Krieg wohnt inne der Drang zum unbeschränktem Zugriff auf Ressourcen und der Ausschaltung von Konkurrenten.
Im Nullsummenspiel des finanzialisierten Kapitalismus sind schließlich die Kosten der Einen die Gewinne der Anderen. Und Mehrung von Kapital funktioniert in diesem System stets über Geldschöpfung aus dem Nichts, über die Generierung von Krediten. Kredite werden benötigt, um diese als vermehrungswürdiges Kapital zu investieren. Dafür bedarf es in der realen Produktion — weniger der von Finanzprodukten — eines unbedingt: Rohstoffe. Und so wie man sich diese Rohstoffe zu eigen macht, kann man sie anderen auch entziehen. Letztlich kann man damit sogar Politik gestalten und Konkurrenten aus dem Markt drängen.
Vorwort
Dauerhaft reale Macht oder auch dauerhaft reale Souveränität — jene, die sich der Macht zu entziehen vermag also — bedürfen einer stabilen Basis. Das ist zum Ersten politische Stabilität, innerer gesellschaftlicher Frieden und robuste Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen. Das wiederum erfordert eine vernünftig aufgestellte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und eine gesunde Autarkie. Und der Schmier- wie Treibstoff, um das alles beständig zu erhalten, sind Rohstoffe. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, dann ist auch die finanzielle Ausbeutung einer solchen Gesellschaft durch Dritte nicht mehr machbar. Das gilt für große Gesellschaften genauso wie für kleine.
Wir können es auch umdrehen. Beim Anstreben von Machtansprüchen im Äußeren zielt man primär immer auf eine Spaltung der angegriffenen Gesellschaft. Alles andere folgt danach. Das von außen umgesetzte Konzept setzt auf Sollbruchstellen der angegriffenen Gesellschaft, auf ihre inhärenten Widersprüche und versucht diese zu verstärken. Gleichzeitig mit der provozierten Schwächung durch inneren Zwist wird der Druck von Außen erhöht. Im Grunde ist das bereits Krieg. Aber hinter all dem steckt die Sehnsucht nach der Aneignung fremder Ressourcen und der Ausschaltung von unliebsamer Konkurrenz.
Kriege werden in erster Linie immer angefacht, um Zugriff auf fremde Ressourcen zu erlangen, beginnend mit den Köpfen. Und als zweites geht es um die Niederschlagung, Ausschaltung oder Inbesitznahme von Konkurrenten. Jedes Lamentieren, dass man Demokratie und Menschenrechte verteidigen, humanitäre Katastrophen verhindern, oder einem aggressiven, unberechenbaren Diktator zuvorkommen müsste, ist vorgeschoben. Die Ideologie, welche auch immer es sein möge, ist vorgeschoben, aber sie ist nicht der wahre Antreiber. Das ist es immer!
Wer hat ein Interesse am Krieg im Nahen Osten?
Strategische Konzepte erfordern Werkzeuge: politische, militärische und wirtschaftliche Werkzeuge. Und letztere bauen auf Technologien und bedürfen der Rohstoffe, womit diese selbst eine strategische Bedeutung und politische Relevanz erlangen. Strategische Rohstoffe beginnen bei Energieträgern, enden aber nicht bei diesen. Der militärisch eskalierte Nahost-Konflikt stellt die Abhängigkeiten von strategischen Rohstoffen in ein gleißendes Licht. Wobei es keineswegs nur um Öl und Gas geht.
Helium zum Beispiel ist ebenfalls ein strategischer Rohstoff. Doch die Gewinnung von Helium mit akzeptablem Aufwand ist nur durch dessen Extraktion aus Erdgas möglich. Bis zu 12 Prozent des geförderten Erdgases enthält Helium. Helium wiederum ist derzeit unersetzbar bei der Produktion von Halbleitern. Ohne Halbleiter keine Informationstechnik, keine schöne neue Smartphone-Welt, keine „künstliche Intelligenz“ („KI“) (1).
„Taiwan und Südkorea haben Helium-Vorräte für rund drei Monate. Danach müssen sie die Produktion einstellen, weil Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann.“ (2)
Vor allem ist es schwierig, Helium aufgrund seiner chemischen Eigenschaften länger als drei Monate in großen Mengen vorzuhalten. Es existieren weltweit nur zwei große Speicher (Kavernen) — einer in den USA, der zweite in Deutschland — die bislang für die Speicherung großer Mengen von Helium genutzt werden (3).
Wer hat ein Interesse am Krieg im Nahen Osten? Wem nützt es, wenn die komplexen Infrastrukturen und Prozesse zur Produktion von Halbleitern aus dem Takt geraten? Über diese kritischen Abhängigkeiten waren sich die Akteure stets im Klaren — also auch bereits bevor der Krieg gegen den Iran losgetreten wurde.
Aber reden wir doch über viel existenziellere Dinge, reden wir über Nahrungsmittel und das, was es für deren Produktion bedarf:
„Mineralischer Stickstoffdünger ist der wichtigste Hebel, um Ertrag und Proteingehalt von Getreide zu steigern — und er wird aus Erdgas hergestellt. Das macht den Großteil der Produktionskosten aus. Aus dem Gas entsteht Ammoniak, daraus Harnstoff.“ (4)
Wem nützt es zu schaden? Gibt es möglicherweise jemanden, der ein Interesse daran hat, dass Katar keine zusätzlichen Einnnahmen aus dem Verkauf von Harnstoff generieren kann? Was einen künstlich kreierten Mangel an Düngemitteln und deren Vorprodukten erzeugt. Wie gesagt: Der Mangel ist ein künstlicher, es gibt genug Düngemittelproduzenten auf dem Weltmarkt. Doch zielt der Krieg im Nahen Osten nicht nur auf den Iran und die arabischen Staaten, es ist alles viel komplexer.
Der Krieg gegen die Landwirtschaft
Der Krieg im Nahen Osten bedient nämlich auch den Krieg gegen die europäische Landwirtschaft. Es gibt den Krieg als Begrifflichkeit für die gewaltsame Austragung von Feindseligkeiten. Und es gibt stets eine Reihe von Kriegen, die zeitlich parallel, aber nicht gleichermaßen spektakulär verlaufen. An dieser Stelle präsentiert der Autor dem Leser eine ARD-Nachricht, die geradezu vorbildlich den Sachverhalt einer verkürzten Darstellung erfüllt:
„Der Krieg im Iran lässt die Preise für Düngemittel immer weiter steigen. Das könnte sich auch auf die Versorgung mit Lebensmitteln auswirken, die Welthungerhilfe warnt sogar vor verschärften Ernährungskrisen.“ (5)
Beim ZDF manipuliert man auf der gleichen Schiene:
„Viele Landwirte in Deutschland kämpfen mit den Folgen des Iran-Krieges. Nicht nur die hohen Spritpreise bereiten ihnen Problem, sondern auch gestiegene Kosten bei Düngemitteln.“ (6)
Das ist eine Desinformation. Denn allein der Krieg im Iran lässt die Preise für Düngemittel eben nicht steigen. Und das gilt ganz besonders für Düngemittelpreise in Deutschland. Zehn Prozent der weltweiten Produktion von Harnstoff kamen in der jüngeren Vergangenheit aus Katar — nun nicht mehr (7). Aber ist denn das auch für Deutschland existenziell? Eigentlich nicht, es sei denn, das Problem wurde künstlich erschaffen.
Im Juni 2025 hat die Europäische Union (EU) neue Zölle für Düngemittel aus Russland erhoben. Für Zynismus waren die Technokraten in Brüssel schon immer empfänglich:
„Die Anwendung dieser Zölle wird genau überwacht, um sicherzustellen, dass die Düngemittelindustrie und die Landwirte in der EU geschützt werden. Die Zollerhöhungen für Düngemittel [aus Russland] werden schrittweise über einen Übergangszeitraum von drei Jahren erfolgen.“ (8)
Welchen Zweck gab der Europäische Rat gleich vor, als er diese Sanktionen in Kraft setzte?
„Neben der Schwächung der russischen Kriegswirtschaft werden die neuen Zölle dazu beitragen, die Abhängigkeit der EU von Russland und Belarus [Weißrussland] zu verringern, und werden die Diversifizierung und die Inlandsproduktion fördern. Dies wird die Diversifizierung der Versorgung ermöglichen, eine stabile Düngemittelversorgung gewährleisten und vor allem die Erschwinglichkeit für die Landwirte in der EU gewährleisten.“ (8i)
Öffentlich-Rechtliche Medien schießen bei ungezügelter Propaganda nicht selten den Vogel ab, zum Beispiel hier:
„Die Notlage der Landwirtschaft in Europa macht sich Kreml-Chef Wladimir Putin zunutze und drängt mit russischen Kunstdüngern in den europäischen Markt. Gleichzeitig kann er so das europäische Gasembargo unterlaufen, indem Russland veredeltes Gas in Form von Stickstoffdünger nach Europa bringt.“ (9)
Das ist Hetze, es ist Blödsinn und es ist kalkuliert. Es lenkt den Scheinwerfer gezielt auf ein Scheinproblem, um das echte Problem gar nicht erst zur Diskussion zu bringen. Der Widersinn lässt sich aus ein und derselben Nachricht extrahieren:
„Doch Kunstdünger ist inzwischen teuer — zu teuer. Bauern, die Weizen anbauen, stehen besonders ökonomisch unter Druck, weil die Weizenpreise im vergangenen Jahr an den Terminbörsen noch weiter eingebrochen sind. Landwirt Bernhard von Weichs macht klar, welche konkreten Folgen das schwierige Preisgefüge für seinen Betrieb hat: »Aktuell sind die Düngerpreise um circa 30 Prozent gestiegen, alleine das verursacht auf meinem Hof Mehrkosten von etwa 30.000 Euro«.“ (9i)
Was sollen die Krokodilstränen, dass Bauern unter immer höheren Kosten ächzen? So man doch gerade die niedrigen Preise für Düngemittel bedauert hat? Dieser hier sichtbar werdende Widerspruch ist ein künstlicher, er ist nicht real. Er ist Teil der erzählten Geschichte, mit der die Menschen an der Nase herumgeführt werden und der Krieg gegen sie vertuscht werden soll. Deshalb auch ist das für den ganzen Widersinn grundlegende Narrativ vom „unprovozierten russischen Angriffskrieg“ so ungeheuerlich. Ungeheuerlich und wichtig für die Protagonisten gleichermaßen. Würde das Bild des „unberechenbaren aggressiven Putin (Russen)“ nicht mehr geglaubt, wäre der ganze Unsinn, der darauf aufbaut, auch nicht mehr verkaufbar. Aber der Unsinn, beachten wir das, ist kalkuliert. Er verkörpert nicht die wahren Ziele. Er ist vielmehr Mittel zum Zweck.
Doch gehen wir weiter im ARD-Tagesschau-Beitrag.
Mehr als ein Krieg gegen die Landwirtschaft
Zwei, drei Absätze später mäkelt man dort doch tatsächlich, dass Mineraldünger zu billig wäre:
„Auch weil Erdgas in Russland die Mineraldünger-Produzenten scheinbar fast nichts kostet, könnten sie mit Dumpingpreisen die deutschen Hersteller leicht in den Ruin treiben […].“ (9ii)
Um schließlich das selbstverursachte, das gewollte (!) Problem auf den „Lieblingsgegner“ abzuwälzen. Aber hier geht es primär gar nicht um den Krieg gegen Russland, sondern um den gegen die eigene Bevölkerung. Grundlegende nationale Interessen werden mit Füßen getreten:
„Mit dem Dumpingdünger können europäische Produzenten kaum konkurrieren. Wenn dieser Trend sich so fortsetzt, besteht die Gefahr, dass die Ammoniakproduktion in Europa bald am Ende ist und Deutschland vom russischen Dünger abhängig ist.“ (9iii)
Wir erfahren hier nämlich durch die Blume, dass nicht nur Krieg gegen die europäische Landwirtschaft sondern auch gegen wichtige Grundstoffindustrien geführt wird, zum Beispiel die chemische Industrie. Die preiswerte Rohstoffbasis für die Ammoniakproduktion in Deutschland wurde nachhaltig geschwächt, als man unter Zuhilfenahme des lügenden Narrativs vom „unprovozierten russischen Angriffskrieg“, die Zufuhr russischen Gases kappte.
„[Der größte deutsche Düngemittelhersteller] SKW-Piesteritz aus Sachsen-Anhalt leidet neben den teuren Gaspreisen darunter, dass der Markt mit billigem Dünger geflutet wird, so der Geschäftsführer Carsten Franzke: „Seit dem Ukraine-Krieg haben wir eine Auslastung von 50 bis zu 60 Prozent im Vergleich zu der Situation vor dem Ukraine-Krieg. Der Wettbewerber aus Russland kann zu einem weitaus geringeren Preis Dünger herstellen. Wir vermuten, dass es teilweise das Erdgas dort für die Produzenten fast zum Nulltarif gibt“, so Franzke.“ (9iv)
„Seit dem Ukraine-Krieg“ weist auf einen nicht stimmigen Zusammenhang. Nein, das Problem besteht, seit dem das EU-Sanktionsregime gegen Russland völlig außer Rand und Band gelaufen ist. Das hat überhaupt nichts mit der russischen Intervention in der Ukraine, dafür eher mit dem Krieg der EU gegen Russland zu tun. Doch ist es mehr als das: Es ist ein Krieg gegen die eigenen Volkswirtschaften. Das scheint absurd, jedoch nur so lange, bis wir wagen die Frage zu stellen, wer von solch einer Politik profitieren könnte.
Das oben erwähnte SKW-Piesteritz ist übrigens eine Tochter des tschechischen Konzerns Agrofert (10). Die in ihm zusammengeschlossenen Betriebe haben eine noch aus sozialistischen Zeiten stammende traditionelle Bindung nach Osten, welche hier gezielt administrativ zerschlagen werden soll.
Wem nützt es, wenn es gelingt, Russland aus dem Rennen der Düngemittelproduzenten, respektive Düngemittelexporteure zu nehmen? Was aktuell mit eine Schwächung europäischer Düngemittelproduzenten (siehe gerade oben) einhergeht. Russland ist bis heute der größte Düngemittelexporteur der Welt. Danach folgen China, Kanada, Marokko, die USA und Saudi-Arabien (11). Kriege werden geführt, um an Ressourcen zu gelangen oder/und Konkurrenten auszuschalten — noch besser: diese zu übernehmen. Und wenn man mittels Kriegen Ressourcen künstlich verknappt, dann werden sie was? Natürlich, sie werden teurer.
Wer profitiert also in diesem Falle von den Kriegen gegen Russland und den Iran?
Globalistische Marktbereinigung
Es ist kein Jahr vergangen, seitdem die EU dynamisch steigende Zölle auf russische Düngemittel erhoben hat. Und trotzdem wird heute doch tatsächlich gebarmt, dass Düngemittel in Deutschland teurer und knapper würden. Erinnert sich der geneigte Leser noch an das Schlagwort Diversifizierung? Zum Beispiel die von Energiequellen und Düngemitteln? Jetzt erleben wir die Früchte dieser sehr speziellen Art von Diversifizierung in Reinkultur (12). Und wir erleben, dass Diversifizierung nur als Schlagwort, als ein vorgeschobenes Argument taugen sollte. Denn das Gegenteil ist der Fall und so auch angestrebt.
Wenn der ideologische Ansatz für hohe Zölle auf Düngemittel nur vorgeschoben ist — in diesem Falle, dass „die Fähigkeit des Landes [Russlands], seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu finanzieren, eingeschränkt wird“ (8ii) —, dann muss man sich doch die Frage stellen, wem es praktisch nützt. Nützt es den hiesigen Produzenten von Grundstoffen, den Bauern, den Händlern, den Verbrauchern? Das sind die relevanten Teilnehmer der Wertschöpfungskette — und keinem nützt eine Verknappung von Düngemitteln und keinem nützt eine Verknappung von Energieträgern. Wissen das die Regierenden nicht? Oh doch, sie wissen es. Sie dürften auch wissen, wem das Ganze tatsächlich nützt. Wem nützt es also, wenn Rohstoffe künstlich verknappt werden?
Erweitern wir die Fragestellung: Wem nützt es, wenn landwirtschaftliche Betriebe — sowohl die in der Pflanzen- als auch die in der Tierproduktion — absichtsvoll (!) in existenzielle Nöte gebracht werden?
Wenn wir glauben, in der hohen Politik wäre es vor allem Inkompetenz, welche gestalten würde, sind wir möglicherweise auf dem Holzweg. Die Politiker setzen genau das um, für was sie ins Amt gebracht wurden. Das bedeutet, dass die Politiker durch vielfältige politische Maßnahmen die Landwirtschaft auch in Deutschland gezielt ruinieren.
Was hier vor unseren Augen seit Jahren geschieht, ist eine gründliche Marktbereinigung der traditionellen europäischen Landwirtschaft. Eine neue Art von Nahrungsmittelindustrie auf Basis von Genen und Synthese wartet auf ihre hochprofitable Implementierung. Eine Implementierung, die genau das Gegenteil mit sich bringen wird als die uns vorgegaukelten Ziele: Mehr Abhängigkeit, weniger Diversifizierung, höhere Kosten und dazu Risiken, die überhaupt noch nicht auf den Prüfstand gestellt wurden. Gänge es tatsächlich um all das, dann wäre dies ein vernünftiger Ansatz:
„Regenerative Landwirtschaft ist damit nicht nur ein ökologischer Ansatz — sie ist auch eine strategische Antwort auf die Krisen einer energieabhängigen Welt.“ (13)
Und trotzdem vernebelt es die Wahrheit, kehrt Ursache und Wirkung um. Denn die Krisen dieser Welt sind strategische Antworten auf Hindernisse, die sich Konzepten gesellschaftlicher Neuordnung in den Weg stellen. Zu denen ganz eindeutig die kleinteilige, regenerative Landwirtschaft gehört.
Man kann und muss es immer wiederholen: Alles im Mantel der Corona-Lüge in jüngster Vergangenheit Dargebotene erscheint wie eine Blaupause für andere Projekte im Rahmen der Umgestaltung von Gesellschaften hin zu einer „schönen neuen Welt“.
Scheinbar grüne Agenden
Erdgas aus dem Nahen Osten erreicht Europa in einer speziellen Form — als verflüssigtes Gas (LNG). Wer hatte ein Interesse daran, dass Europa übermäßige Abhängigkeiten von Erdgas aus dieser Region eingeht und dabei auch noch in Kauf nimmt, dass es in seiner flüssigen Konsistenz umweltschädlicher und teurer daherkommt (14)?
Wie war das noch mit der Diversifizierung? Hat das EU-Europa nun eine stärker diversifizierte Energiebasis als vor sechs Jahren? Das Gegenteil ist eingetreten und noch einmal: Das war den Entscheidern von Beginn an klar.
Wenn etwas teurer wird, heißt das logischerweise, dass man mehr bezahlen muss. Bezahlt wird mit Geld, aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Denn Geld ist immer knapp. Es sei denn, man schöpft es aus dem Nichts. Und wer darf das? Lange Rede, kurzer Sinn: Jede auch noch globale Teuerung erfordert mehr Geld. Geld ist Kredit. Ergo: Man nimmt neue Kredite bei Banken auf. Welche Banken sind das? Oder sind es gar Banken, welche Kriege überhaupt erst lancieren?
Wir haben bereits drei strategische Rohstoffe beziehungsweise Vorprodukte erwähnt, die derzeit einer globalen Teuerung unterworfen sind: Erdgas, Helium und Düngemittel. Jeder Krieg macht die Dinge teurer. Kann es sein, dass Banken gerne jeden Krieg mitnehmen, und zwar ganz egal, um was für eine Art Krieg es sich handelt?
„In Europa werden Düngemittel zusätzlich verteuert, weil seit 1. Januar das sogenannte CO2-Grenzausgleichssystem gilt, auf Englisch Carbon Border Adjustment Mechanism oder CBAM. Vereinfacht gesagt müssen Importeure von Stickstoffdünger eine Gebühr bezahlen, welche den Preis der CO₂-Emissionen bei deren Herstellung berücksichtigt.“ (7i)
Man kann es auch anders betreiben. Man verbietet oder reglementiert einfach den Einsatz von Dünger, wie das zum Beispiel in den Niederlanden bereits massiv vorangetrieben wird:
„Die [niederländische] Regierung hat angekündigt, die Stickstoffemissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Dies sei unvermeidbar, um die Qualität von Luft, Boden und Gewässern zu verbessern, betonten Kabinettsmitglieder, auch wenn dies bedeute, dass nicht alle Bauern ihren Beruf weiter ausüben könnten. Die geplante Reduzierung des Stickstoff-Ausstoßes könnte für viele Bauern im Land das Aus bedeuten.“ (15)
Oder man reglementiert einfach die landwirtschaftlichen Betriebe ganz allgemein, erstickt sie in einem Wust von Verordnungen, über welche Kosten und Zeitaufwände nach oben getrieben werden (a1). Deutsche Landwirte sind nicht blauäugig, sie wissen, dass der Wahn der EU-Technokraten auch vor Deutschland nicht haltmachen wird:
„Es sei egal, ob es um Wasserproben oder Flächen gehe, die nachweislich in Ordnung seien. Die landwirtschaftlich benutzen Flächen würden in Sippenhaft genommen und als Rote Gebiete erklärt. Die Einmischung bei der Tierhaltung, der Freiheit in der Düngung oder beim Antasten des Eigentums — das alles gehe fast in Richtung Berufsverbot. Diese vielen Regeln würden Landwirte in Existenznot bringen.“ (16)
Wer hat das allergrößte Interesse an Teuerungen jeder Art, auch solcher sinnfreien wie einer auch noch dynamischen Besteuerung von Kohlendioxid? Der Krieg gegen den angeblich durch CO2 verursachten Klimawandel ist nicht etwa der Grund, es ist vielmehr ein weiteres operatives Instrument, um den Markt neu zu gestalten und gleichzeitig zu monopolisieren. Außerdem ist er einer von diversen Hebeln im Geldschöpfungsprozess. Wobei der aufmerksame Leser sicher längst kritisch durchleuchtet hat, das dies alles nicht etwa durch die Banken vollzogen wird, sondern durch Menschen. Es ist immer wieder frappierend, ja verstörend, wie Menschen sich mit Hingabe einem System unterordnen — samt ihres vorhandenen empathischen Potenzials.
Schmarotzer
In Zeiten instabiler politischer Verhältnisse — Kriege sind deren ultimative, krasseste Verkörperung — schmarotzen Spekulanten. Nutzen sie doch die starken Preisschwankungen bei strategischen Rohstoffen, gekoppelt mit Zugang zu internen Informationsräumen, um Kasse zu machen. Das ist im aktuellen Krieg gegen den Iran nicht anders. Ja, politische Entscheidungen, gar die Steuerung von Kriegen können sogar auf spekulative Geschäfte zugeschnitten sein (17).
Kaum, dass die EU die Sanktionen gegen russische Düngemittel erlassen hatte, kam das:
„Einige amerikanische Düngemittelunternehmen zeigen sich seit einigen Wochen von ihrer ganz starken Seite und haben vor den US-Indizes bereits neue Allzeithochs beziehungsweise 52 Wochenhochs markiert.“ (18)
Es geht hier um nichts anderes als um Spekulation. Anleger haben erhöhtes Interesse an Aktien von US-Düngemittelherstellern gezeigt, um von den laufenden Marktbereinigungen zu profitieren und sie damit gleichzeitig voranzutreiben. Und welcher Kleinanleger hierzulande weiß schon, wo sein Investment in einem ETF (19) herumschwirrt um „zu hecken“? Wobei er seinen ganz eigenen kleinen Anteil dafür leistet, sich genau damit selbst das Wasser abzugraben. Eben davon leben billionenschwere Vermögensverwalter wie BlackRock, Vanguard und State Street. Sie leben auch von den 50 Prozent Kleinanlegern mitsamt derer achtsamkeitsfernen Gier nach etwas mehr.
Wenn zwei das Gleiche tun
Zwei Monate bevor die EU weitreichende und in der Zukunft anwachsende Zölle auf russische Düngemittel beschloss, geschah ähnliches in den USA.
„Im Stickstoffsektor haben die USA Zölle auf wichtige Harnstofflieferanten aus Übersee erhoben, was die Importkosten erheblich in die Höhe treibt. Der Nahe Osten (zum Beispiel Saudi-Arabien, Ägypten) ist seit langem eine wichtige Quelle für US-Harnstoff, aber diese Länder haben keine speziellen Zollbefreiungen erhalten, und die meisten unterliegen jetzt dem Standardzollsatz von 10 Prozent.“ (20)
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht Dasselbe. Der Zweck der Zollmaßnahmen in den USA ist schließlich auch ein völlig anderer als jener von der EU beschlossenen. Denn im Gegensatz zum EU-Raum haben die USA nicht nur eine solide industrielle Basis für die Herstellung von Düngemitteln. Sie verfügen auch in großen Mengen über den strategischen Rohstoff Gas als Grundlage für Stickstoffdünger, um den es im aktuellen Artikel vorrangig ging.
„Für einige Länder gelten sogar noch höhere Zölle — so werden beispielsweise die Harnstoffexporte aus Algerien in die USA jetzt mit 30 Prozent besteuert. Diese Zölle haben zusammen mit den Frachtkosten dazu geführt, dass die Anlandungskosten für Harnstoff aus dem Nahen Osten über das hinausgehen, was die Käufer in den USA verkraften können.“ (20i)
Das ist ein völlig anderer Ansatz als der in Brüssel. Die USA nutzen Zölle, um ihre Industrie wieder zurück ins Land zu holen. Das tun sie aus strategischen Gründen. Sie tun es, um eine gesunde wirtschaftliche Autarkie wiederherzustellen, die industrielle Basis des Landes zu sanieren. Sie setzen, und das scheint dem Autor sehr vernünftig, nicht mehr auf eine ewige Dominanz des US-Dollars. Es gibt keinen ideologischen Grund für diese Zölle, es wird auch kein ideologischer Grund vorgeschoben. Es handelt sich um rationale, volkswirtschaftliche Kalkulationen im Interesse einer zukünftigen Souveränität der Vereinigten Staaten von Amerika.
Im Gegensatz zu ihrer Umsetzung im EU-Europa bewegen sich die wahnhaften Projekte der Globalisten in den USA auf einem anderen Weg: dem des Scheiterns.
Bitte bleiben Sie schön achtsam, liebe Leser.
Anmerkungen und Quellen
(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.
(a1) Ein Auswuchs im pseudogrünen Verordnungswahn war die sogenannte Stoffstrombilanzverordnung, welche landwirtschaftliche Betriebe seit 2018 dazu zwang, „extrem detailliert zu dokumentieren, was sie wann und wo auf ihren Feldern ausbringen“. Auf Druck der Bundesländer schaffte die Merz-Regierung 2025 diese Verordnung wieder ab. Eine CDU-geführte Regierung war es allerdings auch, welche die Verordnung 2018 verabschiedet hatte (21).
(1) Thomas Seilnacht; Helium; https://www.seilnacht.com/Lexikon/2Helium.htm; abgerufen: 23.03.2026
(2) 23.03.2026; ARD-Tagesschau; Heidi Radvilas; Iran-Krieg gefährdet Chip-Produktion; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/chipindustrie-iran-krieg-100.html
(3) 30.05.2025; Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe; Helium – Rohstoffwirtschaftlicher Steckbrief (2025); https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Rohstoffe/Downloads/Downloads-MR/rohstoffsteckbrief_he.pdf
(4) 16.03.2026; rbb24; Sebastian Schneider; Iran-Krieg und Düngemittelpreise; https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/03/iran-krieg-usa-israel-landwirtschaft-brandenburg-duengemittel-duengerpreise.html
(5) 19.03.2026; ARD-Tagesschau; Iran-Krieg lässt auch die Düngerpreise steigen; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/thema-des-tages-duenger-100.html
(6) 20.03.2026; zdf heute; Wie der Krieg in Nahost deutsche Landwirte belastet; https://www.zdfheute.de/politik/iran-krieg-inflation-preise-oel-lebensmittel-teurer-100.html
(7, 7i) 22.03.2026; agrarheute; Simon Michel-Berger; Landwirtschaft im Golfkrieg: Kommt die große Düngerkrise?; https://www.agrarheute.com/markt/duengemittel/landwirtschaft-golfkrieg-kommt-grosse-duengerkrise-639777
(8 bis 8ii) 12.06.2025; Europäischer Rat; Handel: EU verabschiedet neue Zölle auf russische und belarussische landwirtschaftliche Erzeugnisse und Düngemittel; https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2025/06/12/trade-eu-adopts-new-tariffs-on-russian-and-belarusian-agricultural-goods-and-fertilisers/
(9 bis 9iv) 28.04.2025; ARD-Tagesschau; Peter Kreysler; Wie Putin mit Dünger seine Kriegskasse füllt; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/russland-duenger-exporte-krieg-100.html
(10) skw.PIESTERITZ; Unsere Muttergesellschaft; Holding; https://www.skwp.de/unternehmen/unternehmensprofil/unsere-muttergesellschaft/; abgerufen: 25.03.2026
(11) 11.03.2026; agrarheute; Welche Länder sind die größten Düngemittelproduzenten der Welt — und wer springt jetzt ein?; https://www.agrarheute.com/markt/duengemittel/welche-laender-groessten-duengerproduzenten-welt-springt-639618
(12) 30.01.2025; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Energieversorgungssicherheit gewährleisten — Resilienz stärken; https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2025/02/05-energieversorgungssicherheit
(13) Aufbauende Landwirtschaft; Die Welt vor der Düngerkrise. Warum regenerative Landwirtschaft Ernährungssicherheit stärkt; https://aufbauende-landwirtschaft.de/die-welt-steht-vor-der-duengerkrise-warum-regenerative-landwirtschaft-ernaehrungssicherheit-staerkt/; abgerufen: 23.03.2026
(14) 22.03.2026; RT deutsch; Rainer Rupp; Zerstörungen in Katar bescheren USA globale LNG-Dominanz; https://freedert.online/meinung/274341-zerstoerungen-in-katar-bescheren-usa/
(15) 11.03.2023; ARD-Tagesschau; Bauern protestieren gegen Umweltauflagen; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/niederlande-den-haag-bauernproteste-101.html
(16) 11.07.2022; agrarheute; Viktoria Hoffmann; Bauernproteste: Nach den Niederlanden jetzt auch in Deutschland; https://www.agrarheute.com/land-leben/bauernproteste-niederlanden-deutschland-595561
(17) 24.03.2026; ARD-Tagesschau; Detlev Landmesser; Spekulationen um Insiderhandel vor Trump-Post; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/dax-trump-oel-spekulation-100.html
(18) 12.06.2025; aktien MAGAZIN; M. Müllerhoff; US-Aktien aus dem Düngemittelmarkt zeigen Stärke.; https://aktienmagazin.de/blog/aktienanalysen/us-aktien-aus-dem-dungemittelmarkt-zeigen-starke-was-steckt-dahinter-w-145956.html
(19) 09.09.2025; Finanztip; Nadine Graf; Exchange Traded Funds einfach erklärt; https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/was-sind-etfs/
(20, 20i) 14.04.2025; Kelewell; Fernando Chen; Globaler Düngemittelmarkt in Aufruhr; https://www.kelewell.de/post/globaler-d%C3%BCngemittelmarkt-in-aufruhr-umstrukturierung-und-ausblick-aufgrund-von-us-z%C3%B6llen
(21) 24.06.2025; Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat; Stoffstrombilanzverordnung wird abgeschafft; https://www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/052-stoffstrombilanzverordnung.html
(Titelbild) Landwirtschaft, Getreide, Ähre; Autor: Mark Plötz (Pexels); 10.06.2019; https://www.pexels.com/de-de/foto/braunweizenpflanze-2506831/; Lizenz: Pexels