeiten genug Geld für einen eventuellen Zahnersatz zurück legen. Oder anders ausgedrückt, hatte Kurt Lauk rasch verinnerlicht, dass er zu den Eliten, zu den wirklich Wertvollen der Gesellschaft gehört, die sich ihre Gehälter sauer verdienen. Wo begann denn seine Karriere nach den Studienjahren – die teilweise staatlich finanziert waren? Es war die Boston Consulting Group, eine der weltweit größten Unternehmensberatungen. [15] Das sind die Firmen, die (u.a.) Tipps geben (und annehmen), wie man am besten Steuern sparen, also den zu finanzierenden Anteil an den gesellschaftlichen Kosten minimieren kann. Wir erinnern uns noch an PwC? Die Boston Consulting Group wurde übrigens auch „erwischt“ in den Luxemburg-Leaks, denn auch sie ließ sich von PwC zu „aggressiven Steuervermeidungsmodellen“ beraten und konnte so legal Steuern hinterziehen. [16][17] Steuern mit denen der Staat übrigens die Kosten für Hartz IV – Empfänger finanziert. Muss deshalb bei Hartz IV gespart werden?

Kurt Lauk arbeitete nach der Zeit bei Boston Consulting in den Vorständen von VEBA, Audi und Daimler-Chrysler. [18] Er war und ist ein Manager! Und er hat die Denkweise von Eliten. Eliten fühlen sich wohl in der Trilateralen Kommission. Eine weitere Denkfabrik deren Gründung angestoßen wurde von David Rockefeller (übrigens anläßlich einer Bilderberg-Konferenz). Und vollzogen wurde sie von Zbigniew Brzezinski. In der Trilateralen Kommission lebt die Ideologie von Wirtschafts-Eliten. Das sagt sie auch ganz offen. Um so verschlossener ist sie, wenn es um den Inhalt der dortigen Gespräche geht, denn die sind privat – wie bei der Bilderberg-Konferenz. [19] Kurt Lauk ist Mitglied der Trilateralen Kommission. Dort trifft er alte Bekannte: Robert Zoellick, Paul Wolfowitz, John McCain, George W. Bush, Mario Monti, Josef Ackermann …

Was interessiert Kurt Lauk, wie es den Schwachen der Gesellschaft, z.B. Hartz IV – Empfängern geht? Und genau deswegen argumentiert der Mann auch so wie oben zitiert. Er vertritt ein überhebliches wie ausgeprägtes Klassendenken und deswegen sind ihm Griechenland und die Menschen dort, ebenso völlig egal. Und deswegen auch war Kurt Lauk zwei Jahre nach seiner Bilderberg-Teilnahme als CDU-Politiker erneut bei Bilderbergs herzlich eingeladen, diesmal als Vorsitzender seiner eigenen Investment-Gesellschaft Globe Capital LLC. [20]


Teil 5 <<<  Stippvisiten bei den Bilderbergern  >>> Teil 7

Quellen

[1][4] 6.6.2016; Offizielle Webseite der Bilderberg-Meetings; Steering Committee; http://www.bilderbergmeetings.org/steering-committee.html

[2][3] 6.6.2016; Offizielle Webseite der Bilderberg-Meetings; Governance and Funding; http://www.bilderbergmeetings.org/governance-and-funding.html

[5] Teilnehmerliste – Bilderberg-Treffen 2013; http://www.bilderbergmeetings.org/participants2013.html

[6] Teilnehmerliste – Bilderberg-Treffen 2014; http://www.bilderbergmeetings.org/participants2014.html

[7] Teilnehmerliste – Bilderberg-Treffen 2015; http://www.bilderbergmeetings.org/participants2015.html

[8] Eliten-Treffen in Dresden: Merkel zur Bilderberg-Konferenz eingeladen; Christoph Lobel; 10.5.2016; http://www.huffingtonpost.de/2016/05/10/bilderberg-merkel-gabriel_n_9884780.html

[9][10][11][12][13] 8.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Joachim_Lauk

[14] Mehr Erhlichkeit in der Griechenland-Debatte; 21.3.2015; http://www.huffingtonpost.de/kurt-j-lauk/mehr-ehrlichkeit-in-der-griechenland-debatte_b_6498810.html

[15] 8.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Boston_Consulting_Group

[16] 8.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburg-Leaks

[17] http://www.valuewalk.com/2014/11/luxemburg-taxes; Hinweis: Skript fordert zur Registrierung auf

[18][19] 8.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Trilaterale_Kommission

[20] http://www.globecapital.net/pages/832115/index.htm

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4 Kommentare zu Stippvisiten bei den Bilderbergern (6)

  1. Ped sagt:

    Danke Jürgen, auch für die Anerkennung 😉

    wir sehen das schon ziemlich ähnlich.
    Ein paar Ausnahmen von der Regel:
    Vor zwei Jahren war das Treffen in der dänischen Hauptstadt (auch nicht gerade weg vom „Schuss“) und da war u.a. der Bürgermeister von Atlanta mit zugegen.

    Lass mich mal etwas spekulieren:
    Soros und sein Gefolge haben indirekt auch Einfluss auf die Bilderberg-Konferenz und die Politiker (auch in Deutschland). Carl Bildt z.B. (Bilderberg-Stammgast) ist so ein Soros-Proxy. Von Soros kommt die Idee einer massiven „Integration“ von Nicht-Europäern in Europa (nicht nur in Deutschland). Dem stehen Bewegungen wie Pegida entgegen. Wer da mehr (natürlich Belegbares) hat …

    Herzliche Grüße von Ped

    PS: Die Angaben am Anfang des Artikels zu James A. Johnson waren falsch; ich habe das inzwischen korrigiert.

  2. Jürgen Köhler sagt:

    Hallo Ped!
    Die Medien tun so, als kämen hier einige unbescholtene Damen und Herren zu einem unverbindlichen Gedankenaustausch zusammen und wer etwas anderes darin sieht, ist natürlich wieder einmal ein Verschwörungstheoretiker.
    Mit Hilfe Deiner Enzyklopie kann man diese Argumentationen sehr gut widerlegen. Diese Sippschaft ist weder harmlos, noch privat hier. Es sind die eigentlich Mächtigen und ihre Vasallen, an die wir uns offensichtlich langsam gewöhnen sollen. Deine Bilderberger-Folgen sind fast oder überhaupt eine Dissertation wert. Danke für die unglaubliche Fleißarbeit. Ein Fundus an Nachschlagswissen. Erstaunlich, wie Du die Verflechtungen und Zusammenhänge recherchiert und damit Hinter- und Beweggründe offengelegt hast.
    Bin neugierig, was aus dem Treffen herauskommt. Sie hatten bisher in der Regel etwas abseits der Öffentlichkeit getagt. Warum hier im Dresdner Stadtzentrum, jener Stadt, die durch Pegida einen angeblich schlechten Ruf hat? Warum war Tillich mit dabei? Vieles wird ein geheimnis bleiben. Ein Wunder, daß von der Truppe über die vielen Jahre hinweg noch keiner mal so richtig geplaudert hat.
    Alles Gute von Jürgen

  3. Ped sagt:

    @Rudi

    natürlich nicht zur Veröffentlichung gedacht.

    Ich veröffentliche es mal trotzdem. Einfach weil ich in jeder Hinsicht dankbar für Interaktion bin. Und auch solche kleinen Hinweise für mich eine große Hilfe sind, die Qualität der Beiträge hoch zu halten.

    Also ausdrücklich herzlichen Dank an Sie!
    Beste Grüße zurück
    ped43z

  4. Rudi sagt:

    Einige Anmerkungen zu Flüchtigkeitsfehlern im Beitrag, natürlich nicht zur Veröffentlichung gedacht.
    -weil das eigenes private Interesse- s-Laut zu viel
    -Voksvertreter- l fehlt
    deswegen ist ihm Griechenland und die Menschen dort, ebenso völlig egal. Einzahl und Mehrzahl mE unzulässig mit „ist“ angesprochen
    deswegen ist ihm Griechenland und sind ihm die Menschen dort……..

    Interessante Artikelserie, die sicher sehr viel Arbeit kostet.
    Gut gemacht finde ich die Auflockerung im Text mit farbigen Textkästen.

    Beste Grüße
    Rudi

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