Soldaten-Geschichten

Wie der Krieg die Seelen der Menschen ruiniert.


Der Dienst bei der Bundeswehr ist im Allgemeinen eine Option, Karriere zu machen oder / und um in gesicherte finanzielle Verhältnisse zu kommen. Für junge Menschen mag es noch die Möglichkeit sein, spannende Abenteuer zu erleben und sich dabei beweisen zu können. Weil die Werber der Bundeswehr das wissen, preisen sie auch genau diese Möglichkeiten. Denn, um Menschen zu Tötungsmaschinen zu machen, muss man ihnen das wahre Wesen des Krieges verbergen.


Daher wünsche ich mir, dass diese Geschichte von vielen Soldaten gelesen wird. Bundeswehr-Angehörige, die in Afghanistan Dienst leisteten, sind genauso angesprochen, wie junge Menschen, die sich für die Laufbahn des Berufssoldaten gerade erst entschieden haben oder sich mit dem Gedanken tragen, es zu tun. Die Einen wissen es möglicherweise selbst aus schmerzhafter, eigener Erfahrung, die anderen sollten es wissen. Denn der Krieg ist ein Ungeheuer. Er frisst nicht nur die Körper von Soldaten und unschuldigen Zivilisten. Er zerstört auch und gerade die Seelen der Täter, der staatlich sanktionierten Gewalttäter.

Menschen, die Soldaten kennen, mögen den Mut haben, diese wahre Geschichte Soldaten oder jenen Menschen weiterzugeben, die beabsichtigen Soldaten zu werden. Der Krieg bricht ja immer deshalb aufs Neue aus, weil wir nicht achtsam sind – nicht im Kleinen und nicht im Großen.


Eine symbolträchtige Begegnung

Am Dienstag nach den Feierlichkeiten des 4. Juli 1978 trifft der Psychiater Bessel van der Kolk auf einen gewissen Tom. Tom hat ein Horror-Wochenende hinter sich. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist der 4. Juli Nationalfeiertag, was im ganzen Land mit pompösen Feuerwerken begangen wird. Doch gerade dieser Lärm und die ausgelassene Stimmung machten Tom halb wahnsinnig. Getrieben von innerer, aggressiver Unruhe trat er die Flucht von Familie und Freunden an und trank hemmungslos.

Als er betrunken zurückkehrte, fand er trotzdem keine Ruhe. Sein Schlaf war eine Abfolge furchtbarer Albträume, durchsetzt mit sogenannten Flashbacks – blitzartig auftretenden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit. Noch immer alkoholisiert und in einem verwahrlosten Zustand rettete sich Tom schließlich an einen Ort, an dem er Leidensgefährten treffen sollte. Was trieb diesen Mann – der ein erfolgreicher Anwalt geworden war – nur so um? Tom war ein seelisches Wrack und litt grenzenlos und mit ihm seine Frau und die beiden Kinder.

Dabei zeichnete sich Toms erfolgreiche Karriere schon früh ab. Er war sportlich, intelligent und befähigt Menschen zu führen. Die High School hatte Tom als Jahrgangsbester abgeschlossen. Er war ein selbstbewusster, willensstarker junger Mann. Das war im Jahre 1965. Zwölf Jahre später betrat er das Gelände der Klinik des Departments of Veterans Affairs (im weiteren kurz VA genannt) in Boston.

Das VA ist eine US-Bundesbehörde mit eigenem Ministerium. Mit fast 280.000 Mitarbeitern ist es das zweitgrößte und einem Budget von annähernd 100 Milliarden US-Dollar das drittgrößte Ministerium der USA. Die Aufgabe dieser Behörde ist die Heilung, Betreuung und Pflege von Kriegsopfern. Kriegsopfer sind in diesem Falle speziell jene geschädigten Soldaten, welche die Kriege der USA seit Jahrzehnten im Ausland führten (1,a1).

Die meisten der damaligen Patienten in der Bostoner Klinik hatten zuvor in Vietnam Krieg geführt – auch Tom.


Überzeugungen und Ideologien

Nach Vietnam zu gehen, war für Tom eine selbstverständliche Pflicht. Denn dort fungierte das Marine Corps. Bereits der Vater von Tom hatte im Marine Corps gedient. Tradition verpflichtet.

Das ist leicht daher gesagt. In gewisser Hinsicht entmündigt Tradition auch, sie sozialisiert auf eine sehr eindrückliche Weise. Tradition unterstützt unseren Opportunismus, jenen in der Momentaufnahme so energiesparenden, weil bequemen Mechanismus, sich mit unterschwellig sehr wohl als nicht richtig empfundenen Haltungen und Handlungen zu arrangieren. Jener Tom, der in der Klinik Hilfe suchte, ahnte, dass es einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Leiden und dem Verhalten seines Vaters gab. Er gestand dem Psychiater von der Kolk, dass

“er fürchtete, wie sein Vater zu werden, denn dieser war auch ständig wütend gewesen und hatte mit seinen Kindern kaum geredet – es sei denn, um sie unvorteilhaft mit seinen Kameraden zu vergleichen, die im Jahre 1944 in der Weihnachtszeit in den Ardennen ihr Leben verloren hatten.”. (3)

Der Vater hatte seinem Sohn Traumata des Krieges vorgelebt – doch gleich tausenden anderen Vätern damit gleichzeitig die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass seinem Sohn ähnliches widerfahren würde. Denn am Anfang stand die von der Respektperson Vater vorgelebte Tradition als Handlungsanweisung für Tom. Tradition ist ein möglicher, erzieherischer Hebel, um uns kriegstauglich zu machen – doch gibt es da noch mehr. 

Tom war einfach ein ganz normaler, wohl eher unpolitischer US-Amerikaner. Scheinbar, denn auf der unterbewussten Eben war er sehr wohl politisiert. Er – wie die Bevölkerung seines Landes insgesamt – war seit Jahrzehnten im Geiste des Antikommunismus indoktriniert worden. Im Gegensatz zu einem beträchtlichen Teil der Eliten, machte sich das nicht in Hysterie bemerkbar, doch unterschwellig war das ein weiteres “Argument”, um Entscheidungen fällen zu können, welche die eigene ethische Einstellung im Grunde verletzen.

In Vietnam ging es für die einfachen US-Amerikaner nicht darum, wirtschaftliche und politische Interessen zu vertreten, sondern die vermeintliche Freiheit des eigenen, übergestülpten Wertesystems zu verteidigen. So selbstverständlich, wie sie diese ideologische Vereinnahmung hinnahmen, so wenig hinterfragten sie die so gegebenen idealen Voraussetzungen, die es ermöglichen, für Kriege missbraucht zu werden.

Das grundsätzliche Problem, dass Menschen, die in den Krieg ziehen sich nicht bewusst machen: Die Gefahr, dass sie nunmehr Stück für Stück ihre und damit die Menschenwürde ihrer Opfer zu Grabe tragen, ist riesengroß. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man im Krieg in der Lage ist, die Dinge zu kontrollieren. Toms Geschichte zeigt uns das.


Der ganz normale Krieg

Krieg ist Tod und Grauen. Er bedeutet Gestank, Blut, zerfetzte Leiber, aus Köpfen spritzende Gehirnmasse, das Schreien und Jammern der Verletzten, das Sterben von Kameraden. Krieg ist das Aufgeben von Tabus, das Missachten dessen, was für uns im Frieden heilig ist. Krieg ist mitnichten in irgendeiner Weise ethisch.

Tom war gut auf den Krieg vorbereitet – dachte er. Wenn man kein Psychopath ist – und das sind die Wenigsten – ist es im Grunde unmöglich, auf den Krieg vorbereitet zu sein. Tom war mit Sicherheit kein Psychopath.

Aufgrund seiner Führungsqualitäten leitete er eine Kampfeinheit von acht Soldaten. Und irgendwann holte sie ihn ein, die wahre Fratze des Krieges. Bessel van der Kolk erfuhr von Tom das Folgende:

“Nach ungefähr drei Monaten hatte Tom seine Gruppe bei einem Patrouillengang kurz vor Sonnenuntergang durch ein Reisfeld geführt. Plötzlich war aus dem umliegenden Dschungel ein Kugelhagel auf die Gruppe nieder gegangen und hatte nacheinander alle seine Kameraden getroffen. Tom erzählte mir, er hätte nur entsetzt und hilflos zuschauen können, wie die Männer um ihn herum nacheinander getroffen und entweder getötet oder verletzt worden waren.” (4)

Wir speichern unsere Erlebnisse in Bildern ab und je stärker Ereignisse wirken, desto stärker manifestieren sich auch die Bilder im Kopf – mehr noch meißeln sie sich für immer in uns ein. Das oben Erzählte klingt eher unspektakulär, doch wenn wir von den Bildern, den Filmen erfahren, die Tom martern, berührt es uns. Es berührt uns umso mehr, wenn wir uns darauf einlassen, die sozialen Beziehungen, die Tom pflegte, zu fühlen. Sein Freund Alex war bis dahin die Bezugs- und Vertrauensperson für ihn in Vietnam gewesen. Van der Kolk erzählt uns:

“Ein Bild war ihm [Tom] seither nie mehr aus dem Sinn gegangen: das des Hinterkopfes von Alex, der mit dem Gesicht nach unten im Reisfeld lag, während seine Füße hoch in die Luft ragten. […] Auch später am Abend jenes grausamen Tages hatte Tom wieder die Schreie seiner Männer gehört, und er hatte sie immer wieder ins Wasser fallen sehen. Alle Geräusche, Gerüche und Bilder, die ihn an diesen Überfall erinnerten (so die Explosionen des Feuerwerks anlässlich des [US-]amerikanischen Nationalfeiertages) versetzten ihn [fortan] in eine so gelähmte, entsetzte und wütende Stimmung, wie er sie an dem Tag empfunden hatte, als der Helikopter ihn aus dem Reisfeld evakuiert hatte.” (5)

Was Menschen in der Rolle des Soldaten in der Regel verdrängen, ist das Szenario, für das sie vorgesehen sind: zu Töten, mit dem hohen Risiko, selbst getötet zu werden. Deshalb gehört zu den perfidesten Lügen über das Soldatenleben, dass es andernorts dazu dient, Schulen und Brunnen zu bauen. Das ist nichts weiter als – zwar wohl geformte – nichtdestotrotz schmutzige Kriegspropaganda. Soldaten wurden betrogen, um Soldaten zu werden – aber sie ließen es eben auch zu, so auch Tom.

Es spielte in diesen Augenblicken – aber auch später – für Tom keine Rolle, aus welchen Gründen er eigentlich in Vietnam war. Es spielte daher für ihn auch niemals eine Rolle, dass die Vietnamesen die fremden bewaffneten Eindringlinge, welche ihre Heimat verheerten, mit gleicher kriegerischer Konsequenz bekämpften. Er war den Weg eines Kriegers mit allen Konsequenzen – die er zuvor ausgeblendet hatte – gegangen. Tom litt fortan unter einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) (6).

Die Situation, die Tom auf einem Reisfeld mitten im vietnamesischen Dschungel durchlebte, war eine des vollständigen Kontrollverlustes, der absoluten Hilf- und Machtlosigkeit. Der Glaube an sich selbst, jede Situation im Felde meistern zu können, wurde in ihm in wenigen Minuten für immer genommen, sein Selbstverständnis fundamental in Frage gestellt. Die eingepflanzten Erwartungen kollidierten brutal mit dieser Erfahrung und mussten folgerichtig zu extremen Schuldgefühlen führen.

Das unwiderruflich Geschehene, für das man sich schuldig fühlt, lässt das Wertvolle, das man verlor zum einzig Wertvollen und alles andere (emotional!) wertlos machen. Deshalb sagte Tom unter Weinkrämpfen auch zum Verlust seines Freundes Alex (siehe oben):

“Er war der einzige wirkliche Freund, den ich jemals gehabt habe.” (7)

Soldaten, welche in eine solche emotionale Situation geraten, sind von dieser dermaßen beherrscht, dass sie jederzeit die Bestie im Menschen heraus lassen können.


Kontrollverlust

Die überwältigende Machtlosigkeit, mit der Tom konfrontiert wurde, suchte umgehend nach Kompensation. Umso mehr als Tom nicht die Möglichkeit geboten wurde – und er wohl auch selbst dies nicht als Möglichkeit erkannte – das erlittene Trauma zu verarbeiten. Die Trauer um den Freund, die Reflexion des Erlebten, ein Nachdenken über den Sinn des Krieges, in den Tom aktiv involviert war: All das fand nicht statt. Er war Soldat und als dieser in der aufrecht erhaltenen Position von Verantwortungslosigkeit. Er führte – wie gelernt – weiter Befehle aus und würde deshalb umgehend an der Wiederherstellung der fundamental in Frage gestellten Fähigkeit, die Dinge kontrollieren zu können arbeiten.

Damit ist nicht gesagt, dass dieser Mann mit dem Vorsatz in den nächsten Einsatz ging, Menschen zu töten. Nein, Tom war zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger Passagier seines auf drastische Weise aus dem Gleichgewicht geratenen Unterbewussten.

Was Tom daher auch nicht bewusst wurde, war dieses vollständige unkontrollierte Abgleiten in den eigenen Emotionen und diese forderten zur Wiederherstellung von Kontrolle, von Überlegenheit. Sie riefen nach der massiven Anwendung von Macht durch Gewalt. So sehr uns dieses Szenario erschrecken mag: Seine Abfolge ist keinesfalls außergewöhnlich!

Den zweiten Teil seiner traumatischen Erlebnisse in Vietnam offenbarte Tom – gepeinigt von Schamgefühlen – dem Psychiater erst Monate später. Van der Kolk berichtet uns:

“Seit unvordenklichen Zeiten haben Veteranen – auch Achilles in Homers Illias – nach dem Tod ihrer Gefährten entsetzliche Racheakte begangen. Am Tag nach dem Überfall hatte Tom in einem benachbarten Dorf Kinder getötet, einen unschuldigen Bauern umgebracht und eine Vietnamesin vergewaltigt.” (8)

Das Ausleben eines grenzenlosen, von totaler Dominanz gekennzeichneten emotionalen Machtrausches hatte zur vom Ego gewünschten Kompensation, zur Wiederherstellung der Kontrolle geführt. Doch alles war nur noch viel schlimmer geworden, denn zum Einen wurde Toms erstes Trauma damit zementiert und zusätzlich durch ein zweites, ebenso tiefes erweitert. Das eigene Unvermögen im Vorher zu erfassen, nämlich wie Opportunismus und Feindbilder in den Krieg treiben, hatte schließlich dazu geführt, dass Tom all das mit Stiefeln trat, was ihm lieb und heilig war.


Jeder, der den Entschluss für die Soldaten-Laufbahn gefasst hat, darf sich im Klaren sein, dass er die Tür für die finstere Seite seines Ichs – die wir alle in uns tragen – einen Spalt weit geöffnet hat.


Traumata sind bei Tätern und Opfern mit extremen Schuld- und Schamgefühlen verbunden. Diese Gefühle sind so stark und vereinnahmend, dass sie oft ein vernünftiges soziales Zusammenleben unmöglich machen und damit die Ursache weiterer Konflikte sind. Millionen von US-Amerikanern waren in den letzten 20 Jahren in kriegerischen Konflikten eingesetzt. Viele tausend von ihnen sind mit den erfahrenen Traumata des Krieges nach Hause zurück gekehrt und oft tickende Zeitbomben, weil gewalttätig und durch Suizid gefährdet. Nicht wenige dieser Menschen werden aber dann auch Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik!


Jeder neue Krieg der USA zerstört nicht nur fremde Nationen sondern Stück für Stück auch das Gemeinwesen der USA selbst.


Wie sollte es nach dem erlebten Grauen, dem dramatischen Verlust von Freunden und dem eigenen Morden und Vergewaltigen für Tom weitergehen? Van der Kolk schreibt über dessen Gefühle:

“Nach all diesem Grauen hatte er [Tom] keinen Sinn mehr darin gesehen, nach seiner Dienstzeit zu Hause wieder ein normales Leben zu führen. Wie hätte er zu seiner Liebsten kommen und ihr sagen können, er habe eine Frau wie sie brutal vergewaltigt? Und wie hätte er seinen Sohn die ersten Schritte tun sehen können, ohne sich an das Kind zu erinnern, das er selbst ermordet hatte?” (9)

Zur quälenden, beschämenden Täterrolle gesellte sich die von Schuldgefühlen gepeinigte Opferrolle, in der man den Tod des Freundes nicht verhinderte, ihn aber auch als schicksalhafte Fügung des eigenen Versagens, des selbst begangenen Unrechts benutzt:

“Tom erlebte den Tod von Alex, als sei ein Teil von ihm selbst für immer mit zerstört worden, der Teil von ihm, der gut, ehrenvoll und vertrauenswürdig gewesen war.” (10)

Solcherart Traumatisierte sind emotional wie betäubt und nicht mehr fähig, mit Offenheit Liebe und Zuneigung zu empfangen und zu geben. Statt dessen sind sie permanent gestresst und lauern auf Trigger, die sie auf das Erlebte und Getane hinweisen. Ihre Fähigkeit soziale Bindungen einzugehen, ist nachhaltig gestört.

Abertausende Schicksale stellten und stellen sich bis heute im Konkreten in ähnlicher Art und Weise dar, wie das von Tom. Es ist wichtig, dass deutsche Soldaten über ihre Traumatisierungen sprechen, die sie bei deutschen Kriegsbeteiligungen der vergangenen Jahrzehnte erlitten. Begeben wir uns in die seelische Pein dieser Menschen, von denen sie auch und gerade deshalb erfasst wurden, weil sie lange zuvor opportunistische Alltagsentscheidungen trafen und die vermittelten Feindbilder – oft unbewusst – hinnahmen.

Erwehren wir uns gleichzeitig dem Drang einer unbarmherzigen Verurteilung. Denn Verurteilung ändert rein gar nichts, außer dass sie uns das trügerische Gefühl vermittelt, Toms Handeln wäre für uns selbst völlig undenkbar. Veränderungen im gesellschaftlichen Denken scheinen mir notwendig – doch dies kann nur von den Menschen selbst kommen.

Wir alle sind des Krieges fähig. Soldat zu werden, ist auch nicht wirklich mutig. Es ist auch nicht mutig, denen zu folgen, die uns eine Welt von Feinden suggerieren. Soldaten oder solchen die es werden wollen, das zu sagen und zu begründen, das ist auf jeden Fall mutig. Es ist auch die alltägliche Zivilcourage, die Kriege verhindern kann – und Traumata, zerstörte Seelen von Soldaten. 

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam.


Anmerkungen

(a1) Es ist überaus aufschlussreich, dass die VA einen eigenen Forschungsbereich betreibt, der sich mit den gesundheitlichen Folgen der Anwendung eines als chemischen Kampfstoffs angewandten Herbizids – Agent Orange – befasst (2).

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

Quellen

(1,2) https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsveteranenministerium_der_Vereinigten_Staaten; entnommen: 16.1.2019, 19:40 Uhr

(3) Verkörperte Schrecken; Bessel van der Kolk; 2017; G.P. Probst Verlag Gmbh, Lichtenau / Westfalen; ISBN 978-3-944476-13-1; im Weiteren kurz VSBK; S. 17

(4,5,7) VSBK; S. 21

(6) https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/posttraumatische-belastungsstoerung-ptbs/was-ist-eine-posttraumatische-belastungsstoerung-ptbs/; entnommen: 17.1.2019, 10:45 Uhr

(8) VSBK; S. 21/22

(9,10) VSBK; S. 22

(Titelbild) Krankenliege, Psychatrie, Psyche; LeFox (Pixabay); 11.7.2009; https://pixabay.com/de/psyche-psychiatrie-bett-angst-1024173/; Lizenz: CC0 Creative Commons

33 Kommentare

  1. Wir haben hier über Gewalt geredet. Es ging ja auch teilweise um Vergewaltigungen.

    In der Türkei ist es so, wenn eine Frau vergewaltigt wird, dann wird dieser Vergewaltiger im Gefängnis höchstwahrscheinlich getötet(ermordet). So einen Fall gab es wieder.

    Da wurde eine junge Frau vergewaltigt und getötet. Und was geschah? Der Vergewaltiger wurde im Gefängnis von einem anderen Insassen getötet. Er hieß Gültekin Alan. Ich kenne seine Vorgeschichte nicht. Gültekin Alan hat im Gefängnis für Aufsehen gesorgt. Solche Leute werden in der Türkei als Helden betrachtet. Das soll eine Warnung an die anderen Vergewaltiger werden. So ähnlich wie ” Berührt nicht unsere Schwester “.

    Wer sind jetzt die Pychopathen? Die die Vergewaltigungen für normal halten? Oder solche wie Gültekin Alan? Der Vergwaltigungen verächtet. Es ist kein einfaches Thema. Der Staat lässt doch die Vergewaltiger für paar Jahre sitzen. Gültekin Alan hat 29 Jahre Gefängnis gekommen. Sein Ideal war nicht unbedingt falsch. Wer meine Schwester gewaltigen sollte, den würde ich auch irgendwie erledigen. Nur die Vergewaltigte war nicht die Schwester von Gültekin Alan. Es war eine Fremde. Wer würde für eine Fremde so etwas machen?

    So was gibt es nur in der Türkei. Da werden die Frauen als Schwester betrachtet. Das ist meine Erfahrung. Während hier in Deutschland gar nicht so etwas Kollektives gibt.

    1. Zitat: “Während hier in Deutschland gar nicht so etwas Kollektives gibt.”

      Oh ja, wir brauchen mehr Ehrenmorde! Bürgerwehren und Lynchjustiz wären auch nicht schlecht. So ein dummes Rechtssystem stört dabei nur. 😉

      1. T.Sitter:

        Wenn Du meine Schwester vergewaltigen würdest, dann nehme ich das Gesetz in meine Hand. Was würdest Du da machen? Zuschauen wie deine Schwester leidet?

        Jetzt mal anders herum. In Irak wurden von den Amis genug Frauen vergewaltigt. Was würdest Du als Iraker in der Situation machen?

        Es geht doch gar nicht um Ehrenmorde. Es geht um deine Schwester. Wie würdest Du in dieser Situation reagieren?
        Denkst Du es ist einfach, wenn die eigene Schwester vergewaltigt wird?

        Du schlägst sogar deinen Neffen ohne einen Grund. Wie würdest dann reagieren, wenn deine Schwester vergewaltigt wird? Du würdest doch bestimmt durchdrehen und dabei zuschauen oder wie? Aber eigenen Neffen ohne einen Grund schlagen oder wie?

        So einfach ist es doch nicht wie Du denkst. Neffen schlagen, aber der Vergewaltiger darf nicht bestraft werden? Hmmm..

        Das Thema ist nicht einfach mein lieber Sitter.

        1. So eine Situation stelle ich mir nicht mal vor, aber was ich machen würde, weiß ich erst, wenn es soweit ist. Zunächst mal würde es schon reichen wenn ich wüsste, was das mit dem Thema zu tun hat.

  2. Obwohl ich Gewalt als Erziehungsmethode grundsätzlich ablehne und auch schon immer abgelehnt habe, hat es in meinem Leben Situationen gegeben, in denen ich diesem Ideal auch gegenüber meinen eigenen Kindern nicht gerecht geworden bin. Ich will hier nicht ins Detail gehen, zumal das auch die Privatsphäre meiner Kinder berührt. Ich kann aber sagen, dass ich in den fraglichen Situationen an meine Grenzen gekommen bin und bei mir ein Mechanismus zur Problembewältigung aktiviert wurde, der nicht nur meinen Idealen zuwiderläuft, sondern natürlich auch völlig ungeeignet ist, um angemessen mit solchen Situationen umzugehen. Ich weiß, dass sich diese wenigen Sekunden der Schwäche in den Gehirnen meiner Kinder eingebrannt haben – neben dem vielen Guten und Schönen.

    Ich bin jetzt mal so verwegen, zu behaupten, dass ich mit dieser Geschichte weit davon entfernt bin, über ein Alleinstellungsmerkmal zu verfügen. Kindererziehung ist mit starken Emotionen verbunden und diese starken Emotionen können auch schon mal mal-adaptive Bewältigungsstrategien auslösen.

    Die eigentlich spannende Frage ist für mich, wie ich mit meinen Fehlern und den daraus resultierenden Folgen umgehen kann.

    Ich kann mein in der Vergangenheit liegendes Handeln nicht mehr ungeschehen machen. Ich kann noch nicht einmal garantieren, dass ich in zukünftigen emotionalen Ausnahmesituationen nicht wieder falsch im Sinne meiner Ideale handeln werde. Da ist sie wieder, diese kognitive Dissonanz. Der in dieser Situation biologisch vorgezeichnete Weg wäre, meine Haltung so lange zu ändern, bis sie zu meinem früheren Handeln passt. Dadurch beende ich das Chaos in meinem zentralen Nervensystem und senke dessen Energieverbrauch wieder auf ein dauerhaft leistbaren Niveau. Damit erlaube ich aber meinem früheren Handeln, welches aus meinen Schwächen erwachsen ist, Macht über meine Haltung auszuüben.

    Ich entziehe der Vergangenheit die Macht über mich, indem ich mich mit der kognitiven Dissonanz anders arrangiere: In gewissen Weise entkopple ich meine Haltung und mein Handeln. Ich gestehe mir ein, dass ich Fehler begangen habe und auch wieder begehen werde. Ich arbeite an mir, um meine mal-adaptive Bewältigungsstrategien zu überwinden. Ich bitte meine Kinder um Entschuldigung. Ich mache mir klar, dass ich in der Zeitspanne zwischen Reiz und Reaktion lebe, dass ich nur in der Gegenwart bin. Diesem flüchtigen Moment gegenüber fühle ich mich rechenschaftspflichtig, nicht der Vergangenheit (und auch nicht der Zukunft).

    Ich glaube übrigens, dass genau diese Idee ursprünglich hinter dem Angebot der Beichte stand – die Haltung der Menschen vor den Folgen der kleinen und großen Fehltritte in ihrem Leben zu schützen.

    1. “Ich entziehe der Vergangenheit die Macht über mich, indem ich mich mit der kognitiven Dissonanz anders arrangiere: In gewissen Weise entkopple ich meine Haltung und mein Handeln. Ich gestehe mir ein, dass ich Fehler begangen habe und auch wieder begehen werde.”

      Und genau dort liegt die Kunst, ein Trauma zu verarbeiten. In der offenen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, bei der Schuld und Rechtfertigung nicht die maßgeblichen Kategorien sind. Ein Weg, aber keine Erwartung, danach “besser” zu sein, viel mehr gelebte Empathie.

      Herzlich, Ped

    2. Lieber Ruben,

      Zitat: “Obwohl ich Gewalt als Erziehungsmethode grundsätzlich ablehne und auch schon immer abgelehnt habe, …”

      Eine Aussage, die wohl jeder vernünftige Mensch unterschreiben wird. Ich hoffe jedoch, dass Du die Gewalt gegen meinen Neffen nicht immer noch als Erziehungsmethode siehst. Wenn ein Kind arglos auf einen Abgrund zuläuft und man den Absturz nur dadurch verhindert, dass man es mit einem langen Stock zum Stolpern bringt, dann hat man absolut Gewalt angewendet, notwendige Gewalt nämlich, die nichts mit Erziehung zu tun hat. Wenn man nun einen Jungen sieht, der wahrscheinlich nur deshalb bereit ist, Gewalt anzuwenden, weil ihm gar nicht bewusst ist, was Gewalt ist, dann ist es notwendig, ihn ein gerüttelt Maß an Gewalt spüren zu lassen, wenn Argumente an ihm abgleiten. Denn nur was man empirisch erfährt, kann voll und ganz ins Bewusstsein dringen, denke ich. In meinem Fall gibt mir der Erfolg Recht, auch wenn das hier niemand glauben mag.

      Zitat: “Ich weiß, dass sich diese wenigen Sekunden der Schwäche in den Gehirnen meiner Kinder eingebrannt haben – neben dem vielen Guten und Schönen.”

      Hier stellt sich die Frage, ob zum Vor- oder Nachteil. Es fielen hier ja schon Aussagen darüber, dass das Verhältnis auch nach 40 Jahren noch negativ sein soll, was ich allerdings für eine Charaktersache halte. Egal wie tief ich in mich hinein lausche, es gibt nichts, was ich meinen Eltern nachtrage und ich empfinde nichts als tiefste Liebe für all die Liebe, die ich erfahren habe, obwohl ich reichlich Senge bezogen habe. Wie geschrieben, habe ich ja auch daraus gelernt und es tut heute nicht mehr weh, so wie die Zeit bei der Bundeswehr, die im Nachhinein auch nicht mehr so weh tut wie zu Dienstzeiten. Habe ich jetzt nur ein besonders dickes Fell oder sind andere einfach zu empfindlich?

      Noch etwas zu Erziehungsmethoden. Ich habe schon beim zweiten Kind gemerkt, dass man Kinder gar nicht erziehen kann, man kann sie nur beschützend begleiten und ihnen durch Vorbild vermitteln, was man als richtig betrachtet. Wenn es die Kinder als gut und schön empfinden, werden sie dem nachstreben, wenn es sich für sie als Humbug herausstellt, lehnen sie es ab. Am Ende werden sie idealerweise so wie sind und nicht, wie sie sein sollen. Meine Erfahrung mit vier Kindern.

      Herzliche Grüße

      1. Nun ja, wenn ich das richtig verstehe, gilt also das Motto: “Der Zweck heiligt die Mittel.”
        Die “Guten” dürfen es halt – Gewalt anwenden -, denn es ist ja nur zum Besten des Betroffenen. Für mich ist aber der Betroffene in jedem Fall auch ein Opfer. Warum ein Opfer dann auch noch dankbar für die empfangene Gewalt ist, das ist noch ein ganz anderes großes Feld.
        Das große Problem in Ihrer Argumentation, Till, sehe ich in eben “dem guten Zweck”. Denn diese Argumentation ist die Basis grundsätzlich jeder Gewalt und nur der Blick von außen nimmt diese “Gut”-Diktion raus.
        Sie sprechen damit ein fundamentales Problem des Umgangs mit Gewalt an, was ich vielleicht doch noch in einem separaten Text vertiefen werde.

        Herzlich, Ped

        1. Oh ja, bitte vertiefen Sie das. Mich interessiert brennend, wie sie die “Gut-Diktion” im Falle des auf den Abgrund zurennenden Kindes rausnehmen. 🙂

          Herzliche Grüße

          1. Hallo Till,
            na klar war es richtig, den Kamm nicht in der Bürste stecken zu lassen und dem kleinen Racker mal den Scheitel nach zu ziehen. Blut ist dicker als Ideologie.
            Das unser kleiner Freizeit-Mel Gibson Dir gleich ne vergewaltigte Schwester um die Ohren haut, ficht Dich nicht an und trifft das Thema nicht ansatzweise.
            Mein flapsiger Einwand zielte auf die Frage: „Wie konnte dem pazifistischen Oheim entgehen, dass dem kleine Filius die Saat des Bösen eingepflanzt worden ist?“

          2. Moin Toni,

            Zitat: “Wie konnte dem pazifistischen Oheim entgehen, dass dem kleine Filius die Saat des Bösen eingepflanzt worden ist?”

            Nun ja, es ist mir nicht entgangen, aber wenn man 350 Km entfernt wohnt hat man kaum Einfluss auf die Entwicklung. Hinzu kommt noch, dass meine Schwester nie wahrhaben wollte, dass sie dem Jungen mit ihrer liberalen Art keinen Gefallen tut. Der durfte praktisch alles und hat buchstäblich alles in den A..ch gesteckt bekommen. Dabei kann nichts gutes herauskommen. Aber wie gesagt, die “Reise” war lehrreich für ihn, mittlerweile ist er mit 22 Jahren sogar ausgezogen und hat eine Lehre begonnen. Es war ein heilsamer Schock und ich würde unter gleichen Bedingungen immer wieder so handeln.

            Herzliche Grüße

      2. Wenige Wochen nach dem Abitur bin ich im Grundwehrdienst aufgewacht. Nach einigen Wochen in der Grundausbildung hatte ich verstanden, wo ich gelandet war und habe den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigert. Damals gab es noch die »Gewissensprüfung«. Die Sache zog sich über drei Instanzen und war für alle ziemlichen anstrengend.

        Ich bin damals ganz von alleine in dem Laden aufgewacht, habe den Preis für meine Verschlafenheit bezahlt und bin ein halbes Jahr später um einiges reifer da herausgegangen. Bis ich als Wehrdienstverweigerer anerkannt war, habe ich mich intensiv mit den Ideen des Pazifismus, dem zivilen Ungehorsam, der Zivilgesellschaft usw. beschäftigt. Das war eine intensive Zeit, eine starker Anreiz, meine Persönlichkeit herauszubilden.

  3. Ein paar Gedanken zum Artikel im Stakkato:

    Junge Menschen gehen auch zum Militär, weil sie dort eine Ausbildung machen können, die ihnen sonst verwehrt bleiben würde.

    Entwickeln eigentlich auch Drohnenpiloten posttraumatische Belastungsstörungen?

    Gibt es Untersuchungen darüber, was Menschen auszeichnet oder was ihnen geholfen hat, die mit ihrer posttraumatische Belastungsstörungen fertig geworden sind?

    Wie können wir dazu beitragen, die ewige Opfer-Täter-Kaskade zu unterbrechen?

    Wenn Täter zuvor selbst Opfer waren, verdienen sie dann eigentlich unseren Hass oder unsere (Nächsten-)Liebe?

    Wenn sich Täter durch unsere Anklage gedrängt fühlen, ihr vergangenes Handeln zu rechtfertigen und sich ihrer Haltung dadurch immer weiter verfestigt, sollten wird dann nicht anfangen, ihnen dabei zuzuhören, wenn sie ihre Geschichte erzählen?

    Was passiert mit einem Täter, wenn er in einer Art Täterschutzprogramm in einen neuen sozialen Kontext gesetzt wird, in dem er sicher sein kann, nie wieder auf seine vergangenen Taten angesprochen zu werden? Wird dieser Mensch erneut zum Täter oder ändert er seine Haltung?

    So existentiell Krieg im Fall der Fälle ist, ist er für mich – der ich ihn nie aus der Nähe kennengelernt habe – doch eher ein Lehrstück. Für mich sind die vielen kleinen oder großen Opfer-Täter-Ereignisse in meinem sozialen Kontext viel relevanter. Dort wirkt sich mein Handeln konkret aus.

    1. Entwickeln eigentlich auch Drohnenpiloten posttraumatische Belastungsstörungen?

      Ja – und es sind sogar ziemlich Viele (an dieser Stelle mal ohne Quelle).

      Gibt es Untersuchungen darüber, was Menschen auszeichnet oder was ihnen geholfen hat, die mit ihrer posttraumatische Belastungsstörungen fertig geworden sind?

      Ja. Geholfen hat, Ihnen einen Weg zu zeigen, dass das Trauma in der Vergangenheit liegt und als solches nicht mehr änderbar. Dass das immer wiederholte in die Gegenwart projizierende Muster des Täters oder Opfers (oder beides), die Gegenwart in der Vergangenheit einfrieren lässt. Es ist natürlich komplizierter und meine Gedanken möchten nur als Denkansätze verstanden werden.

      Wenn Täter zuvor selbst Opfer waren, verdienen sie dann eigentlich unseren Hass oder unsere (Nächsten-)Liebe?

      Das darf jeder für sich selbst entscheiden. Das Problem ist allerdings, dass Hass und Liebe primär erst einmal Emotionen sind und nicht rational. Es gehört viel dazu, diese Emotionen zu verstehen, wiederzuerkennen und dann in gewisser Weise zu steuern – wohlgemerkt die eigenen Emotionen. Dann hat man auch bessere Möglichkeiten, die Emotionen des Anderen (möglicherweise Traumatisierten) zu verstehen und verhindert eine Verstrickung des eigenen Egos mit diesen oft hilflos und irrational ausstrahlenden Emotionen.

      Was passiert mit einem Täter, wenn er in einer Art Täterschutzprogramm in einen neuen sozialen Kontext gesetzt wird, in dem er sicher sein kann, nie wieder auf seine vergangenen Taten angesprochen zu werden?

      Das genügt nicht und deshalb haben solche Programme oft nur einen begrenzten Erfolg. Denn Traumata setzen Trigger auf Ebenen, die Außenstehende unbewusst ansprechen. Das lässt sich gar nicht verhindern. Vorrangig ist nicht die Verachtung der Anderen das Problem, sondern die Verachtung der eigenen Persönlichkeit – daher auch die hohe Suizidrate. Viele Traumata sind so stark, dass der Traumatisierte sie nicht einmal anzusprechen, zu beschreiben oder zu denken wagt. Flashbacks sind dann das, was der Traumatisierte in seinem Stressmodus ständig verhindern will, dann aber doch erleidet (siehe Artikel).

      Für mich sind die vielen kleinen oder großen Opfer-Täter-Ereignisse in meinem sozialen Kontext viel relevanter. Dort wirkt sich mein Handeln konkret aus.

      Da gehe ich mit. Nur, wie ist es, wenn ein erheblicher Teil Deiner Bezugspersonen vielleicht bereits traumatisiert ist?
      Zu diesem Thema wird auf diesem Blog noch mehr kommen.

      Herzliche Grüße, Ped

      1. Lieber Ped,

        ich hatte nach Drohnenpiloten gefragt, weil auf diese all das, was in dem Artikel geschildert wird, nicht zutrifft. Wenn es also viele Drohnenpiloten gibt, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, muss ein Mensch scheinbar gar nicht all das erleben, was in dem Artikel an Schrecklichkeiten beschrieben ist.

        Findest Du vielleicht noch die Quelle, der Du entnommen hast, wie Menschen wieder aus einer posttraumatischen Belastungsstörung herausgefunden haben?

        Nachdem mir klargeworden ist, dass alle Täter zuvor zu Opfern gemacht wurden und dass ein einzelner Täter leicht ganze Heerscharen neuer Opfer erzeugen kann, frage ich mich, wieso die Menge an Gewalt nicht mit der Zeit exponentiell zunimmt. Viele Opfer scheinen nicht zu Tätern zu werden und viele Täter scheinen nicht massenhaft zum Täter zu werden oder dauerhaft Täter zu bleiben. Statt meine Aufmerksamkeit auf die aktiven Täter zu richten, möchte ich lieber verstehen, was Opfer daran hindert, zum Täter zu werden und ehemalige Täter dazu bringt, von weiteren Taten Abstand zu nehmen. Das ist so ähnlich wie der Unterschied von Salutogenese und Pathogenese. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft wirksamer ist, sich mit dem zu befassen, was eigentlich da sein sollte, aber nicht da ist statt sich von dem Offensichtlichen ablenken zu lassen. Da die Gewalt nicht exponentiell zunimmt, müsste es eigentlich reichlich »Untersuchungsmaterial« geben, um dieser Frage nachzugehen.

        Möglicherweise unterscheiden sich die vielen kleinen oder großen Opfer-Täter-Ereignisse in meinem sozialen Kontext mehr als nur graduell von jenen die im Zusammenhang Kriegshandlungen stehen. Jedenfalls scheinen mir Flashbacks und Suizide auch in ein oder zwei Nummern kleiner nicht in meinen persönlichen Erfahrungshorizont zu passen. Wenn es sich aber nicht um einen quantitativen, sondern um einen qualitativen Unterschied handelt, sollte man besser nicht für beides den Begriff des Trauma verwenden. Ich habe den Eindruck, dass dieser Begriff in letzter Zeit inflationär verwendet wird (nicht hier im Blog).

        Viele Grüße
        Ruben


        Wie gesagt, wird es zu dem Thema hier noch mehr geben und da werden auch die von Dir gestellten Fragen zur Sprache kommen. Doch will ich mich an dieser Stelle nicht zu weit vom Artikel entfernen, der Soldaten – oder solche die es werden wollen – auf mögliche Konsequenzen aufmerksam macht. Herzlich, Ped

  4. Hallo Ped,
    vielen Dank für diesen Artikel. Evtl passt das jetzt nicht ganz zu diesem Artikel, aber für mich ist es wichtig zu sagen.
    Ich bin Lokführer, und in unserem Berufstand haben wir auch mit PTBS zu tun. Ich habe auch eine Ausbildung als Ersthelfer bei PTBS teilgenommen, aber im Prinzip war alles, was wir gelernt haben, zu erkennen, ob ein Kollege nach einem Suizied Anzeichen zeigt, und dann sollten wir ihnen einen Psychologen weiterleiten. Das werde ich auch weiterhin tun, aber durch Ihren Artikel versteh ich jetzt viel besser was das ist und wodurch es ausgelöst wird: “war eine des vollständigen Kontrollverlustes, der absoluten Hilf- und Machtlosigkeit.” Genauso geht es einem Lokführer, wenn er auf einen Menschen zufährt, der sich umbringen will, und er genau weiss, dass der Zug nicht mehr zum stehen kommen wird und er auch nicht ausweichen, nicht mal es versuchen kann.
    Die Schuldgefühle, die manche dann entwickeln haben schon Familien zerstört, weil derjenige nicht mehr in der Lage ist, seine Familie wertzuschätzen und zu lieben.
    Wie gesagt, ich will nicht den tieferen Sinn Ihres tollen Artikels in eine andere Richtung lenken, daher einfach danke nochmal.
    Zum Thema Krieg ist in den Kommentaren schon das Meiste gesagt. Ich war selber 4 Jahre bei der Bundeswehr, wollte unbedingt Unteroffizier werden,weil man Vater in der Wehrmacht…. auch da erkenne ich, dass mein Vater mir seine Traumata vorgelebt hat. Einer seiner Sprüche war: Da bist du an der Front, darfst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln jemand töten, und wenn du zurück kommst, darfst du nicht mal mehr jemand eine Ohrfeige verpassen. Zum Glück habe ich diesen Zirkel bei meinen Kindern durchbrechen können, keiner war beim Militär.
    Allerdings nennen mich meine Kinder manchmal Aluhut….

  5. Ich enthalte mich keineswegs einer unbarmherzigen Verurteilung, die angeblich nichts ändert. Das ist auch völlig irrelevant sowohl für den “Täter” ( wird das Geschehene dadurch etwa ungeschehen ?) als auch für eventuelle “Nachahmer”, die erfahrungsgemäß solche Ex-Soldaten aufgrund solcher Äusserungen eher als Weicheier verachten als sich klar zu werden, dass so etwas auch ihnen widerfahren könnte. Und was ich selbst dabei empfinde ist erst recht bedeutungslos, weil ich mit diesen Menschen weder Kontakt habe noch so etwas anstrebe. Um das klar und deutlich zu sagen : das ist meine persönliche Meinung, sonst nichts. Dass solche Soldaten Gewissensqualen nach einem Massaker an unbewaffneten und wehrlosen Nichtkombattanten wie Frauen und Kindern haben, halte ich für durchaus angemessen und verdient. Was den Krieg der USA in Vietnam betrifft vermisse ich ohnehin den Hinweis, dass dort von US Seite aus hunderttausende Wehrpflichtige, die für einen Krieg a la WK 2 in Europa gedrillt wurden ( kann hier nur auf Kubricks Meisterwerk “Full Metal Jacket” hinweisen ), auf eine hochmotivierte Guerillaarmee losgelassen wurden, die schon 20 Jahre Kriegserfahrung im Dschungelkrieg hinter sich hatte und eine hochprofessionelle Söldnertruppe ( Fremdenlegion) besiegte. Warum wohl wurde die Wehrpflicht in USA umgehend abgeschafft ?
    Wer sich heutzutage zum Militärdienst meldet hat genügend Möglichkeiten und Quellen, sich über das wahre Militärleben umfassend zu informieren. Wenn er/sie das nicht schafft und aufgrund falscher bzw. fehlgeleiteter Vorstellungen mit einem posttraumatischem Stresssyndrom zurückkehrt, so hat er/sie das m.E. selbst zu verantworten und von mir keinerlei Mitleid zu erwarten. Nennt sich Konsequenzen des Handelns, die wohl auch die geistigen bzw. intellektuellen Kapazitäten eines/r 18 -20 jährigen nicht überfordern sollte, wenn es zum Abfeuern einer Schusswaffe reicht. Und ob die vom Militär angepeilte Zielgruppe durch Hinweise und Reden von sich selbst das Mäntelchen “Zivilcourage” umhängenden Älteren eher beeindruckt werden kann als heulende und wimmernde Gleichaltrige, die man aus Schule/Ausbildung/Sportverein kannte und jetzt “so ganz anders” sind, was glauben Sie wohl, Herr Frey ?

    MfG

    1. Herzlichen Dank, zum Ersten, für Ihren Kommentar, didoldi.

      Und ob die vom Militär angepeilte Zielgruppe durch Hinweise und Reden von sich selbst das Mäntelchen „Zivilcourage“ umhängenden Älteren eher beeindruckt werden kann als heulende und wimmernde Gleichaltrige, die man aus Schule/Ausbildung/Sportverein kannte und jetzt „so ganz anders“ sind, was glauben Sie wohl, Herr Frey?

      Was ich glaube, steht im Text. Damit ist auch gesagt, was ich für mich als richtig erachte. Für mich ist Zivilcourage die Aufforderung an mich selbst, gewissermaßen im Kleinen mutig und meiner Bequemlichkeit entgegenstehend, diese meine Sicht über Kriege und deren Folgen zu vertreten.

      Aber natürlich haben Sie das schon erfasst, Ihre Frage stellen Sie in Wirklichkeit ja auch an sich selbst!

      Wenn Sie mutlos davon Abstand nehmen, Ihre Argumente zu artikulieren – gerade dort, wo Sie mit dem Gegenteil konfrontiert werden – nehmen Sie natürlich sich und anderen auch die Möglichkeit, von diesen, Ihren Argumenten zu erfahren. Wenn Hunderttausende so denken wie Sie, ist das eine wissende, aber schweigende und furchtsame Masse, die das nur deshalb ist, weil sie jeglicher Mut verlassen hat. Mutlosigkeit ist die Kapitulation vor der Angst und die Voraussetzung, um bestehende Systeme stabil zu halten. Dann belassen Sie es beim Spielfeld der Meinungsführer, die an Schulen und Studieneinrichtungen rum wildern, um neue Fachkräfte für staatlich sanktioniertes Töten zu rekrutieren.

      Sie verzichten darauf, ein eigenes Spiel zu eröffnen – und das weil Sie sich allein (so ist es gewollt) und unfähig sehen, gesellschaftliche Verhältnisse zu ändern. Letztlich geht es aber nicht darum, was wir von anderen erwarten. Es geht um uns selbst. Dieses Selbst zu leben – und das wird allgemein unterschätzt – kann in positiver Weise hoch ansteckend sein.

      Freundliche Grüße, Ped

    2. Zitat: “Nennt sich Konsequenzen des Handelns, die wohl auch die geistigen bzw. intellektuellen Kapazitäten eines/r 18 -20 jährigen nicht überfordern sollte, wenn es zum Abfeuern einer Schusswaffe reicht.”

      Das ist, mit Verlaub, lieber dildoldi, totaler Quatsch. Offensichtlich verkennst Du die Macht der Propaganda. Mein Neffe, ein lieber und hilfsbereiter Junge, sehr aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr, hatte sich auch beworben mit der festen Absicht, an Auslandseinsätzen teilzunehmen. Ich habe sehr lange mit ihm gesprochen, alle Konsequenzen aufgezählt u. s. w., hat alles nichts genützt. Er blieb felsenfest von der Rechtmäßigkeit überzeugt und wollte “den Aufständischen mal zeigen, was ne Harke ist”. Daraufhin habe ich ihm eine gewaltige Ohrfeige verpasst, ihn am Kragen gepackt und einmal durch die ganze Wohnung geschleift und dabei angebrüllt: “Du kleiner Scheißer willst jemandem zeigen, was ne Harke ist? Wo ist nun deine Harke? Was glaubst du, was ein erfahrener Kämpfer mit dir macht? Was glaubst du wer du bist, dass du in fremde Länder gehen kannst um Menschen zu töten?”

      Lange Rede, kurzer Sinn, seine Bewerbung hat er zurückgezogen, wohl weil ihm echte Angst völlig unbekannt war. Manchmal muss erst weh tun, bevor man Einsicht zeigt.

      Herzliche Grüße

      1. Oha, der Zweck heiligt also die Mittel, oder?! Ist das jetzt gute Gewalt?

        Weil der kleine Grisu seinen C-Schlauch gegen ne Bleispritze eintauschen will, gibt´s vom Onkel eins aufs Fressbrett und ne Rutschpartie über den Sisal-Teppich.

        Wo sind die Väter, wenn man sie braucht? Irgendwie auch: “Wir sind die Guten”

        1. In diesem Fall ja. Der Junge ist ohne Vater aufgewachsen und übel nimmt er es mir auch nicht. Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, mit dem ich aber leben kann.

          1. T.Sitter:

            Zum Glück bin ich nicht dein Neffe. So einen Fall hatte ich auch. Ein deutscher nachbars Kind, hatte auch mit dem Gedanken gespielt Soldat zu werden. Er war so ca. 19. Jungs in diesem Alter kann man gut oder schlecht beeinflussen. Ich habe lange und intensiv mit Ihm geredet. Vorher hatte er bei der Bundeswehr Prüfungen gemacht. Nachdem ich mit ihm geredet habe, so ca. 1-2 Jahre später, hatte er nicht mehr davon geschwärmt. Ich habe ihn nicht geschlagen, sondern mit Ihm die Lage besprochen. Ich habe ihm gesagt, dass er sich genau überlegen soll, ob er bereit wäre in Afganistan unschuldige Menschen umzubringen. Ich ging noch tiefer in das Thema.

            Ja, irgendwann hat er sich anders entschieden, nämlich den Laufbahn als Fitnesstrainer zu nehmen.

            Ich wollte und konnnte mir nicht das Recht nehmen, gegenüber ihm Gewalt anzuwenden, damit er die Zusammenhänge versteht. Stattdessen sollte man mit den jungen Mann sehr lange und intensiv zu reden.

            Einen Menschen Gewalt anzuwenden ist sehr prägend. Dein Neffe wird den Hacken von Dir auch nicht 40 Jahren vergessen. Du wirst in Ihm für immer negativ behaftet bleiben. Wenn Du wüsstest wie das Gehirn funktioniert, dann hättest Du gegenüber deinen Neffen keine Gewalt angewendet. Was aus deiner Perpektive gut gemeint war, war aber für deinen Neffen absolut falsch und schlecht.

            Freundliche Grüße

          2. Patriot:

            Aus meiner Perspektive war es nicht gut gemeint, sondern notwendig. Es ging mir nicht darum, ihn mit körperlicher Gewalt davon abzubringen. Wenn ein Kleinkind fasziniert vor der brennenden Kerze steht und in die Flamme fassen möchte, kann man sich den Mund fusselig reden, in der Regel wird es garantiert hineinfassen und erst durch den Schmerz lernen. “Fasse nicht in die Flamme, sonst verbrennst du dir die Finger”, ist für das Kind völlig abstrakt, bis es sich die Finger verbrennt. Wenn so ein junger Bengel brutale Gewalt und die damit verbundene Angst nicht kennt, ist es für ihn genauso abstrakt, bis er sie kennenlernt.

            Zitat: “Dein Neffe wird den Hacken von Dir auch nicht 40 Jahren vergessen. Du wirst in Ihm für immer negativ behaftet bleiben.”

            Das Erste erwarte ich, das Zweite bezweifle ich. Schon mal ein paar von den heroischen Ballerspielen gespielt, die sich Jugendliche so reinziehen? Da geht nichts ohne Töten, aber alles bleibt abstrakt. Wie Dein Gehirn funktioniert, weiß ich nicht, aber ich weiß wie meines funktioniert. Für meine Generation war es absolut nicht ungewöhnlich, Senge (norddeutscher Ausdruck für Prügel) zu beziehen und ich gehörte zu den Spitzenbeziehern (Nein, ich war kein braver Junge). Was habe ich daraus gelernt? Man darf sich nicht erwischen lassen und das Prügel absolut nichts bringen. Sind meine Eltern für mich negativ behaftet? Im Gegenteil, meine Eltern waren (meine Mutter ist es noch) immer sehr liebevoll und ich habe vollstes Verständnis für ihr Handeln, das geprägt war durch die damaligen Umstände. Schließlich durfte ich dadurch lernen, dass Prügel nutzlos sind und meine Kinder konnten gewaltfrei aufwachsen. Schmerzhafte Erfahrungen sind nicht immer nur negativ und je verständiger ein Mensch wird, desto besser kann er Erkenntnisse aus seinen schmerzhaften Erfahrungen ziehen.

            Freundliche Grüße

          3. @Till Sitter
            ja, die Schöpfung hat es so eingerichtet, daß wir einen Körper haben und zwar u.a. auch, um dadurch Leiden zu können.
            Der vornehme Weg ist der der Erkenntnis. Wer diesen jedoch nicht gehen will, erhält noch einmal eine Chance durch Leiderfahrung zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
            Der beste “Beweis” für dieses Wirkprinzip sind z.B. die sogenannten “Krankheiten”.
            Der Volksmund sagt auch: wer nicht hören will, muß fühlen.
            Bevor eine Krankheit sich manifestiert, habe ich im allgemeinen die Möglichkeit zu lauschen, zu hören und dann mein Verhalten anzupassen.
            Erst nach eine gewissen Weile von Ignoranz, bekomme ich es dann in Form einer Krankheit auf´s Brot geschmiert.

            Ja, und dafür muß es ja auch Brotschmierer geben, die so was wirklich Unangenehmes da drauf schmieren.
            Die machen eben genauso ihren Job. So kann ich ein Kleinschmierer (einfacher Soldat) oder ein Oberschmierer (meinetwegen leitende Persönlichkeit in einem Bankenkartell) werden, da diese Aufgabe so lange bestehen muß, bis die Menschen eine solche Schmiere nicht mehr brauchen…

          4. Da ist was dran, lieber Jürgen. Konfuzius lässt grüßen:

            “Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu Handeln; erstens durch Nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.”

          5. Lieber Till,

            Daraufhin habe ich ihm eine gewaltige Ohrfeige verpasst, ihn am Kragen gepackt und einmal durch die ganze Wohnung geschleift und dabei angebrüllt. (…) Manchmal muss es erst weh tun, bevor man Einsicht zeigt.

            Schließlich durfte ich dadurch lernen, dass Prügel nutzlos sind und meine Kinder konnten gewaltfrei aufwachsen.

            irgendwie bringe ich diese beiden Passagen nicht übereinander.

            Viele Grüße

            Ruben

          6. T.Sitter:

            Wenn ich Ihnen heute eine auf die Fresse haue, dann werden Sie in 40 Jahren nicht vergessen. Ich kenne in meiner Verwandtschaft so einen Fall. Das Opfer ist immer noch nach 40 Jahren auf den Täter richtig sauer. Die sind immer noch verfeindet.

            Wie jetzt? Sie würden auch gegen ein kleines Kind Gewalt anwenden, um ihn vor der Kerze zu schützen?

            Verstehen Sie mich nicht falsch. Ihre Erziehungsmethoden sind aus dem früheren 20. Jahrhundert. Die sind ausgedient. Ihr Neffe wird garantiert den Haken von Ihnen nicht vergessen. Dieser damalige Augenblick der für Sie notwendig war, war für Ihren Neffen absolut nicht notwendig. Sind wir da uns einig?

            Freundliche Grüße

          7. Lieber Ruben,

            mein Neffe, meine Kinder. Siehst Du da keinen Unterschied?

            Patriot:

            Zitat: Wie jetzt? Sie würden auch gegen ein kleines Kind Gewalt anwenden, um ihn vor der Kerze zu schützen?

            Nochmal: Es ging nicht darum, mit Gewalt etwas zu verhindern. Lesen Sie bitte meine Kommentare richtig, bevor Sie kommentieren. Nein, ich würde die Gewalt, die die Flamme ausübt, zulassen. Das habe ich schon beim zweiten Kind getan, weil sabbeln nichts bringt. Wie gesagt, ich weiß nicht, wie Ihr Gehirn funktioniert, aber Sie können offensichtlich aus der Ferne beurteilen, was ich aus der Nähe erlebe. Das Verhalten meines Neffen mir gegenüber hat sich nicht geändert, aber sein Sozialverhalten allgemein hat sich zum positiven geändert. Mehr Respekt seiner Mutter gegenüber zum Beispiel.

            Herzliche Grüße

          8. Ich möchte jetzt der Letzte sein, der Sie in die Enge treiben will, lieber Till.
            Aber die Botschaft auf die sich sowohl Ruben als auch Patriot bezogen, war, dass Sie ein Kind schlugen, um ein – selbstredend hehres, aber das ist eh immer so – Ziel zu erreichen. Und im Original-Posting entsteht der Eindruck, dass dies notwendig war und der Erfolg Ihnen letztlich recht gab. Das finden die Foristen – und ich übrigens auch – zweifelhaft.
            Vielleicht klären Sie einfach, was dort missverständlich herüber gekommen sein könnte.

            Herzlich, Ped

          9. Danke, aber ich fühle mich gar nicht in die Enge getrieben. 🙂 Das Kind ist wohl das Missverständnis, der Junge war 19.

            Herzliche Grüße

  6. “Jenes” Netzwerk schafft immer Verhältnisse, in denen es Verlierer gibt: für diese gibt es dann wieder “Auffangbecken” – eines davon ist die Bundeswehr. D.h. in diesen Becken ist die Dichte solcher Menschen, die darin ihre letzte Chance sehen wesentlich größer als wo anders und allein dadurch entsteht schon ein “inneres Wegsehen” von dem, worauf man sich eingelassen hat. Also eine weitere Spaltung wird angeregt – die eben genau die Voraussetzung ist, um diesen “Dienst” zu leisten.
    Im privaten hat man hier ganz liebe Menschen, die niemals jemanden töten würden, aber aus beruflichen Gründen geht das in Ordnung.
    Das sollte jeder sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was das eigentlich heißt in einer solchen Aufspaltung der Persönlichkeit zu leben !!!

    Im Übrigen gilt insbesondere in den anglo-amerikanischen Ländern Soldatentum als “Heldentum” und es wird alles dafür getan, daß dies auch so bleibt.
    Nicht nur Hollywood sorgt dafür, sondern auch Youtube Golden Buzzer, America got´s talent usw.
    Schaut euch das hier an:
    https://youtu.be/JhMvDiniYpw?t=129

    krass perfide – kaum einer bekommt mit, was da wirklich passiert …

    Aber so sieht es bei den meisten aus !!! Es ist eben immer noch einfacher Glorifizierungen zu erfinden, als bei der Wahrheit zu bleiben …

    Ich war aus guten Gründen Totalverweigerer und habe mich bereit erklärt dafür eingesperrt zu werden. So weit ist es dann doch nicht gekommen. Aber das ist eben der Punkt bei allem: sobald Du Dir etwas von anderen gebieten läßt, hast Du Dich verkauft.
    Wo ist die Grenze? – ja, man kann eben alles Glorifizieren und dann verschiebt sich diese Grenze immer weiter und alles “wird gut” …

    1. Wahrhaftig ein Ekelvideo, das man aber mal über sich ergehen lassen sollte. Standing ovation und “It’s a wonderful choice … we thank you for that”; was für eine Show!

  7. Hallo Ped,

    im ersten Absatz unter der Überschrift Symbolträchtige Begegnung litt Tom und nicht Kolb am Feuerwerk, da hast Du die Namen verwechselt. Ich wollte nur darauf hinweisen, den Hinweis kannst Du bitte gerne löschen.

    Den Artikel finde ich gut, weil er neben dem deutlich sichtbaren Tod und Leid die unsichtbaren zerstörten Seelen am Krieg teilnehmender Menschen anschaulich macht, egal ob Täter oder Opfer, Soldaten oder Zivilisten. Dieses eine Schicksal multipliziert mit hunderttausenden Soldaten egal welcher Partei, Vietnamesen, Syrern, Lybiern, Irakern, Ukrainern, Venezuelanern usw. ergibt die wahren Ausmaße der größten Verbrechen des Jahrhunderts. Jemand, der einen einzelnen Mord begangen hat – was schon größtes Unrecht ist -, bekommt eine lebenslange Gefängnisstrafe. Wer durch Vergewaltigung oder andere Verbrechen anderen Menschen großes seelisches, manchmal lebenslanges Leid zufügt, muss auch ins Gefängnis. Jemand, der für vieltausendfache Massenmorde und Seelenzerstörungen verantwortlich ist wie Bush, Blair, Albright, Clinton oder Bolton hingegen wird weiterhin in den höchsten Kreisen der Gesellschaft hofiert und erfreut sich eines unverhältnismäßigen Luxuslebens oder wird posthum als aufrechter Demokrat geehrt wie McCain…

    Viele Grüße Roadrunner


    Herzlichen Dank – auch für den wichtigen Korrekturhinweis, Ped

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