Trolle und die Spiele der Macht

Achtung und Respekt lässt die Waffen schweigen – mehr erst einmal nicht.


Das sich vorbehaltlose Öffnen gegenüber anderen Menschen – geht über die erstgenannten Normen hinaus. Normen sind rational. Der Frieden mit uns selbst kommt ohne diese Normen aus. Doch da muss man erst einmal hinkommen und unserer Gesellschaft wäre schon sehr geholfen, galten Achtung und Respekt als tatsächlich anerkannte Normen. Unsere Gesellschaft befindet sich aber im Krieg, weil die Mehrzahl ihrer Mitglieder im Krieg ist – und schafft es nicht einmal zum Waffenstillstand, eben Achtung und Respekt.


Eine naive Gesellschaft, eine von tatsächlich groß gewordenen Kindern, die einander vertrauen und Konflikte mit Liebe lösen, ist eine wunderbare Vision. Damit meine ich auch, dass Naivität etwas sehr Schönes ist, etwas, dass man den meisten von uns allerdings beizeiten ausgetrieben hat. Stattdessen hat man uns beigebracht, zu berechnen und misstrauisch zu sein, den Ellbogen auszufahren, Konkurrenten zu bekämpfen.


Naivität und Empathie – Liebe und Verstehen

In dieser Gesellschaft leben wir. Das gibt uns natürlich trotzdem die Möglichkeit, freie Entscheidungen zu treffen, also Verantwortung wahrzunehmen. Verantwortung ist keine Last, sondern eine Chance. Das steckt hinter der freien Entscheidung. Der Prozess, dahin zu kommen, überhaupt die Möglichkeit der freien Entscheidung für sich selbst zu sehen, ist allerdings nicht trivial. Denn er fordert uns heraus, das Woher unserer Verletzungen zu untersuchen. Die Ursache, warum wir nicht naiv sein können.

Der Prozess fordert uns im weiteren auch deshalb heraus, weil wir unsere Freiheit im Umfeld einer Gesellschaft zu entdecken haben, die als Ganzes ihre Freiheit nicht sieht und so in Normen gefangen ist. Normen, die ihr verbieten, auf das Herz zu hören. Normen, die Naivität durch Cleverness ersetzten, statt sie mit Empathie zu bereichern.

Wenn eine Gesellschaft permanent im Krieg ist, hat es der Frieden und das Herz schwer. Doch wie wechselt man vom Kriegsmodus in den Herzmodus? Indem man seinen Feind – oder jenen der einen selbst als Feind betrachtet – in die Arme schließt? Ist das überhaupt Herzmodus?

Das ist nicht einmal Naivität. Die Indianer Nordamerikas – sie waren tatsächlich naiv und vertrauten in dieser Weise Fremden, die in ihr Land kamen. Sie bezahlten es mit der fast vollständigen Auslöschung. (1)

Es ist auch nur eine vermeintliche Empathie, die das – subjektiv so gesehene – eigene Gute ohne jede Differenzierung im Anderen auch sehen will. Empathie bedeutet für mich nicht, jeden Menschen als gut zu begreifen. Weil andere Menschen dann nur reine Spiegel sind, aber auch nicht mehr. Menschen sind nicht gut.

Menschen sind auch nicht schlecht.

Empathie ist die Gabe, Menschen so zu verstehen, wie sie wirklich sind. Menschen sind alles und gut wie böse subjektive Bewertungen, die wir für unser eigenes Handeln als mehr oder weniger verbindlich sehen. Ob wir uns an die Elle, die wir bei anderen anlegen, auch selbst halten, steht auf einem anderen Blatt.

Damit darf man aber einen Menschen der sich im Kampf wähnt, sich in seinem kleinen Krieg verstrickt, auch genau so verstehen. Verstehen heißt nicht, das Gute im Menschen zu erkennen. Verstehen heißt, mit einem anderen Menschen so umzugehen, dass dessen Konflikt nicht auch noch die eigenen Konflikte befeuert. Verstehen bedeutet also auch, Distanzen einzuschätzen.

Elefanten sind sehr empathische Tiere. Doch wenn eine Elefantenmutter ihr Kalb beschützen möchte, ist es einfach nur anmaßend, ihr zu nahe zu kommen. Es ist nicht naiv und keineswegs ist es empathisch. Überhaupt ist es ein sehr interessantes Phänomen, zu welchen psychologischen Tricks Menschen bei Tieren greifen – auch und gerade bei Haustieren -, um sie für die eigene “Liebe” zu gewinnen. Natürlich ist das keine Liebe und es ist auch keine Empathie. Empathie ist ein sozialer Lernprozess, der unsere Naivität veredelt und “ganz nebenbei” unsere Überlebensfähigkeit erhöht. Weil wir auf diese Weise auch lernen, feine Signale wahrzunehmen und richtig zu deuten.

Wenn jemand meine Tür eintreten will, kann ich dieses klare Signal natürlich gern ignorieren und so anmaßend sein, ihn in seiner ganzen Aggressivität trotzdem zu lieben. Das darf jeder selbst entscheiden. Doch ist es im Großen so wie im Kleinen. Er sollte nicht enttäuscht sein, wenn seine Friedensbemühungen gegenüber dem Aggressor nach hinten losgingen. Höchstens von sich selbst könnte er enttäuscht sein und davon, dass er das, was er für sich selbst als die Lösung für soziale Konflikte sieht, konsequent auf andere Menschen adaptiert hat. 

Was er da selbst als Hineinfühlen, als Empathie versteht, ist ja vielleicht gar nicht das, was diese Art von Liebe ausmacht. Ist eine so verstandene Liebe nicht eher kopflastig? Eine Liebe, die man meint, systemisch entwickeln zu können, um sie dann – wie nach einem Rezept – verbreiten zu können, ist eine des Egos, nicht des Herzens.

Liebe kann man – so meine Sicht – nur entdecken, man kann sie wahrnehmen und fühlen. Keinesfalls ist sie beliebig anwendbar oder gar steuerbar. Empathische Liebe – als Ausprägung unseres inneren und äußeren Friedens – ist zudem auch eine ganz andere Ebene als die des auf Vernunft basierten Verstehens. Das macht letzteres nicht schlechter, doch halte ich es für wichtig, den Unterschied festzuhalten. Daraus resultiert auch die Frage:

Wo erreicht man einen Trollenden: auf der Ebene des auf Vernunft basierten Verstehens oder auf jener der Emotionen?

Was meint der Leser?

Bevor wir uns alle ganz doll lieben, halte ich es für eine gute Idee, erst einmal die Grundlagen, das Umfeld dafür zu schaffen.

Für mich ist es zum Beispiel wichtig, immer wieder in die Arbeit zu gehen, wenn ein Kommentar im Blog in mir ein Gefühl auslöst, dass da etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl ist authentisch, ich habe gelernt, diese Gefühle immer besser zu verstehen (!) und sie ernst zu nehmen. Ich glaube meinen Gefühlen. Das ist Dissonanz im Herzen, nicht im Ego. Nicht – aus meiner Sicht falsche – Sachargumente sind es, sondern die empfangenen und in mir ausgelösten Emotionen, die ich gefordert bin zu verarbeiten!

Die Aufgabe besteht danach für mich darin, zu versuchen den Menschen hinter dem Kommentar zu verstehen. Es bleibt ein Versuch, eine vorsichtige Annäherung, bei trotzdem deutlicher Distanzierung. Da es hier um psychologische Mechanismen, um das Ausleben existenzieller Gefühle oder auch dessen Vortäuschen geht, greifen Versuche eines sachlichen Diskurses in der Regel nicht. 

Mein Wissen über den Aggressor bleibt begrenzt, hat er doch mitnichten vor, sich zu öffnen. Vor allem versuche ich mir immer, ein Bild über den Grad seiner emotionalen Verfasstheit zu machen und wie wahrhaftig sie ist. Diese seine Emotionen kann ich zudem nicht einfach ersetzen. Ich kann allenfalls dafür sorgen, sie nicht weiter zu füttern, muss dabei aber meinen eigenen Fundus an Möglichkeiten realistisch einschätzen. Vor allem bin ich gefordert, mich nicht in den Strudel dieser Emotionen verführen zu lassen.

Auf jeden Fall bin ich hier an dem Punkt, in dem mein Großhirn mir Regeln vorgibt, die ich selbst dort rein geschrieben habe und an die ich mich halte. Klingt komisch, funktioniert aber.

Die Regeln lauten Achtung und Respekt. Damit gestalte ich aktiv ein Umfeld, indem der Trollende bessere Möglichkeiten bekommt, aus dem Kriegsmodus zu entweichen. So wie ich mir selbst eine Hilfe gebe, nicht in diesen zu geraten. Da ich ein Mensch bin, werde selbstredend auch ich von meinem Ego getrieben und gekitzelt. Das ist normal, unser Ego ist nichts Schlechtes. Deswegen lege ich die Elle für mich auch nicht zu hoch. Was ich konsequent zu beherzigen suche sind: keine persönlichen Angriffe, keine Beleidigungen, keine unangemessene Vertrautheit.

Natürlich kann man auch intellektuell in den Kampf gehen und ich tue das auch. Es ist übrigens recht und billig, dort, wo der Kampf tatsächlich notwendig erscheint, diesen zu führen – mit den eigenen zur Verfügung stehenden Waffen. Dabei bewegen wir uns jetzt aber bereits auf einer sehr subtilen Ebene. Wenn das unser Problem hierzulande wäre, könnten wir kollektiv den guten Roten öffnen …


Trolle – heiße Krieger

Begegnet mir ein Troll – bezahlt oder unbezahlt, opportunistisch, missionarisch, wie auch immer – dann lässt sich das erkennen. Ein Troll ist ein Mensch, der eine bestimmte Rolle ausfüllt. Er ist nicht böse, nichtdestotrotz ist er ein Träger von Propaganda. Propaganda hat ganz klar erkennbare Merkmale – unabhängig davon, ob sie kleinen oder großen Zielen dient.

Ein Troll ist ein roter – ein heißer Krieger!

Wie gesagt – wer es mag – kann sich auch gern heißen Kriegern öffnen und sich so in deren Konflikte verstricken, deren tatsächliche oder auch bedacht vorgegebene. Das ist Selbstaufgabe. Verstehen ja, aber Selbstaufgabe steht für mich nicht zur Debatte. Für mich ist es wichtig, dem Angreifer Achtung und Respekt entgegen zu bringen – das ist eine ganze Menge. Ja, es ist ein Vertrauensvorschuss. Denn ein Krieger ist eben ein Krieger, er ist im Angriffsmodus und ich überhebe mich nicht, solche manipulativen Fähigkeiten zu besitzen, ihn aus diesem Modus herauszuholen. Das möchte ich auch gar nicht, denn dann wäre ich bereits in dessen Krieg verwickelt. 

Doch achten kann ich ihn, womit ich ihn auch nicht unterschätze – und mich nicht überschätze. Das ist meine Art des Umgangs und das lebe ich hier bewusst vor.

Ich habe nicht vor, Trolle zu missionieren, mich aufzureiben, um einen Zugang zu ihnen zu finden, weil ich meine, dass das eine Anmaßung wäre.

Ein Troll ist eine Rolle. In dieser Rolle kann ein Mensch sich nicht öffnen, er kann nicht reflektieren und er kann auch nicht Verständnis zeigen – nicht aus meiner Sicht. Ein Troll ist ein Krieger und daher gefährlich. Trolle sind Kriegstreiber. Sie arbeiten emsig und zerstörerisch in den Foren auf der unteren Ebene während die Meinungsführer, wie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zum Krieg treibende Nachrichten des Wahrheitsministeriums auf der höheren Ebene vermitteln.

Was mache ich, wenn ein Krieger vor meiner Tür steht?

Meine Tür ist hier gemeint als Zugang zum Bereich meiner Autonomie, jenem Bereich, in dem ich meine Entscheidungen tatsächlich selbstbestimmt treffe. Die Tür stellt jene Schwelle, jene Grenze dar, ab der jeder Mensch in Dissonanz gerät, wenn durch sie von außen ein Einfluss schimmert, der Gefahr signalisiert. Selbstverständlich hat auch mein Blog eine Tür und die Entscheidung, wen ich durch diese Tür gehen lasse, ist allein die Meine.

Mit Machtmissbrauch hat das überhaupt nichts zu tun. 

Menschen, die meine Autonomie – auch im Blog – trotzdem verletzen, indem sie sich das Recht herausnehmen, ihre ganz eigene egozentrische Freiheit durchsetzen zu dürfen, um in mein Wohnzimmer zu gelangen, geht Achtung und Respekt vor anderen ab. Liebesfähig, im Sinne des Erfühlens der Befindlichkeiten des Gegenüber sind sie schon gar nicht. 

Propaganda ist in ihrem Machtanspruch ja nichts weiter als eine Sprache des Krieges, des verbalen, visuellen, auf Reize getrimmten Krieges, des Krieges um die Unterwerfung der Hirne. Im Krieg ist Propaganda auch völlig legitim. Sie ist für den Propagandisten legitim, auch für den, der in ferne Länder zieht und diese angreift. Was aber, wenn er vor meiner Tür steht? Soll ich ihn hereinbitten, mich in seine Sorgen hineinfühlen, um seine Probleme zu erfahren, die ihn in den Kriegsmodus gelangen ließen?

Das ist gefährlich und es ist nicht naiv. Es ist überheblich und zeugt von mangelnder Empathie gegenüber genau diesem Menschen.

Ein Mensch im Kriegsmodus ist nicht für Verstehen oder gar Liebe affin. Das kann und darf er auch nicht, denn das würde sein Lebenserhaltungssystem, was ja in dem Kriegsmodus steckt, außer Kraft setzen. Womit wir – wieder einmal – zur Macht kommen.

Denn auch für die Macht gilt: Sie ist weder gut, noch ist sie böse. Sie ist Teil unserer Genesis und hat der Spezies Mensch das Überleben gesichert. Und selbstverständlich wende ich auch Methoden der Macht an, schließlich bin ich ein Mensch.

So wende ich auch Macht an, wenn ein Mensch mit destruktiven Absichten – was ein Merkmal des Kriegers ist – vor meiner Tür steht und trollt, also Krieg gegen Köpfe betreiben will. Dafür wurde ich mal als blauer Krieger betitelt. Ulf ist ein roter Krieger. Ein roter Krieger führt Krieg um seiner selbst willen – dem Selbst des Kriegers. Er führt ihn vollständig fokussiert auf die Gegner, zombifiziert und blind vor Hass. Für ihn gibt es kein Atemholen mehr, keinen Abstand zum eigenen missionarischen Tun. Er führt seinen Krieg ganz und total.

Nein, einen roten Krieger nehme ich nicht in die Arme. Das sagt mir schon das Herz. Um darauf hören zu können, muss ich aber auch gelernt haben, dem Herz zu vertrauen. Bin ich unterworfen, ist es gut möglich, dass mir alles aus dem Ego – dem das durch Ideologien gekapert wurde – souffliert wird.

Trolle kritisiere ich in ihrem Tun, weil sie den Krieg in der Gesellschaft befeuern. Erst wenn ein solcher Mensch in einer Situation ankommt, die ihn halbwegs frei von Angsttriggern sieht, ist er auch in der Lage, Achtung und Respekt zu leben. Dann ist er aber auch nicht in der Rolle des Trolls.

Trolle suchen Opfer und sie suchen sich Plattformen, wo sie mit ihren Opfern – im wahrsten Sinne des Wortes – spielen können. Trollen ist pathologisch. Zu pathologischem Verhalten sollte man die größtmögliche Distanz aufbauen. Mit einem Troll führe ich auf meinem Blog keine Diskussion. Was ich ihm signalisiere ist, dass ich sein Spiel verstanden habe, die Mittel die er dabei benutzt – und dass dieses Spiel hier keinen Platz findet. Das passiert auch nicht jedes Mal, sondern nur dann, wenn ich meine, eine positive Essenz für mich und andere aus dem Wirken des Trolls ziehen zu können.

Trolle knüppeln in unzähligen Foren andere Meinungen nieder. Sie machen dort Menschen mutlos, für die es schon eine große Überwindung bedeutete, überhaupt die eigene Sicht öffentlich zu machen. Trolle versuchen, den Mut zu nehmen. Sie sehen sich selbst als Meinungsherrscher.


Deshalb stehen Trolle immer vor fremden, statt vor den eigenen Türen. Sie wollen überall Zugang und Aufmerksamkeit, denn das verschafft ihnen die Möglichkeit zur Erlangung der Kontrolle über ihre Opfer. Das ist pathologisches Verhalten.


Trolle beschreiben Menschen in einer Rolle, in der sie zwar – weil Menschen – Achtung und Respekt von mir erfahren. Aber auch Macht, die Macht meiner Autonomie.

Mir scheint es sehr kurz gesprungen, wenn ich dann zum Thema höre: “Der macht ja auch nichts anderes”. Der – also ich – mache auch nur Propaganda und ich würde arrogant mit den “Argumenten” des Trolls umgehen. Die Kritiker verstehen nicht, dass der Troll diese “Argumente” ganz gezielt als Mittel zum Triggern unseres Egos benutzt, um dann auf einer ganz anderen Ebene Fuß zu fassen.


Nicht ich stehe vor der Tür des Trolls, er steht vor der Meinen. Er steht ganz nah an dem Raum, den jeder Mensch benötigt, um ein Mindestmaß an Sicherheit zu fühlen. Er nutzt skrupellos mein Angebot aus. Er greift in die Autonomie anderer Menschen ein.


Vor etwa zehn Jahren habe ich einen Troll in Echtzeit erlebt. Er tobte sich in Foren aus und hatte gar keine Fokussierung auf ein Thema. Am Anfang fand ich das, was er da tat, noch irgendwie lustig, doch mir wurde ziemlich schnell der Zynismus klar, mit dem dieser, mir im Grunde sympathische Mensch sein Spiel betrieb. Er betrieb es der Kontrolle wegen. Er manipulierte andere Foristen und bekam sich vor Ergötzen kaum noch ein, weil “seinen Puppen” ihre Rolle nicht bewusst war. Er berauschte sich an Macht, holte sich Kicks und hatte begeisterte, passive Mitteilnehmer. Er tobte rücksichtslos sein Ego aus, was mich aus der heutigen Perspektive noch mehr erschreckt. Wer sich in den Foren Zugang zu diesem Troll ersehnte, dem wurde er gewährt – um benutzt zu werden.


Im Großen wie im Kleinen

Was ich hier im Kleinen beschreibe, können wir auf der gesellschaftlichen Ebene genauso erfahren.

Es ist eben ein Unterschied, ob die syrische Armee im eigenen Land  gegen ausländische Söldner kämpft oder ausländische Söldner – das sind Trolle mit Waffen – in einem fremden Land gegen die syrische Armee Krieg führen. Propaganda verwischt diesen Unterschied und suggeriert den Menschen, dass “da unten” doch alle das Gleiche machen. Dahinter steckt auch das Narrativ vom “Bürgerkrieg” und so werden Menschen in die Ausweglosigkeit des “man weiß nicht, wem man glauben soll” geführt. Dabei wird das Opfer immer weiter gepresst und ihm gleichzeitig mangelnde Offenheit vorgeworfen. Es sind die gleichen pathologischen Prinzipien wie weiter oben beschrieben.

Es spielt in diesem Kontext keine Rolle, inwieweit in Syrien selbst sozialer Konfliktstoff bestand und besteht sowie wer dort welches Unrecht begangen hat. Propaganda holt sich aber genau bei den Schwachstellen des anzugreifenden Systems die Argumente, bläst sie emotional auf und versucht so Menschen vor den eigenen Karren, vor den eigenen Krieg zu spannen. Man überschreitet Grenzen, die syrischen Grenzen – vergleiche die von mir beschriebene Tür, über die wir als Menschen eine Hoheit benötigen. Zuvor rechtfertigt man nach Belieben den eigenen Machtanspruch – fertigt sich also das Recht. Das macht der Troll im Internet ganz genauso. Er testet Schwachstellen der Menschen aus und hat er die sensible Stelle eines Egos getroffen, erfährt er die erhoffte Aufmerksamkeit.

Es ist auf dieser viel größeren Ebene ebenso absurd, ausländische, sektiererische, mit Ideologie und Drogen vollgepumpte Kampfmaschinen in die Arme zu nehmen. Das ist kein Verstehen, es ist Anmaßung. Es hat mit Achtung und Respekt nichts zu tun. Weil diese Menschen darauf abgerichtet sind, zu töten, muss man möglicherweise in den Kampf – den der blauen Krieger gegen rote Krieger – und nein, es ist nicht zulässig, einfach diese Rollen umzukehren. Es sei denn, man möchte selbst Propaganda betreiben.

Das berücksichtigend, werden die Dinge in Syrien doch schon sehr viel einfacher.

Nichts anderes war das Ansinnen des Artikels zum Wirken eines Trolls auf meinem Blog. Trolle bekommen bei mir keine Plattform und ich bin auch nicht lieb zu ihnen. Weil das auch gar nicht funktionieren kann, weder vom in der Trollerei Gefangenen noch vom Angegriffenen. Die emotionale Verfasstheit eines Menschen im Trollmodus dominiert ihn und macht ihn für den Diskurs immun. Er muss aus den Trollmodus heraus, dann kann er sich auch öffnen.


Wir können uns übrigens zwar vornehmen, ab morgen lieb und verständnisvoll zu allen anderen Menschen zu sein. Nur wird das nicht funktionieren – eben wegen auch unserer emotionalen Verfasstheit, die oft nicht so weit von der eines Trolls zu orten ist. Aber wir können Regeln des Zusammenlebens einhalten und so jeden Tag das Feld dafür bereiten, dass tiefes Verstehen im Fühlen, wenn wir es erfahren, dann überleben kann.


Man kann das auch einfach Liebe nennen. Es ist die wahrhaftige, energetische Kraft, die den kleinen Frieden in sich trägt. Jener kleine Frieden, der dann den großen Frieden erst möglich macht. Doch dafür ist ein energetisches Feld unabdingbar. 

Daher führe ich sie vor – die Trolle, nicht die Menschen dahinter! Weil – wie mir erneut bewusst geworden ist – ein Großteil ihrer Opfer überhaupt nicht weiß, wie wirksam die Manipulationstechniken sind, die Trolle ausspielen, um Macht über ihre Mitmenschen zu erlangen. Natürlich tue ich das auch, weil wir allesamt selbst in der Lage sind zu trollen. Die Grenzen sind fließend. Üben wir uns also in Achtung und Respekt, im reflektierenden Verstehen, in Empathie – was noch lange nicht mit der Interaktion zwischen Kopf und fühlendem Herzen vergleichbar ist. Wenn aber auf diesem gepflegten Terrain dann plötzlich unser Herz mit uns spricht, dürfen wir das als großes Glück erfahren.

Abschließend sei gesagt – und da gebe ich so einigen Foristen auch hier im Blog völlig recht – dass man pathologisches Denken nicht bekämpfen kann. Aber man kann es austrocknen, kaltstellen, bewusst nicht würdigen. Ein Trollender, der sein Angebot zu kämpfen einfach nicht mehr gewürdigt bekommt, hat damit auch günstigere Bedingungen, diesen Modus zu verlassen.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. 

(1) 19.11.1979; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39686045.html

(Titelbild) Schrei, Gesicht; 21.9.2016; Autor: geralt (Pixabay); https://pixabay.com/de/schrei-person-gesicht-abstrakt-1682140/; Lizenz: CC0 Creative Commons