Warum also richten Politiker und Medien erneute, moralisch besetzte Blicke in den Iran?


Warum dies durch die Massenmedien praktiziert wird, ist letztendlich genauso verblüffend einfach erklärbar, wie im Falle von Politikern, „Experten“ und hochgelobten „Vertretern der Zivilgesellschaft“ (Stichwort Nichtregierungsorganisationen). Die Antwort darauf könnte lauten: Weil das Versagen so nah ist. Es gibt einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen offensiv benutzten Wertebegriffen wie der sogenannten regelbasierten Ordnung einerseits, sowie den mit Ersterem maskierten politischen Machtansprüchen oder auch Unterwerfung andererseits. 


Grundsätzliches

Die ideologische wie wirtschaftliche Unfreiheit der aktuell regierenden politischen Eliten im eigenen Handeln können diese durch das Gerede von einer regelbasierten Ordnung nicht mehr verbergen. Zu offen treten mittlerweile die Widersprüche zwischen Worten und Taten ans Licht. Eigentlich ist das eine gute Zeit für engagierte, unabhängige Medienberichterstattung. Die Massenmedien, angemessen charakterisiert auch als Regierungsmedien, gern auch Systemmedien, können das allerdings nicht leisten. Und so betreiben sie auch weiterhin das beauftragte Geschäft, und das lautet Narrativpflege.

Im Falle des Iran lautet das Narrativ der Moralapostel aus Medien und Politik: Ein „Mullah-Regime“ unterdrückte Freiheit wie Menschenrechte und schlachtete friedlich gegen das Unrecht protestierende Bürger auf offener Straße ab. Demokraten gleich uns würden demnach brutal von Antidemokraten verfolgt. Außerdem bauten „die Mullahs“ an einer Atombombe, wollten Israel vernichten und stellten deshalb eine Gefahr für die ganze Welt dar. Wer da die Guten und wer die Bösen sind, liegt auf der Hand. Diese Erzählung ist so simpel wie sie unglaubwürdig ist.

Das Leben, auch das gesellschaftliche Leben, stellt sich weit komplexer dar. Wer sich unvoreingenommen mit dem Iran und dessen Herausforderungen befasst, weiß das auch. Aber die Erzählung ist auch alt und über Jahrzehnte in die Hirne der Menschen geprügelt worden — und das hat gewirkt. Die Menschen haben es „gefressen“, sie glauben das Absurde und nehmen es hin. Oder solidarisieren sich gar, auch in Deutschland, mit einer Politik, die ganz und gar nicht ihre Interessen vertritt. Die auch nicht die Interessen der iranischen Bürger vertritt.

Journalismus, der seinem Namen gerecht wird, muss den gleichen Anspruch vertreten wie Wissenschaft. Die, die heutzutage aus den Systemmedien heraus vorgeben, Journalismus zu betreiben, scheitern genauso grandios bei der Umsetzung dieses Anspruchs wie diejenigen, denen sie regelmäßig eine Plattform anbieten: die von ihnen permanent präsentierten Experten. Experten, die allzu oft mit Wissenschaftlern gleichgesetzt werden. Was sie nicht sind. Experten, die gern aus den Stuben von Politik, Institutionen und Denkfabriken entsandt werden, um die gewünschte Erzählung zu multiplizieren und so zu stärken. Dabei ist alles so durchsichtig, weil doch in der Vergangenheit so oft in der immer gleichen Art und Weise praktiziert.

Das Iran-Thema hier als Ganzes abzuhandeln, würde jeden Rahmen sprengen. Aber die aktuellen Geschehnisse um den Iran zu beleuchten und einzuordnen, dürfte bereits erhellend genug ausfallen.

Warum ist die Bundeswehr eine Terrororganisation?

Das erscheint uns reichlich merkwürdig und das mit Recht. Schon deshalb, weil es natürlich viel mehr Erzählungen gibt, denen sich die Menschen unterworfen haben, als jene über den Iran. Die Erzählung, dass die Bundeswehr eine reine Friedenstruppe wäre, die lediglich ihren laut Verfassung übertragenen Auftrag erfüllte, die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu wahren, kann im Jahre 2026 kein wacher Zeitzeuge mehr ernst nehmen. Natürlich ist auch die Behauptung, die Bundeswehr sei eine Terrororganisation in eine Erzählung eingebettet. Wer erzählt das überhaupt?

„Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf [hat] erklärt, sein Land betrachte nun die Armeen der europäischen Staaten ebenfalls als Terrororganisationen — darunter auch die Bundeswehr.“ (1)

Wie kann er es wagen? Die Definition, was eine Terrororganisation ausmacht, wird übrigens sehr flexibel ausgelegt. So hat Deutschland unter dem Vorwand der Bekämpfung des internationalen Terrorismus aktiv am Krieg gegen das Syrien unter der Präsidentschaft von Baschar al-Assad mitgewirkt. Noch extremer erscheint die deutsche Teilhabe am Krieg gegen Jugoslawien. Das ordnet der Autor zweifelsfrei als Terrorismus ein.

Der Iran hat übrigens, zusätzlich zur Terrorismuseinstufung der Streitkräfte von EU-Staaten, sämtliche Botschafter der EU-Staaten und weiterer europäischer Länder in sein Außenministerium einbestellt:

„Baghai erklärte, sein Land prüfe derzeit weitere Gegenmaßnahmen »gegen den illegalen, unvernünftigen und höchst unangebrachten Schritt der EU«.“ (1i)

Der angeblichen Absurdität ob Teherans Deklarierung der Bundeswehr als Terrororganisation ist damit schon einmal die Spitze genommen. Denn es wird ein Grund vorgegeben — der da wäre? Man könnte nun salopp kommentieren: Was dem einen recht ist, kann dem anderen nur billig sein.

„Die Europäische Union hatte vergangene Woche entschieden, die Islamische Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Großbritannien will die Einstufung ebenfalls vornehmen.“ (1ii)

Die Islamische Revolutionsgarde verkörpert einen offiziellen militärischen Verband des Iran. So, wie die Bundeswehr ein offizieller militärischer Verband der Bundesrepublik Deutschland ist. Behalten wir den Fokus auf diesem Sachverhalt und gleiten nicht ab in eine Diskussion darüber, dass das deutsche Militär aus weißen und das iranische Militär aus schwarzen Rittern bestehen würde. Hier geht es um Politik und in dieser gibt es keine weißen Ritter, es geht um Macht. Und das, was der Iran da auf der politischen Ebene tut, ist eine Geste der Macht und praktisch ist sie auch.

Die globalistischen Eliten, die nach wie vor das EU-Europa und Großbritannien in ihrem Würgegriff halten, haben es darauf abgesehen, endlich eine erfolgreiche Farbrevolution im Iran vom Zaum zu brechen. Dafür bedarf es unter anderem auch der Kriminalisierung staatlicher Strukturen im angegriffenen Land. Und dort auch ist auch der Grund für die willkürliche Einstufung der Islamischen Revolutionsgarde als Terrororganisation zu suchen.

Der Iran hat sich das Recht herausgenommen, die militärischen Strukturen seiner offen als Feinde zu Tage tretenden Opponenten in gleicher Weise zu kriminalisieren, wie jene das bei ihm praktizieren. Doch außerhalb der Machtgeste ist das Ganze auch ein notwendiger Schritt zu Wahrung der Verfassung des Iran und das, was noch folgt, könnte auf die Verursacher möglicherweise härter zurückschlagen als die Geste:

„[Parlamentsspräsident Ghalibaf] berief sich bei seiner Ankündigung auf ein Gesetz aus dem Jahr 2019. Es war verabschiedet worden, nachdem die USA die Revolutionsgarden als terroristische Vereinigung eingestuft hatte. Es erlaubt dem Iran Gegenmaßnahmen.“ (2)

Der Iran hat die Botschaft verstanden. Die Botschaft aus Brüssel und London, die nämlich einer versteckten Kriegserklärung gleichkommt. Eines dahinter kaum noch zu versteckenden hybriden Krieges, der deutliche Parallelen zu Mechanismen aufzeigt, die man beim Krieg gegen Libyen und Syrien ausgiebig einsetzte. Allerdings ist der Iran keinesfalls als ein solch relativ schwacher Gegner einzuordnen, wie es Syrien und Libyen darstellten.

Desinformation und Narrativ

Wem die Erzählung (das Narrativ) das Wichtigste ist, nämlich die Intention, die Botschaft, die Manipulation der Gesellschaft(en) und nicht das Geschehen an sich, der kommt um Desinformation nicht herum. Dazu gehört auch der aktuell amtierende Bundeaußenminister Johann Wadephul:

„Die iranischen Revolutionsgarden und ihre Hilfstruppen sind die Häscher des iranischen Regimes. Sie sind es, die mit unermesslicher Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vorgehen, die ihre eigenen Menschen regelrecht hingerichtet haben, weil sie es wagten, ihre Stimme auf der Straße zu erheben. Sie verantworten die destabilisierende Rolle, die Iran in der Region spielt. Sie stecken hinter Anschlagsversuchen hier bei uns in Deutschland und in Europa. Kurzum: Sie haben Blut an ihren Händen.“ (3)

Das ist exakt die gleiche Argumentation, mit der deutsche Politiker die deutsche Beteiligung an Kriegen gegen Libyen (ja auch den!), Syrien und Jugoslawien legitimierten. Und als Ganzes ist diese Stellungnahme schlicht und einfach eine Lüge. Regierende, konforme Politiker in diesem Land haben ein still eingeräumtes Anrecht, zu lügen. Sie dürfen sogar Volksverhetzung betreiben — jedenfalls erkennt der Autor genau diesen Straftatbestand im Zitat wieder.

Nun ist es so, dass es in den großen Städten des Iran ja tatsächlich Aufruhr gegeben hat. Ist das jetzt der willkommene Vorwand, um die Daumenschrauben für die iranische Führung enger anzuziehen? Nein, der Vorwand ist nicht willkommen. Der Vorwand ist kein Produkt des Zufalls, er wurde konstruiert!

Unterscheiden wir Ursache und Wirkung. Revolutionen brechen nicht einfach so aus. Revolutionen brechen ebenso wenig aus, wie das PLandemien tun. Revolutionen werden geplant und erschaffen, um eine geeignete politische Stimmung im Land und außerhalb dessen zu generieren. Revolutionen sind notwendige Projekte im Rahmen großangelegter Operationen.

Die großangelegte Operation lautet in diesem Falle seit Jahrzehnten: Sturz der iranischen Führung, die eine souveräne, eigenständige Innen- und Außenpolitik betreibt. Ersetzung durch einen westlichen Statthalter, der den Iran als Machtfaktor begräbt und die Ressourcen des Iran der „freien Welt“ im Rahmen der „regelbasierten Ordnung“ weitgehend uneingeschränkt zur Verfügung stellt.

Die x-te Farbrevolution

Farbrevolutionen sind sozusagen eine Version 2.0 von Revolutionen. Eine Version, die viel stärker mit psychologischen Werkzeugen, mit sogenannter Soft-Power hantiert. Das sind Ideen aus dem Revolutionshandbuch von Gene Sharp, verfasst unter intensiver Betreuung des US-Auslandsgeheimdienstes CIA (4). Außerdem findet eine lebhafte Interaktion mit dem Ausland statt, was eine auffällige Vitalität medialer und politischer Akteure außerhalb der Landesgrenzen einschließt. Wer aber interagiert da wie mit dem Ausland und kann das „einfach so“ funktionieren? Das kann es natürlich nicht.

Die durch die westliche Medien- und Politikmaschinerie verbreitete Darstellung von Protestbewegungen ist immer die Gleiche. Spontane Proteste würden sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land ausbreiten. Erzeugt wird der Eindruck einer volksweiten, friedlichen, aus „der Zivilgesellschaft“ erwachsenen Bewegung für Demokratie und Menschenrechte, die vom Regime mit brutaler Gewalt unterdrückt würde. Quasi stände ein ganzes Land gegen seine Unterdrücker auf. Das war schon immer eine der Realität nicht gewachsene Erzählung.


Einschub:

Die auf einem Berg von Lügen aufgebaute Unterdrückung von Demokratie und Menschenrechten in der unseligen Akutphase der PLandemie hat in eben den Medien und Politikstuben, in denen man seit jeher Besorgnis ob der Menschenrechte im Iran heuchelt, bis zum heutigen Tage keine ehrliche, echte, den Kern der Corona-Lügen treffende Reflexion erfahren. Das nur als wiederholte Erinnerung, wie sich Doppelstandards, Doppeldenk, Desinformation und Demokratieverständnis der Eliten hierzulande im praktischen Leben bloßstellen.


Treue Leser erinnern sich möglicherweise an Beiträge, in denen das Thema Agentengesetz zur Sprache kam? Gesetze dieser Art — das erste wurde übrigens bereits in den 1930er-Jahren in den USA verabschiedet (5) — verlangen die Offenlegung der Strukturen und Geldströme von Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden. Agenten vertreten Interessen und diese Interessen sollen transparent sein, um eine mögliche ausländische Einflussnahme aufdecken zu können.

Die Rolle solcher aus dem westlichen Ausland geförderter nichtstaatlicher, „zivilgesellschaftlicher“ Organisationen ist nicht hoch genug einzuschätzen. Diese Organisationen sind, ihrem Namen entsprechend, nicht nur organisiert. Sie organisieren taktisch vor Ort, was operativ anderswo ausgeheckt wurde. Eine Soros-Organisation in der Ukraine oder in Indien mag im Kleinen auch charitative, sozial ehrenwerte Ziele verfolgen. Gleiches gilt für die Netzwerke der Gates-Stiftung und viele weitere Körperschaften dieser Art. Doch ihr primärer Zweck ist die vertretende Umsetzung von Agenden, die ihren Ursprung außerhalb des Landes haben.

Agenten wurde in diesem Kontext noch eine andere Bezeichnung zuteil, eine Bezeichnung, die deren Wirken treffend beschreibt: Aktivisten. Aktivisten sind Agenten besonderer Art. Es sind Agents Provocateurs. Gelegentlich taugt auch die Wikipedia zur Erklärung:

„Ein Agent Provocateur ist ein Agent […], der eine Gruppe oder Organisation infiltrieren und deren Mitglieder zu gesetzeswidrigen Handlungen verleiten soll, um die Aufmerksamkeit der Behörden zu erregen. […] Im weiteren Sinne wird damit auch ein Handeln bezeichnet, das durch die gezielte Vortäuschung oder auch Provokation einer ruchbaren Handlung die Stärkung der eigenen Position und die Legitimation für einen Eingriff anstrebt.“ (6)

Man kann natürlich die Bevölkerung seitens der Macht einfach plump anlügen — in etwa so:

„Bei den jüngsten Massenprotesten im Iran wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen Tausende Demonstranten getötet. Mehrere Außenminister von EU-Staaten sprachen heute von möglicherweise bis zu 30.000 Opfern.“ (2i)

Das ist pure Schwurbelei, unverfrorene Desinformation. Nichts davon ist belastbar. Doch bedarf diese Desinformation einer emotionalen Verstärkung, damit sie trotzdem geglaubt wird.

Um das Wirken und die Auswirkungen des Treibens von Aktivisten, also Agenten, als wirkmächtige Information zu gebrauchen, sind funktionierende Netzwerke erforderlich. Nur so können emotional stimmige Bilder nach außen getragen werden. Doch ist das nur eine Funktion von solcherart informellen Netzwerken. Sie sind nämlich unverzichtbar, um Protestbewegungen von außen nicht nur zu organisieren, sondern sie auch zu koordinieren. Und das geht noch weiter. Landesweit agierende Agenten müssen sich auch im Land selbst in ihren Aktionen abstimmen, um eine maximale Wirkung zu erzielen.

Die Aktivitäten der Agenten vor Ort sind mit denen der Aktivitäten im Ausland zeitlich und inhaltlich abgestimmt. Und für den Fall der Fälle werden die Entthronisierten und ihre Erben in der „freien Welt“ geparkt, um für den Fall der Fälle zur Verfügung zu stehen — so wie der Sohn des 1979 gestürzten Schahs Reza Pahlavi. Für den eigenen Machtanspruch ist dieser Mensch sich nicht zu niedrig, um einen Bürgerkrieg im Heimatland vom Zaum zu brechen (7).

Und was nutzen Aktivisten? Farbrevolutionäre, die globale Agenden als Agenten vor Ort umsetzen? Sie nutzen zum Beispiel die Soros-Netzwerke. Und angebliche Qualitätsmedien wie die ARD haben keinerlei Probleme, Soros-Netzwerke als Quellen heranzuziehen — zur erbaulichen Manipulation ihrer Konsumenten:

„Nach Angaben der Human Rights Activists News Agency (HRANA) wurden mindestens 203 Menschen getötet. 162 davon seien Demonstranten und 41 Angehörige der Sicherheitskräfte, teilte die in den USA ansässige Organisation mit. Auch sie erklärte, die tatsächliche Opferzahl sei möglicherweise deutlich höher. Zuletzt sprach die Organisation sogar von mehr als 400 Toten.“ (8)

Lesen die ARD-Redakteure überhaupt noch wirklich, was sie da veröffentlichen? 41 Sicherheitskräfte bei insgesamt 203 Toten stellt einen Widerspruch in sich dar. Und wer für die Opfer auf beiden Seiten tatsächlich verantwortlich ist, wird damit auch noch lange nicht klar. Hier wurde eindeutig gezündelt, um eine harte, medial ausnutzbare Reaktion von Sicherheitskräften zu provozieren. Das Netzwerk von Human Rights Activists, die mehrfach von der ARD genutzte Quelle (9, 10), wird übrigens großzügig von den Open Society Foundations unterstützt (11).

Für all das sind aber auch technische Ressourcen notwendig. In Zeiten des sogenannten Arabischen Frühlings — gemeint sind die Farbrevolutionen 2010/11 in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien — wurden als Kommunikationsinstrumente die sogenannten sozialen Netzwerke, speziell Facebook, genutzt. Im Iran ist das nicht mehr möglich, weil die Administration über technische Werkzeuge verfügt, Zugänge in das Internet gezielt abzuschalten. Aber es gibt ja noch Starlink…

Ein Oligarch und der Iran

Oft wird Elon Musk in Opposition zu George Soros dargestellt. So richtig diese Darstellung auch sein mag, darf sie doch nicht allein stehen. Denn Elon Musk ist, ganz so wie George Soros, ein Oligarch. Und hinzu kommt: Die ideologische Diskrepanz der Beiden bedeutet eben nicht, dass der eine ein Globalist wäre und der andere dagegen nicht. Oligarchen tragen grundsätzlich das Machtgen in sich. Mit diesem handeln sie als wohlgemerkt nichtgewählte, außerhalb des demokratischen Regelwerkes in die Funktion des Politikers gekommene Schwerreiche. Erreicht haben sie das mit dem Hebel ihrer finanziellen Ressourcen und der daraus erschaffenen informellen, einflussreichen Netzwerke.

Die Profitmaximierung ist sowohl bei Soros als auch bei Musk die einzige tatsächlich ehrlich gelebte Ideologie, so unterschiedlich die Geschäftsfelder und die Konzepte ihres Herrschaftsanspruchs im Detail auch auseinander gehen mögen. Damit dürfte eingängig sein, dass für den aktuellen US-Präsidenten und seine Vertrauten Soros kein Verbündeter ist — aber auch Musk ist das nicht. Im Machtkampf zu bestehen, die Machtverhältnisse gekonnt auszubalancieren, so man doch selbst auf der Waage steht, ist ein heikles Ding. Fragt sich nun, was das mit dem Iran zu tun hat.

Mit wem paktiert also ein Elon Musk? Ganz einfach: Mit jedem, der seinen eigenen Zwecken nützt. So sieht sie nun einmal aus, die erfolgreich praktizierte Ideologie des Kapitalismus. Und Gottchen, wenn man mit Starlink so immens viel Geld verdienen kann, dann muss man auch eine erfolgreiche Farbrevolution nach dem Geiste des verhassten Soros in Kauf nehmen. Als Oligarchen und Globalisten sind sie dann doch Brüder im Geiste. Wie das Spielchen funktioniert, weiß auch der Milliardär Donald Trump.

Aber ist denn eine erfolgreiche Farbrevolution im Iran im Sinne der Trump-Regierung? Wirklich? Der Autor erlaubt sich die eindeutige Antwort: Nein! Um sich diesem Gedanken anzunähern, lohnt es sich, hinüber zur Ukraine zu schauen. Unübersehbar versucht Trump seit einem Jahr einen eleganten Rückzug der US-Beteiligung aus dem Ukraine-Konflikt. Der Krieg dort ist tatsächlich nicht sein Krieg. Nun stellen wir uns einmal vor, Starlink würde für das ukrainische Militär plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen.

Ohne Information ist alles nichts. Ohne Starlink würde die Ukraine wahrscheinlich binnen Wochen im Krieg gegen die russischen Streitkräfte klein beigeben müssen. Elon Musk konterkariert ganz offensichtlich die Pläne der US-Administration zur Beendigung des Ukraine-Konflikts. Das weiß Trump natürlich. Nun könnten wir ja annehmen, dass Trump die Macht hat, Musk zu befehlen, das Starlink-Engagement in der Ukraine zu beenden. Hat er die Macht tatsächlich?

Hat er nicht. Genauso wenig, wie er Musk befehlen kann, Starlink für den Iran zu sperren. Es geht um Balance in einem knallharten Machtspiel. Und Trump und seine Vertrauten können es sich nicht leisten, aus dem mächtigen informellen Netzwerk der Oligarchen ausgesperrt zu werden. Es bedarf der kontinuierlichen Vernetzung, um selbst Einfluss, vor allem aber Informationen zu erhalten.

Dafür tut Trump etwas anderes. Etwas, was die Politikeliten und darüber hinaus große Teile der Gesellschaft nicht verstehen können. Weil sie in ihrer emotionalen Haltung, so ist es gewollt, limitiert sind. Sie sind zwar fähig, aber nicht bereit, zu erkennen, dass Trump die verschiedenen Fraktionen des Tiefen Staates geschickt gegeneinander ausspielt. Dabei aber immer auf die eigenen Ziele fokussiert bleibt. Ausgerechnet die Einflussnahme der USA auf die israelische Aggression gegen den Iran im vergangenen Jahr ist ein Paradebeispiel für dieses Spiel mit den Opponenten im eigenen Land, den Globalisten, den Neokonservativen wie auch der israelischen Lobby.

Wie eine Farbrevolution verkümmert

Die wochenlangen Proteste im Iran waren das Eine. Die Ursachen sind vielfältig und liegen beileibe nicht nur in internen Konflikten der iranischen Gesellschaft. Das Wesen dieser Proteste war insgesamt friedlich und sie wurden auch nicht verboten, was, wenn auch verbrämt, selbst von den hiesigen Massenmedien eingestanden wurde (12).

Die Gewalt flammte am 8. Januar gleichzeitig in mehreren Städten des Iran auf — und das weist uns darauf hin, dass hier eine vernetzte, koordinierte Operation in Gang gebracht wurde:

„Diese zwei Tage [8. und 9. Januar] hatten keinerlei Verbindung zu zivilen Protesten der Bevölkerung und waren eine Fortsetzung desselben 12-Tage-Krieges [Israels im Vorjahr]. Das Recht auf friedlichen Protest ist in der Verfassung anerkannt und wurde auch von der Regierung anerkannt, doch an diesen zwei Tagen betraten terroristische und bewaffnete Elemente die Bühne und setzten das gescheiterte Projekt des Feindes fort.“ (13)

So die Worte des iranischen Außenministers Seyed Abbas Araghchi. Nun, laut Araghchi begannen die Gewaltausbrüche am 8. Januar. Doch bereits am 9. Januar ebbte die Gewalt wieder ab. Was war der Grund? Im Informationsraum wird die „harte Reaktion des Regimes“ verbreitet. Doch am Abend des 8. Januars geschah noch etwas:

„Inmitten landesweiter Proteste haben die Behörden im Iran den weltweiten Internetzugang für die Bevölkerung abgeschaltet. Das Land befinde sich in einem ‚Internet-Blackout‘, berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks.“ (14)

Halten wir fest, dass vor dem 8. Januar die Behörden den Internetzugang nicht blockiert hatten — und das angesichts der Proteste im Land. Sie taten es erst, als die Gewalt ausbrach. Sie zielten auf die in Gang gebrachte Operation — und würgten sie rasch ab. Weil die Akteure vor Ort blind wurden, sich nicht mehr untereinander koordinieren und so isoliert werden konnten. Aber auch das Management der Operation hatte keinen Zugang mehr zu den Agenten. Nun könnte man meinen, dass das kaum etwas mit Musk zu tun haben kann. Hat es aber doch.

Denn die staatlich verwalteten Internet-Blocker lassen sich kaum noch umgehen, auch nicht mit VPN (Virtual Private Network). Als bei ähnlich gearteten Gewaltexzessen in den vergangenen Jahren die iranischen Behörden zwar die allgemeine Bevölkerung von der Internet- und Mobilfunk-Kommunikation abkoppeln konnte, nicht aber die die Gewalt koordinierenden aktivistischen Netzwerke, kam sie der Ursache schnell auf den Grund. Die interne und externe Kommunikation der Farbrevolutions-Agenten erfolgte nämlich über Starlink-Terminals, deren Signale nicht gestört werden konnten. Inzwischen wurden Zehntausende dieser Terminals in den Iran geschmuggelt (15).

Am 8. Januar gab es allerdings ein schwerwiegendes Problem:

„Allerdings stehen Starlink-Empfänger vor Herausforderungen. Seit dem 12-tägigen Krieg mit Israel im vergangenen Juni stört der Iran GPS-Signale, wahrscheinlich um die Wirksamkeit von Drohnen zu verringern. Starlink-Empfänger nutzen GPS-Signale, um sich zu positionieren und sich mit einer Konstellation von Satelliten in niedriger Umlaufbahn zu verbinden.“ (15i, a1)

Ist die Welt nicht klein? Diverse Herausforderungen bei der militärischen Nutzung von Starlink haben nämlich die NATO-ukrainischen Streitkräfte seit Ende 2022 zu meistern. Russland gelingt es zunehmend, die Starlink-Kommunikation zu stören, und damit einhergehend die Funktionsfähigkeit von Waffen und Informationsnetzen (16 bis 20). Hat der Iran eine eigene Technologie entwickelt? Wir dürfen etwas anderes vermuten. Nämlich, dass ein Technologietransfer stattgefunden hat.

Am 13. Januar berichtete Forbes mehr vom Starlink-Problem, und das sehr offen:

„So etwas haben wir noch nie gesehen. Im Rahmen der digitalen Abschottung des Iran wurden nun militärische Störsender eingesetzt, die Berichten zufolge aus Russland stammen, um den Zugang zum Starlink-Internet zu unterbinden. Dies ist eine entscheidende Veränderung für die Plan-B-Konnektivität, die häufig von Demonstranten und regimekritischen Aktivisten genutzt wird, wenn der normale Zugang zum Internet unterbunden ist.“ (21)

Die Katze ist wieder einmal aus dem Sack. Es geht also nicht darum, dem iranischen Teppichhändler sein demokratisches Recht auf freie Nutzung von Informationen zu nehmen. Nein, es geht darum, als Aktivisten verkauften Agenten ausländischer Mächte den Saft abzudrehen, den Saft an Informationen, der für ihre Aktivitäten überlebenswichtig ist. Und das scheint erfolgreich gewesen zu sein (22).

Blinde Flecken

Der Text titelte mit einer Frage: Warum so in die Ferne schweifen? Es ist der Hinweis auf das Beschäftigen mit dem Unpersönlichen, um die eigenen persönlichen Herausforderungen zu umgehen. Der Blick nach außen ist oft dem Blick geschuldet, den man nach innen nicht zu richten wagt.

Die Arroganz der Macht ist selbstgerecht bis hin zum Selbstbetrug. Das eigene Versagen lässt sich doch so schön kaschieren, wenn man lautstark auf Andere zeigt. Da unterscheidet sich ein Wadephul (siehe weiter oben) in keiner Weise von Baerbock, dem Vorgänger im Amt des Außenministers.

Diese Politdarsteller sind allerdings auf das Versagen getrimmt. Sie zeigen sich immerfort als Lautsprecher, die weder die Interessen der iranischen Bevölkerung, noch die der deutschen vertreten. Deshalb auch kommen ihnen eine anmaßende Sprache so leicht über die Lippen. So gesehen, stellen auch sie eine Art Aktivisten dar, oder Agenten. Agenten in welchem Auftrag? An ihren Taten kann man es erkennen.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er — einschließlich der Primärquelle — gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Die Übersetzungen erfolgten unter Zuhilfenahme von DeepL.com.

(1 bis 1ii) 02.02.2026; ARD-Tagesschau; Iran bestellt Botschafter aller EU-Länder ein; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-eu-botschafter-102.html

(2, 2i) 01.02.2026; Deutschlandfunk; Iran erklärt Bundeswehr und alle anderen Streitkräfte in der EU zu „terroristischen Gruppen“; https://www.deutschlandfunk.de/iran-erklaert-bundeswehr-und-alle-anderen-streitkraefte-in-der-eu-zu-terroristischen-gruppen-100.html

(3) 29.01.2019; Auswärtiges Amt; Außenminister Wadephul zur Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation; https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2754268-2754268

(4) Gene Sharp; 198 Methods of Nonviolant Action; https://web.archive.org/web/20190121005215/https://www.aeinstein.org/nonviolentaction/198-methods-of-nonviolent-action/; entnommen: 02.02.2019

(5) U.S. Department of Justice; FAQs, What is an „agent of a foreign principal“?; https://www.justice.gov/nsd-fara/frequently-asked-questions; abgerufen: 02.02.2026

(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Provocateur; abgerufen: 03.02.2026

(7) 23.01.2026; ARD-Tagesschau; Irans Justiz widerspricht Trump; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-proteste-hinrichtungen-100.html

(8) 11.01.2026; ARD-Tagesschau; Warnung an die Demonstranten — Drohung Richtung USA; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-proteste-warnung-100.html

(9) 10.01.2026; ARD-Tagesschau; Regime droht Demonstranten mit harten Anklagen; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-proteste-270.html

(10) 28.01.2026; ARD-Tagesschau; Benjamin Weber; Planen die USA doch noch einen Militärschlag?; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/lage-iran-proteste-100.html

(11) Open Society Foundations; Human Rights Activists; https://www.opensocietyfoundations.org/grants/past?filter_keyword=Human+Rights+Activists&grant_id=OR2023-89376; abgerufen: 03.02.2026

(12) 07.01.2026; ARD-Tagesschau; Benjamin Weber; Die Proteste treffen das Regime zur Unzeit; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-proteste-256.html

(13) 02.02.2026; IRNA; Araghchi: 12-Tage-Krieg zeigte, dass die iranische Nation Drohungen und Gewalt besiegt; https://de.irna.ir/news/86067459/Araghchi-12-Tage-Krieg-zeigte-dass-die-iranische-Nation-Drohungen

(14) 08.01.2026; ARD-Tagesschau; Iran verhängt landesweite Internetsperre; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-proteste-internet-100.html

(15) 10.01.2026; The Times Of Israel, AP; As Iranian regime shuts down internet, even Starlink seemingly being jammed; https://www.timesofisrael.com/iran-appears-to-jam-starlink-after-shutting-down-comms-networks/

(16) 08.10.2022; Handelsblatt; Martin Murphy; Satelliten-System Starlink für ukrainisches Militär fällt über Front aus; https://www.handelsblatt.com/politik/international/ukraine-krieg-satelliten-system-starlink-fuer-ukrainisches-militaer-faellt-ueber-front-aus/28731196.html

(17) 08.10.2022; Tagesspiegel; Nathalie Trappe; Ukraine meldet Ausfälle von „Starlink“-Satelliten — SpaceX-Chef weist Kritik zurück; https://www.tagesspiegel.de/politik/deal-zwischen-musk-und-putin-befurchtet-ukraine-meldet-ausfalle-von-starlink-satelliten-8727622.html

(18) 10.10.2022; future zone; Russland sabotiert angeblich Starlink der ukrainischen Truppen; https://futurezone.at/digital-life/russland-ukraine-krieg-starlink-elon-musk-jammer-sabotage/402176802

(19) 09.10.2022; The EurAsian Times; Ashish Dangwai; Sabotaging Starlink, Russia Is Using EW Complex “Tirada” To Disrupt SpaceX Satellites Connecting Ukraine — Media; https://eurasiantimes.com/sabotaging-starlink-russia-using-ew-complex-tirada-to-disrupt/

(20) 16.09.2022; Space.com; Brett Tingley; Russia says private satellites could become ‚legitimate target‘ during wartime; https://www.space.com/russia-private-satellites-legitimate-target-wartime-united-nations

(21) 13.01.2026; Forbes; Zak Doffman; „Kill Switch“ — Iran Shuts Down Musk’s Starlink For First Time; https://www.forbes.com/sites/zakdoffman/2026/01/13/kill-switch-iran-shuts-down-starlink-internet-for-first-time/

(22) 10.01.2026; Moon of Alabama; Iran Shrugs Off Another Round of U.S./Israel Sponsored Regime Change Riots; https://www.moonofalabama.org/2026/01/iran-shrugs-off-another-round-of-u-s-israel-sponsored-regime-change-riots.html

(Titelbild) Flagge, Iran, USA, EU; Autor: Gerd Altmann (Pixabay); Heruntergeladen: 03.02.2026; https://pixabay.com/illustrations/iran-usa-europe-flags-politics-4743599/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

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