Kurdische Organisationen, syrisches Öl und gezinkte Karten

Der Generalplan zur Schaffung eines Kurdistans in Nordsyrien erhielt seit Oktober 2019 einen gewaltigen Dämpfer.


Mit Ablösung der Muskelspiele der Türkei durch konkrete Kampfhandlungen auf syrischem Gebiet wurde auch den USA der Boden für deren dort stationierte Truppen zu heiß. Etwa 1.000 US-Soldaten sind aus Gebieten in der Nähe der türkischen Grenze verschwunden. Sie kämpften nicht, sondern wurden ganz einfach abgezogen. Das ist ein krachende Niederlage für die “Gestalter” des “Neuen Nahen Ostens”.


Dahinter steckt keine plötzliche Einsicht der USA, dass es völkerrechtswidrig ist, einfach mal so Truppen in fremden Staaten zu stationieren, um einen irgendjemand, zum Beispiel Terroristen, bekämpfen zu müssen. Vielmehr ist es sichtbares Zeichen einer Niederlage in der geostrategischen Auseinandersetzung mit Russland – wie das?

Man muss wissen, dass der Pseudo-Kurdenstaat in Nordsyrien kein Produkt irgendeiner kurdischen Graswurzelbewegung sondern das ambitionierte Projekt US-amerikanischer Außenpolitik ist. Kurdistan taufte man um zu Rojava und dieses durfte daher auch ein paar Jahre gestaltet werden, weil es mit seinen basisdemokratischen Ansätzen ganz wunderbar das tatsächliche Projekt verschleierte. Was war und ist das für ein Projekt?

Nichts weiter als eines des “Teile und Herrsche” in der x-ten Ausführung. “Kurdistan”, ja vielleicht sogar ein “Großkurdistan“, hätte sich perfekt geeignet, um – bleiben wir in der Region – sowohl in “Kurdistan” selbst, als auch in Syrien, nicht zu vergessen in der Türkei (!) und schließlich auch im Irak weiter “gestalten” zu können. Es hätten sich Spannungen erzeugen, wie auch die Völker, Religionen und Gesellschaften gegeneinander ausspielen lassen. Das einzig zum Zweck, die Interessen der politischen -, wirtschaftlichen – und Finanzeliten des Hegemons dauerhaft durchzusetzen.

Das Territorium “Kurdistan” beendet gerade seine Existenz und dabei wird bloßgelegt, wofür tatsächlich die Kurden mit Waffen, Logistik und Geld gefüttert wurden: Um als Proxy-Miliz willig US-Interessen vertreten zu können. Nun “schützen” die Verbände der SDF mit US-Unterstützung syrisches Öl, damit Syrien dauerhaft der Zugriff auf den wichtigen Rohstoff verwehrt wird. Damit stützen die syrischen Kurden auch die brutalen Wirtschaftssanktionen der USA gegen ihre eigenen syrischen Landsleute. Spätestens hier darf man fragen, wie sich das schlüssig in die Basisdemokratie Rojavas einordnen lässt.

Dabei wird das so gern in den Mund genommene Projekt Rojava – so man seine zarten basisdemokratischen Ansätze anerkennen mag – nicht etwa zerstört, schon gar nicht von russischer Militärpolizei und syrischen Soldaten. Stattdessen löst es sich ganz von allein einfach auf. Es hat seine Schuldigkeit für die Propaganda bestimmter – gern auch grün und sozialistisch angehauchter – “linker Demokraten” getan (1).

Rechtfertigt das die türkische Aggression gegen Nordsyrien? Das tut es nicht. Sind die Kurden Opfer? Na klar sind sie das, wie übrigens alle Syrer dort. Nur haben sie dies allesamt den kurdischen Kollaborateuren von SDF/YPG zu verdanken.

Das Interessante ist nun aber, dass, trotz der türkischen Intervention, immer größere Teile syrischen Staatsgebietes, einschließlich der Staatsgrenze zur Türkei unter die Hoheit des syrischen Staates zurückgelangen. Syrische Truppen – und das ist noch viel interessanter – schützen in diesen Gebieten alle Syrer, nicht nur syrische Kurden.

Der angebliche “Verrat der USA an die Kurden” wurde notwendig, weil die Türkei immer unmissverständlicher signalisierte, dass sie gegen die Kurdenmilizen in Nordsyrien – und um die geht es vorrangig, nicht gegen die Kurden an sich – gegen diese Milizen militärisch vorgehen würde, auch bei einer Präsenz US-amerikanischer Soldaten in dem Gebiet.

Kriegerische Handlungen gegen die Türkei sind eine ganz andere Hausnummer, als solche gegen geschundene Staaten wie Afghanistan, Irak und Syrien. Die Türkei ist weit weg von einem Dritte-Welt-Land und hat die Unterminierungsversuche des tiefen Staates erfolgreich abwehren können. Das wiederum war unter anderem deshalb möglich, weil russische Geheimdienste in den entscheidenden Tagen vor dem Putschversuch in der Türkei wohl die eine oder andere entscheidende Information an die türkische Regierung durchsteckten. Nicht umsonst beklagten sich die Leiter westlicher Geheimdienste in jenen Tagen bitter über den Verlust wichtiger “Informanten” und “Gesprächspartner” (2-5)

Diese Bereitstellung von Informationen resultierte aus einer der politischen Realität des Jahres 2016 angemessenen Haltung der Türkei. Vergessen wir nicht, dass Ende des Jahres 2015 massive, schmerzhafte Sanktionen Russlands gegen den türkischen Nachbarn wirksam wurden. Diese signalisierten der Erdogan-Regierung, dass ihr Syrien-Krieg durch das Engagement russischer Streitkräfte an der Seite Syriens  ab sofort nicht mehr so wie bis dahin führbar sein würde.

Aber gleichzeitig signalisierte Russland damals, dass es sehr wohl an einer stabilen, verlässlichen Türkei interessiert ist. Die Türkei hatte bereits zuvor mit immer größerem Misstrauen, die helfenden Hände der USA und Israels für das kurdische Projekt in Nordsyrien registriert. Die öffentliche Entschuldigung Recep Erdogans für den Tod zweier russischer Piloten, deren Su-24M von einer türkischen F-16 über syrischem Territorium abgeschossen worden war (6), haben wahrscheinlich viele inzwischen vergessen. Russland hatte gegenüber dem damaligen US-Außenminister deutlich gemacht, dass es kaum im Zweifel ist, wer tatsächlich hinter dieser Provokation steckte (7).

Doch mit seinem Kniefall gegenüber dem russischen Präsidenten im Frühsommer 2016 (8) forderte Erdogan den tiefen Staat seines Landes geradezu heraus. Schließlich hatte er mit seiner Geste das ideale, für und in Washington anvisierte Szenario denkbar schlechtester Beziehungen zwischen Ankara und Moskau, wirkungsvoll torpediert. Keine drei Wochen später erfolgte der versuchte, gewaltsame Sturz der Erdogan-Regierung – eine bemerkenswerte zeitliche Kausalität.

Einen totalen Krieg führen die USA nur gegen systematisch geschwächte und innerlich gespaltene Staaten. Bei allen Problemen die sie trotzdem hat, kann von solch einer Schwäche in der Türkei keine Rede sein.

Betrachten wir nun die in den vergangenen Wochen in Nordsyrien stattgefundenen Kampfhandlungen, kann uns etwas auffallen. Immer wieder gab es Kämpfe türkischer Proxies gegen die Syrische Arabische Armee (SAA), meist dort wo auch kurdische Milizen operierten. Im Großen und Ganzen jedoch, spielten sich alle militärischen Auseinandersetzungen innerhalb der ominösen 30 Kilometer tiefen Zone auf der syrischen Seite der türkisch-syrischen Grenze ab.

Außerdem gab es eine Reihe von Provokationen gegen die türkisch-russischen Grenzpatrouillen von Seiten kurdischer “Aktivisten” (9-11). Die Frage muss gestattet werden, ob die politischen Führer der SDF hier – im Sinne ihrer Finanziers und gleichzeitig politischen Drahtzieher – auch weiterhin mit gezinkten Karten spielen (12). Nicht nur, dass sie – mit militärischer Unterstützung der US-Streitkräfte – Syrien den Zugriff auf seine eigenen Ressourcen verwehren. Sie verkaufen dieses Öl auch – und zwar auf eigene Rechnung (13).

Ist es nicht interessant, dass die Liefer- und damit auch Bezahlwege ihren Weg über die böse, böse kurdenfeindliche Türkei nehmen? Das tut es schon seit Jahren und moralisch schien das für Rojava niemals ein Problem zu sein. Wo kommt das Öl zu 80 Prozent her: Aus der Provinz Deir-ez-Zor im Osten des Landes, jenseits des Euphrat. Schauen wir auf eine der militärischen Lagekarten von Southfront, sehen wir die grauen Symbole auf eckigem weißen Hintergrund, die Öl- und Gasförderstätten Syriens.


militärische Lage in Syrien am 3. November 2019; Quelle Southfront (b1)

Seit Syrien im Auftrag fremder Mächte von Söldnern vergewaltigt wird, wird auch dessen Öl geraubt und dann verkauft – und zwar in der Hauptsache über die Türkei. In nichts unterscheidet sich da das Gebaren der kurdischen, politischen Führer und deren anhänglichen Kriegsprofiteure (14) von dem vorherigen Geschäftsprinzipien des Islamischen Staates. Dieser wurde zwar ständig als Feindbild gebrandmarkt, konnte aber unbehelligt mit syrischem Öl Geschäfte machen, was einen ungehinderten Transfer auf dem westlich kontrollierten Kapitalmarkt einschließt.

Dieses Verhalten – die Türkei als Aggressor anzuklagen, gleichzeitig aber mit der türkischen Seite beim Raub syrischen Öls zu dealen – mag es im Einzelnen sicher auch verstehbar sein – darf man getrost als einfach nur schäbig bezeichnen.

Jetzt, da die syrische Regierung zunehmend die Hoheit über Nordsyrien wiedergewinnt, wird das von der SDF und anderen kurdischen Organisationen betriebene, kriminelle Geschäft zunehmend gefährlich. Am 27. November gab es dazu eine aufschlussreiche Nachricht der syrischen Nachrichtenagentur SANA, in welcher von der massiven Bombardierung eines Konvois von Tankfahrzeugen durch die syrische Luftwaffe berichtet wurde. Zuvor wurde syrisches Öl von der irakischen Grenze aus – das ist das Gebiet östlich von Hasakah (rechts oben im Bild) – durch kurdisches Gebiet in Richtung Jarablus (oben, linke Bildmitte) geschmuggelt, um von dort in die Türkei zu gelangen (15,16).

Der Hauptteil der kriegerischen Handlungen im Nordsyrien der vergangenen Wochen ließ sich letztlich zwischen den Verbänden der SDF und den von der Türkei geführten Milizen beobachten – und zwar innerhalb dieser sogenannten Sicherheitszone. Letzteres lässt Fragen aufkommen, denn wir erleben hier ein blutiges, wie spannendes Spiel mit unsichtbaren Dirigenten.

Wenn man weiß, wie radikal, auf eigenen Vorteil bedacht, brutal und undiszipliniert die von Ankara umgeflaggten “moderaten” Islamisten auftreten, erscheint es schon fast wie ein Wunder, dass sie sich im Wesentlichen auf nur zwei Stoßrichtungen beschränken: Sie kämpfen in der “Sicherheitszone” – und im Prinzip nicht darüber hinaus. Und außerdem bekämpfen sie fast nur kurdische Milizen, eben in dieser Zone. Das lässt sich logisch durch eine Orchestrierung der Türkei, die in Abstimmung mit Russland erfolgt, erklärbar machen. So lassen sich auch die wiederholten Drohgebärden der türkischen Führung einordnen, die sich mit – durch Russland vermittelte – Waffenstillstände abwechseln (17).

Natürlich hat sich deshalb die türkische Politik seit 2016 nicht zu der eines Waisenknaben gewandelt. Erdogans Machtambitionen in der Region, die durchaus auch in Konkurrenz zu den israelischen anzusiedeln sind, äußern sich in seinem Anspruch auf Territorien, Rohstoffe und politischen Einfluss – siehe Zypern, den Nordirak und natürlich auch Syrien. Außerdem laufen über die Türkei nach wie vor Transits, die den Krieg gegen Syrien am Leben erhalten. Über diese Transits wird im Mainstream praktisch kein Wort verloren – und auch nicht, wer so alles aus den Reihen der “Wertegemeinschaft” in den damit verbundenen Strom an Kämpfern – bis hin zu ehemaligen des Islamischen Staates (IS) (18) – Waffen, Logistik und Geld verwickelt ist. Gerade die über Jahre aktiv betriebene Liason mit dem IS gehört zu den dunkelsten Kapiteln der jüngeren türkischen Geschichte (19).

Den Status Idlibs als permanenten Kriegsherd für ganz Syrien möchten bestimmte “Interessenten” unbedingt aufrecht erhalten. Das läuft nur mit der Türkei, zumindest mit ihrer Duldung. Provokationen nach dem Drehbuch “Giftgas des Assad-Regimes gegen Zivilisten” haben die Beendigung dieses Zustandes immer wieder erfolgreich hinausgezögert und mit so etwas ist auch in Zukunft zu rechnen (20). Sicher werden sich dann auch wieder unsere Massenmedien brav wie dienerisch in der geübten Rolle von Moralaposteln aufblasen.

In Nordsyrien strebt die Türkei eine Änderung der ethnischen Strukturen an, das zu Ungunsten der kurdischen Minderheiten. Dabei versucht sich Ankara, seiner Altlasten, nämlich Tausender islamistischer Söldner und ihrer Familien zu entledigen, in dem es deren Ansiedlung eben in Nordsyrien betreibt. Man sieht aber auch, dass die Türkei bei dieser Strategie durchaus vorsichtig vorgeht, um die Beziehungen zu Russland nicht über die Maßen zu strapazieren.

Laut dem türkisch-russischen Abkommen haben sich die kurdischen Milizen aus der schon mehrfach angesprochenen Sicherheitszone zurückzuziehen (21), was sie nur äußerst widerwillig tun. Sie schaden damit ganz offensichtlich der kurdischen Bevölkerung. Dabei ist es ja nicht nur so, dass die Türkei von realen Befürchtungen bis hin zu paranoiden Ängsten in Bezug auf eine Gefahr durch militärisch hochgerüstete Kurdenverbände für das eigene Land getrieben ist. Man darf halt auch nicht vergessen, dass diese Kurdenmilizen Syrien mit Waffengewalt davon abgehalten haben, die Kontrolle über das syrische Staatsgebiet wiederzuerlangen.

Diese Wahrheiten liegen auf der Hand und deshalb müssen westliche Bevölkerungen mit flächendeckender Propaganda desinformiert werden. Erstens, dass die Kurden schon immer ganz doll auf Demokratie aus waren und nun endlich mal die Chance für einen eigenen, natürlich vorbildlichen demokratischen Staat bekommen sollten – viel besser als das “blutige, Fassbomben schmeißende, Assad-Regime”. Zum zweiten, dass nur durch die tapferen Kurdenmilizen die bösen IS-Islamisten niedergerungen werden konnten. Beides hat nichts mit der Realität zu tun (22-24).

Noch einmal: Nicht der Wille kurdischer Führer hat es möglich gemacht, dass Syrien wieder eine teilweise Hoheit über sein Grenzgebiet zur Türkei wiedererlangt hat, sondern die Drohpolitik der Türkei, das Verhandlungsgeschick Russlands und der Sinn für die Realitäten seitens des US-amerikanischen Präsidenten. Entscheidend war und ist die Fähigkeit der russischen Diplomatie, zwischen den syrischen und türkischen Interessen zu vermitteln. Was hierbei gern verschwiegen wird, ist, dass Russland damit implizit auch kurdische Interessen vertritt. Das sind natürlich nicht jene der von den USA bezahlten kurdischen Führung, sondern die der kurdischstämmigen Bevölkerung Syriens.

Das alles berücksichtigend, lässt sich die Rolle des US-Präsidenten Donald Trump ganz anders einordnen. Er hatte, als er den Abzug seiner Militärs aus Nordsyrien verkündete, kaum eine andere Wahl, wenn er nicht Harakiri spielen wollte. Das hätte im Eingehen des Risikos einer bewaffneten Auseinandersetzung mit dem NATO-Mitglied Türkei bestanden. Infolge dessen wäre der Austritt der Türkei aus dem US-geführten  Militärbündnis sehr, sehr wahrscheinlich geworden. Das versucht Washington unbedingt zu vermeiden. Trump hat also ganz nüchtern die veränderten Realitäten erkannt und entsprechend reagiert – wie gesagt reagiert, nicht agiert.

Die verdrehte Welt des transatlantischen Mainstreams deklariert aber ausgerechnet Trump unentwegt als unberechenbar. Dabei war es Donald Trump, der unverzüglich nach Amtsbeginn den Abzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt hatte. Genau die transatlantische Gilde ist es nun auch, die seit Jahren jeden praktischen Schritt der Trump-Administration in diese Richtung mit aller Macht torpediert. Die politische Gegnerschaft des US-Präsidenten ist ihm im eigenen Land – und nicht nur dort – nach wie vor in der Wahl der medialen Waffen klar überlegen.

Das muss Trump berücksichtigen, denn alles andere wäre für ihn politischer Selbstmord. Und so wage ich zu behaupten, dass die Entscheidung, weitere US-Truppen – mitsamt den SDF-Milizen – zu den syrischen Ölquellen zu entsenden, nicht seinem Gehirn entsprang (25). Vielmehr war es schon immer seine Strategie, Druck aus dem Kessel zu nehmen, um seine politischen Gegner ruhig oder auch bloßzustellen. Doch was die Interessen Syriens betrifft, ging Trump auch in diesem Falle zwei Schritte vor – und nur einen zurück.

Was das falsche Spiel der kurdischen Führer betrifft, sei der russische Außenminister Sergej Lawrow zitiert:

Ich würde den kurdischen politischen Führern raten, sich an ihr Wort zu halten. Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Memorandums am 22. Oktober erhielten wir die Zustimmung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zur Umsetzung, und die kurdischen Führer versicherten uns nachdrücklich, dass sie mitarbeiten würden.” (26)

Zu jener Zeit waren auch die militärischen Kräfte der SDF in höchster Not und hätten keine auch nur kurzfristige Chance gehabt, der türkischen Intervention zu widerstehen. Laut riefen sie um Hilfe und boten eine offene und faire Verständigung mit der syrischen Führung an. Doch was geschah dann? Hier erkennen wir auch, wie viel den “Gestaltern” in Washington daran gelegen ist, jede Verständigung der verschiedenen Gruppen in Syrien zu sabotieren, wenn es dabei um das Ziel der Wiederherstellung der nationalen Souveränität des Landes geht. Lawrow sagte daher nachfolgend:

Nach nur wenigen Tagen veränderten die Vereinigten Staaten jedoch ihre Position und sagten, dass sie beim Abzug der Truppen aus Syrien die Notwendigkeit des Schutzes der Ölfelder vergessen hätten, um sicherzustellen, dass die syrische Regierung sie nicht kontrolliert. Die kurdische Führung verlor sofort ihr Interesse an der Zusammenarbeit gemäß dem Sotschi-Abkommen und entschied sich erneut für die Unterstützung der Vereinigten Staaten.” (27)

Was erkennen wir? Wir reden eben nicht von edlen Rittern des – Sollte uns das nicht stutzig machen? – in den Massenmedien bejubelten Projekts Rojava, sondern von Vasallen. Die Bombardierung von Tanklastern, die zuvor über Kurdengebiet syrisches Öl in Richtung Türkei transferierten, halte ich deshalb für eine weitere “Geste” Syriens, das doppelte Spiel von SDF und YPG (28) nicht weiter zu tolerieren.

Ein kleiner Nachbrenner zum Abschluss: Die ARD-Tagesschau hat am 2. Dezember mal wieder aus Syrien berichtet und vermeldete doch tatsächlich im Wesentlichen tote Kämpfer infolge von Kriegshandlungen und das auch noch überwiegend sachlich – immerhin. Dass sie sich dabei auf den Textilhändler aus Mittelengland und seine “Aktivisten” berief – das ist für die Tagesschau übrigens eine seriöse Quelle, hust … – Schwamm drüber. Das Titelbild aber ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Wurden die Redakteure gezwungen, das, samt namentlicher Nennung als Quelle von Information zu bringen oder haben die das tatsächlich freiwillig gemacht? Aber schauen Sie einfach selbst – ehe es vielleicht aus Scham doch noch ausgewechselt wird (29).

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) 09.10.2019; https://www.rosalux.de/news/id/41101/offener-krieg-gegen-rojava/

(2) 22.07.2016; http://www.wsws.org/de/articles/2016/07/22/pers-j22.html

(3) 29.07.2016; http://www.heute.de/ausnahmezustand-in-der-tuerkei-saeuberungswelle-trifft-amerikanischen-geheimdienst-44590346.html

(4) 08.09.2016; Offizielle Webseite des DNI; https://www.dni.gov/index.php

(5) 20.07.2016; Alex Benesch; http://recentr.com/2016/07/20/tuerkischer-geheimdienst-leakte-putsch-plan-will-cia-jetzt-buergerkrieg/

(6) 24.11.2015; Russisches Verteidigunsministerium: Radardaten bestätigen – SU24 in russischem Luftraum abgeschossen; https://deutsch.rt.com/international/35721-russisches-verteidigungsministerium-radardaten-bestatigen-su24/

(7) 26.11.2015; https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/26/putin-stellt-harte-fragen-wussten-die-usa-von-dem-abschuss/

(8) 27.06.2016; https://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06/russland-recep-tayyip-erdogan-abschuss-kampfflugzeug-entschuldigung

(9) 14.11.2019; https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/steinwuerfe-auf-tuerkisch-russische-patrouille-in-dirbesiye-15407

(10) 20.11.2019; https://southfront.org/death-trap-for-russia-in-northern-syria/

(11) 19.11.2019; https://southfront.org/syrian-war-report-november-19-2019-kurdish-radicals-try-to-burn-russian-turkish-patrol/

(12) 20.11.2019; https://southfront.org/kurdish-asayish-security-forces-apologize-for-unfortunate-incident-with-petrol-bombs-attack-on-russian-patrol/

(13) 29.08.2019; Karin Leukefeld; https://www.rubikon.news/artikel/die-ol-rauber

(14) 26.10.2019; https://www.swr.de/swraktuell/Streit-ueber-Lage-in-Nordsyrien-Moskau-beschuldigt-die-USA-Ankara-beschuldigt-Deutschland,nordsyrien-usa-maas-100.html

(15) 27.11.2019; Ruaa al-Jazaeri; https://sana.sy/en/?p=179317

(16) 29.11.2019; https://southfront.org/syrian-military-bombs-oil-smuggling-infrastructure-in-turkish-occupied-areas-war-report/

(17) 23.10.2019; https://www.sueddeutsche.de/politik/syrien-tuerkei-waffenruhe-1.4652277

(18) 16.11.2019; https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/die-sna-milizen-als-auffangbecken-fuer-is-dschihadisten-teil-1-15356

(19) 01.12.2019; https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/tuerkische-polizei-und-militaer-halfen-beim-is-beitritt-15781

(20) 26.11.2019; https://de.news-front.info/2019/11/26/syrien-terrormilizen-und-weishelme-planen-false-flag-angriff-mit-chemischen-waffen-in-idlib/

(21) 01.11.2019; https://www.swp.de/politik/ausland/sicherheitszone-im-norden-machthaber-assad-lehnt-kramp-karrenbauers-syrienplan-ab-40036735.html

(22) 13.11.2017; http://www.bbc.co.uk/news/resources/idt-sh/raqqas_dirty_secret

(23)  14.11.2017; https://kurier.at/politik/ausland/us-deal-hunderte-is-kaempfer-durften-aus-raqqa-fliehen/298.106.767

(24) 14.11.2017; https://www.defense.gov/Newsroom/Transcripts/Transcript/Article/1372261/department-of-defense-press-briefing-by-colonel-dillon-via-teleconference-from/

(25) 25.10.2019; https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-10/syrien-usa-regierung-soldaten-oelfelder-schutz

(26,27) 28.11.2019; https://deutsch.rt.com/international/95099-lawrow-kurden-mussen-mit-syrien-kooperieren/

(28) 19.07.2019; Arabi Souri; https://www.syrianews.cc/kurdish-sdf-israel-cooperation-steal-syria-oil/

(29) 02.12.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/idlib-kaempfe-101.html

(b1) Militärische Lage in Syrien; 3.11.2019; entnommen bei Southfront; https://southfront.org/wp-content/uploads/2019/12/3nov_Syria_war_map.jpg

(Titelbild) Vehicles of the People’s Protection Units (YPG) and the Women’s Protection Units (YPJ) being parked near al-Thawrah in northern Syria; 9.4.2017; Quasioun News Agency; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:YPG_and_YPJ_vehicles_near_Tabqa.png; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported

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