Von Klassen und Rollen

Kapitalistisches Denken ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.


Die Motivation über den Klassenkampf gesellschaftliche Verhältnisse zu verändern, beruht auf der Analyse eines eher starren Modells, in dem die Menschen fest an ihre Funktion im System gebunden sind. Damit lassen sich hervorragend Gut-Böse-Klassifikationen von Menschen erzeugen und Berechtigungen für den Kampf gegen andere Menschen ableiten.


Wenn wir vom Denken in Klassen oder in Rollen sprechen, dann geht es auch um Perspektiven. Wie viele Perspektiven werden grundsätzlich im Klassendenken zugelassen und wie breit oder schmal ist das Fenster dann noch, durch das wir schauen?

Der US-amerikanische Schriftsteller John Steinbeck, der sich während der großen Depression in den USA der 1930ger Jahre im Milieu der verarmten Bevölkerung aufhielt, äußerte damals:

„[dass] sich die Armen selbst nicht als ausgebeutetes Proletariat verstehen, sondern als vorübergehend verhinderte Millionäre.“ (1)

Er sprach damit von jenen, die in den 1920er Jahren schon einmal aus der Armut gekommen waren und am Reichtum geschnuppert hatten.

Warum wurden eigentlich große Teile der Unterschichten in jener Zeit in den USA vermögend? Weil sie ihren bescheidenen Anteil an den Profiten kassierten, welche der Erste Weltkrieg den US-Unternehmen und vor allem ihren Banken einbrachte!

Die sich aus Teilen der Arbeiterklasse bildende Mittelschicht trug ganz eindeutig die gleichen Wesensmerkmale in sich, wie die des Establishments aus Wirtschafts- und Finanzkapital.

Damit verschwanden aber für den Betrachter die eh niemals so klaren Grenzen zwischen den systemisch zweifellos existenten Klassen. Sollten wir nicht eher von Rollen sprechen, besser noch Rollen leben? Rollen sind insofern anders als Klassen, als dass man in sie schlüpfen, sich aber auch durch sie ausdrücken kann. So wie ein Schauspieler – je nach Anforderung – die Rolle wechselt und idealerweise in ihr aufgeht, mit ihr verschmilzt, weil sein eigenes Ich mitspielt. Ja, wir können sogar mehrere Rollen gleichzeitig spielen – und Klassen?

Die Diversität unseres Rollenspiels ist auch völlig normal, denn der Mensch ist ein komplexes, widersprüchliches Wesen.

Ein Kapitalist – ein Besitzer von Kapital – kann verarmen und in das Proletariat „absinken“. Doch gibt es in umgekehrter Richtung genauso Beispiele, in denen Arbeiter zu Kapitalisten „aufstiegen“. Wurden damit erstere zu besseren, geläuterten Menschen und die zweiten moralisch verkommen? Welchen Sinn hat da eine Opfer-Täter-Klassifizierung, die von einer Arbeiterklasse spricht, die sich von ihren Ketten befreien wird, in dem sie ihre Ausbeuterklasse besiegt? Wird diese Klasse dann – wir theoretisieren – tatsächlich das Eigentum gerecht verteilen? Das ist eine ziemlich fragwürdige und auch nicht bewiesene These, die den ersten Stolperstein schon mit dem Eigentumsbegriff an sich mitführt.

Diese moralische Kategorisierung von Klassen finde ich mehr als zweifelhaft. Haben wir doch allesamt die Fähigkeiten auszubeuten – und tun das auch, wenn uns das auch oft nicht bewusst ist.

Nicht der Besitz entscheidet darüber, welcher Klasse, ja ob wir überhaupt einer Klasse angehören, sondern unser Denken.

Ein Kleinanleger an der Börse, auch ein Versicherungsnehmer, der sein Geld anlegt, um für den Lebensabend zu sparen, legt ganz ohne Zweifel Kapital an. Kapital ist bewertetes Vermögen, das, einmal angelegt, Profit erwirtschaften soll. Wie das Kapital zu seiner Bewertung kommt, ist noch eine ganz andere Geschichte. Aber dieses Hantieren mit Kapital, um es zu mehren, das tun Millionen in Deutschland und so sind sie auch allesamt Kapitalisten.

Sind die jetzt alle böse?

Das Geld, was die Anleger investierten, hatten sie zuvor im Supermarkt durch „preisbewusstes Einkaufen“ erwirtschaftet. Durch Ausbeutung von Produzenten in der Dritten Welt hatten sie sich die notwendige Kapitaldecke für weitere Investitionen am Markt „besorgt“. Ausbeutung klingt natürlich nicht so fein, daher nennen wir es auch lieber kosteneffizientes Denken oder sparsames Wirtschaften.

DAS ist Kapitalismus.

Sind jetzt die Betreiber der Supermärkte schuld, dass der Arbeiter wie ein Kapitalist handelt und über seinen unempathischen Konsum Arbeiter anderswo ausbeutet? Ist es eine Frage der Höhe des angesammelten Kapitals, inwieweit man Ausbeuter oder Ausgebeuteter ist?

Aus meiner Sicht ist Klassendenken im Sinne von den „Bösen da oben“ und den „Guten hier unten“ ein Selbstbetrug.

Menschen sind es – nicht gesichtslose Klassen -, die ausbeuten, so wie es sich bei den Ausgebeuteten um Menschen handelt. Sprechen wir aber von Rollen, sprechen wir auch von einem Grad an Selbstbestimmtheit, statt von „naturwissenschaftlich begründeten“ und damit unverrückbar vorgegebenen Gesellschaftssystemen, in denen Menschen als Masse und in ihr verantwortungslos aufgehen.

In Rollen bilden wir unser Wesen ab. Es gibt Rollen, die benötigen kein besonderes Zutun unsererseits. Sie zeigen auf unsere natürlichen und erworbenen Instinkte wie auf unsere charakterlichen Schwächen – und  werden für Machtinteressen missbraucht, von der Metaebene bis hinunter auf die kleinsten Strukturen sozialer Gemeinschaften. Diese Rollen gehen auf im Spiel der Macht. Macht hat über das Ansprechen des Egos etwas Klebriges. Der so Vereinnahmte findet sodann die Aussicht, in einer Machthierarchie aufsteigen zu können, höchst attraktiv. Möglich, dass er so – aus systemischer Sicht – die Klasse wechselt und mit ihr die Ideologie, nicht aber sein Klassendenken.

Man könnte sagen, die nicht selbstbestimmte Rolle, welche damit auch von Unmündigkeit und fehlender Verantwortung zeugt, ist keine wirkliche Rolle mehr, keine, in der man den eigenen aktiven und damit verändernden, vor allem nach außen verändernden Part wahrnimmt.

Klassendenken verändert die Prioritäten. Während ich eine Rolle bewusst leben und weiterentwickeln kann, was mir Freiheitsgrade einräumt, gibt Klassendenken die Ziele vor.

Während eine Rolle sich dem eigenen Ich annähern kann – nicht umgekehrt (!) -, passt sich Klassendenken der vermeintlichen objektiven Wahrheit, der vorgegebenen Ideologie an. Klassendenken lässt sich das Denken und Handeln vorschreiben und reduziert damit die Freiheitsgrade. „Dienen“ ist ein Begriff, der sehr gut in hierarchische Systeme, Machtsysteme passt. Unser Ich wird ersetzt durch etwas Fremdes, um der großen Sache zu dienen. Wir opfern uns auf und bestimmen unseren Wert über diese Fremdidentifikation, über das Aufgehen der eigenen Existenz in einer fremdbestimmten Ideologie.

Das ist Denken in der Matrix.

Die selbsternannten und leider auch so angenommenen Eliten dieser Welt sind im Klassendenken genauso verhaftet wie jene, welche diesen Eliten jede Ethik und Moral absprechen und zum Kampf gegen sie aufrufen. Was diesen Klassenkämpfern dabei nicht bewusst ist, verbindet sich mit der Tatsache, dass sie meinen, bessere Eliten zu sein.

Klasse ist Masse. Dieser Masse folgt der Klassenbewusste. Damit kann er sich mitsamt seiner Verantwortung auch in ihr verstecken – muss ihr dort allerdings auch stets folgen. Klassendenken ist eben auch bequem, bequem im Denken. Es ist das Schwarmdenken, von dem die alten und neuen Ideologen des Systems immer wieder sprechen. Das Handeln der Menschen bestätigt sie darin, dass dieses Schwarmdenken Grundlage sozialer Gemeinschaften sein muss. Es legitimiert sie damit auch moralisch, als überlegene Denker Teil einer Klasse von Eliten zu sein.

Jedes Klassendenken ist Elitendenken, bei dem sich an der Macht befindliche Eliten mit jenen im Kampf befinden, die ihrerseits Macht anstreben. Was beide Seiten dafür benötigen, sind Mitläufer, Opportunisten, Massen. Deshalb gibt es auch die Propaganda. Denn sie sucht die Vereinnahmung der Massen und stellt die eigene Klasse dabei über die andere. Beide Seiten haben triftige Gründe für ihr Handeln und beide werten die jeweils andere Seite ab, sprechen ihr somit die moralische Berechtigung auf den Machtanspruch ab.

Es geht also um Macht und diese Macht setzt auf Menschen, die ihr folgen, sich ihr unterwerfen, sich für sie aufopfern. Daher geht Macht auch immerfort in den Kampf und wirkt destruktiv. Sie sieht nicht das zu Verbessernde vor ihren Augen. Das ist ihr zu trivial. Sie möchte die große Lösung – am besten für alle. Macht ist eben auch maßlos und je besser sie die Menschen ideologisch in ihre eigene Klasse einfügt, umso besser ist sie im Kampf gegen Konkurrenten aufgestellt. So sind Klassen auch die Armeen der Macht. Klassen sind funktional – bei Rollen lässt sich das so totalitär nicht sagen.

Rollen werden ausgefüllt und dieses Ausfüllen ist mit Kreativität verbunden. Da läuft kein starres Programm sondern Selbstverwirklichung. So wie im Theater jeder Schauspieler die Rolle im Stück anders spielt. Wenn er gut ist, sind Automatismen die kleinen Hilfen, aber die Faszination seines Spiels erschließt sich aus dem Ich, das er nach außen bringt. Wie auch die Botschaft eines Dramas durch die Inszenierung auf der Bühne immer eine andere sein kann.

In irgendeiner Masse unterzugehen, um als Teil dieser dem Willen einer Ideologie zu folgen, die sich – wie das nun einmal bei Ideologien ist – für die einzig wahre, für die Wiederspiegelung der unverrückbaren, weil zweifelsfrei objektiven Realität hält, dünkt mir kaum attraktiv. Selbstaufgabe, verbunden mit der völligen Aufgabe von autonomem Denken und Handeln, macht die Welt nicht friedlicher.

Wir können vielleicht glücklicher leben, in dem wir uns selbstverantwortlich die Rolle im Leben suchen, die unserem Ich am nächsten kommt, die uns sogar hilft, unser Ich zu entdecken und so glücklicher und damit auch für andere Menschen glückbringender zu werden.

Bleiben Sie bitte schön aufmerksam.


Anmerkungen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

Quellen

(1) 2017; Fassadendemokratie und Tiefer Staat; Jens Wernicke, Ullrich Mies; Kapitel: Kernelemente des Tiefen Staates der USA; Mike Lofgren; Promedia Verlag, Wien; ab S. 97

(Titelbild) rundes Fenster, Dunkelheit; Autor: StockSnap (Pixabay); 2.8.2017; Quelle: https://pixabay.com/de/kreis-fenster-dunkel-zimmer-klasse-2569356/; Lizenz: CC0 Creative Commons

21 Kommentare

  1. Für mich ist der Text ein wenig verwirrend. Ich möchte so kurz wie möglich erläutern warum.
    Ich denke, dass es im Wesentlichen drei Stufen der individuellen Selbsterkenntnis gibt. Eine ist das Erkennen der eigenen Individualität. Wenn ein Kind das erste Mal »ich« sagt, dann ist diese Ebene erreicht.

    Eine andere Ebene (Identität) erreichen Menschen durch die Interaktion mit ihrer Umwelt. Man ist Mann oder Frau, Mitglied einer Familie, Schüler einer Schule, Mitglied und/oder Fan eines Sportvereins, Anhänger und/oder Wähler einer Partei, Bewohner einer Gemeinde, Region oder eines Landes, Vater oder Mutter, »Linker« oder »Rechter« oder Liberaler oder Konservativer, Christ oder Jude oder Moslem, Vermögender oder Vermögensloser oder man identifiziert sich über Berufsgruppen oder oder oder über die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Schicht, Gruppe, Klasse. Jeder Mensch kann dabei viele Identitäten annehmen, sie ausleben und in ihren Grenzen denken und agieren.

    Dann gibt es aber noch eine andere Ebene. Auf dieser erkennt ein Mensch seine Würde. Das impliziert, dass er gleichzeitig die Würde der anderen Menschen erkennt. Diese Erkenntnis verhilft ihm dazu, anders auf die Welt und ihre Probleme zu schauen, andere Fragen zu stellen und andere Antworten zu suchen, als auf der Ebene der Identität oder der des Individuums. Er wird den ergebnisoffenen Dialog der von Interessen getragenen Diskussion vorziehen und nach Konsens statt nach Komprissen streben und matriarchalen Strukturen den Vorrang gegenüber patriarchalen einräumen. Menschenwürde als entscheidendes Kriterium. Damit ist zwar noch kein Problem gelöst, aber man hätte eine Basis. Keine moralische, aber eine menschliche.

    Vielleicht liegen wir in unseren Meinungen dicht zusammen. Die Sache mit dem »unser Ich erkennen« mag dem Erkennen der eigenen Würde entsprechen. Ich bin mir aber nicht so sicher.

    Beste Grüße
    Carlo

    1. Danke Carlo!

      Ja, ich denke auch, dass wir teilweise ähnliches meinen, es aber unterschiedlich ausdrücken. Und natürlich spiele ich auch ein wenig mit den Begrifflichkeiten, suchend ein anderes Verständnis als das im – aus meiner Sicht so empfundenen – starren Klassendenken. Die Vertreter des Klassendenkens argumentieren gern damit, dass sie ja nur die objektive Realität beschreiben. Die ist nun einmal entdeckt und unumstößlich. Damit ist sie aber auch nicht mehr diskutierbar.

      Eine zu verändernde Struktur, die im Prinzip ausschließlich unter dem Aspekt von Klassen betrachtet wird, ist – laut deren Protagonisten – Sinn und Zweck einer Entwicklung von Gesellschaften (1). Aber wir werden im Klassendenken in fremdbestimmte Rollen gestoßen und den meisten ist das überhaupt nicht bewusst. Sie spielen die Rolle einer Klasse und das ist auch die Rolle einer Masse. Damit kann sie keine des Ichs, sie kann nicht individuell sein und geht in Fremdbestimmtheit auf.

      Ideologien sorgen dafür, dass wir den Kontakt zu unserem Ich verlieren, das, was wir als Kind im Reifeprozess erfahren, wie sie es ja auch sehr schön mit der Metapher von „Ebenen“ beschrieben. Das ist eben die große Frage: Wie weit ist unsere Fremdidentifikation tatsächlich von uns gewollt? Oder anders ausgedrückt: Warum benötigen wir diese Fremdidentifikation? Natürlich – meine ich – weil der Großteil der Gesellschaft aus verletzten Seelen besteht und alle brauchen eines unbedingt, um zu überleben: soziale Geborgenheit. Das bekommt man nur in sozialen Gemeinschaften. Mit dieser Sehnsucht wird von Machtbewussten gespielt, sie wird ausgenutzt und verstärkt die Entfernung vom Ich.

      Das fand ich in Ihren Worten besonders stark:

      „Jeder Mensch kann dabei viele Identitäten annehmen, sie ausleben und in ihren Grenzen denken und agieren.“

      Diese Erkenntnis ist deshalb so wichtig, weil sie uns zeigt, dass Rollen eben nicht starr sind. Wir wechseln sie, das ganze ist dynamisch. Nichts ist ewig vorgezeichnet. Unsere Interessen und unser Verständnis von Glück ändern sich im Laufe des Lebens und entsprechend können wir – wozu auch das Interagieren mit dem tatsächlichen Ich gehört – unsere Rollen verändern, erweitern und ablegen.

      Herzliche Grüße, Ped

      (1) Nicht einmal in der Informatik (die aktuell vorrangig mit Nullen und Einsen agiert) werden Probleme auf so schmalem Gleis von Klassen angegangen. Da gibt es neben objektorientierter Programmierung auch die aspektorientierte und funktionale.

      1. Zu Peds Textpassage in seiner Antwort an Carlo: „Aber wir werden im Klassendenken in fremdbestimmte Rollen gestoßen und den meisten ist das überhaupt nicht bewusst. Sie spielen die Rolle einer Klasse und das ist auch die Rolle einer Masse. Damit kann sie keine des Ichs, sie kann nicht individuell sein und geht in Fremdbestimmtheit auf.“ – Dies ist meiner Einschätzung nach ein hervorragendes Argument, welches ganz klar FÜR DAS UNSERE FREIHEIT BETONENDE „ROLLENMODELL“ und gleichzeitig ganz und gar überzeugend GEGEN DAS (UNS NUR IMMER WIEDER EINENGENDE) „KLASSENMODELL“ spricht.

        Generell möchte ich noch sagen: Prima Aufsatz oben, prima „Einzelleistungen“ und nicht zuletzt auch prima Teamwork hier; – findet insgesamt meine volle Zustimmung!

      2. Wir liegen nahe bei einander.

        Die bestimmende Ideologie der Gegenwart scheint mir die Ökonomie, welche sich in verschiedene politische Strömungen untergliedert. Ich bezeichne die Ökonomie deshalb als Ideologie, weil sie nicht auf natürlichen Regeln beruht, sondern auf juristischen Konstruktionen. Die wichtigste Konstruktion ist dabei die Lohnarbeit. Dabei geht man davon aus, dass ein Menschenleben gegen Geld käuflich oder mietbar sei. Sie ist keine Erfindung des sogenannten Kapitalismus. Das heute gängige Geschäftsmodell Lebenszeit gegen Geld hat alte Vorfahren. Seine Wurzeln hat es in der antiken Sklavenhalterordnung des alten Roms, in der es nur ein Sachen- und Schuldrecht gab, aber kein Menschenrecht. Die moderne Arbeitsgesetzgebung ist eine Ableitung vom römischen Locatio conductio operarum (ein Mietvertrag), welches seinerseits dem Locatio conductio rei entsprang.
        Ohne diese menschenunwürdige Gesetzeskonstruktion ist die Ökonomie denkunmöglich. Alle großen politischen Strömungen der Moderne, von »links« bis »rechts«, setzen sie im gleichen Maße voraus wie die Ökonomie.

        Dass Menschen verschiedene Indentitäten annehmen liegt meiner Meinung daran, dass Menschen, bei der Interaktion mit ihrem Umfeld, sich zugehörig fühlen möchten. In einige Identitäten werden sie aber auch durch die gesellschaftliche Hierarchie reingepresst. Dabei ist es auf der Ebene Identität nicht wichtig, wie sich Menschen selbst sehen, sondern wie sie von außen wahrgenommen und behandelt werden. Ein Mensch, der Hartz4 empfängt, kann sich vielleicht wie ein Angehöriger einer anderen gesellschaftlichen Schicht fühlen, wird aber von der Außenwelt nicht so betrachtet und akzeptiert. Auf der Ebene Würde wäre er einfach ein Mensch.

        Beste Grüße
        Carlo

  2. Ich trau mich jetzt mal, trotz all der positiven Kommentaren eine Gegenrede zu posten:

    Die Zielsetzung Ihres Beitrags, Herr Frey, ist durchaus nachvollziehbar und zu schätzen. Auch ich betrachte mich als harmoniesüchtigen Menschen. Aber gerade mit dieser Zielsetzung sollte man doch die Dinge beim Namen nennen.

    Platt gesagt: Jede Klasse hat ihren Klassenclown und wenn mehr als ein „Leut“ zusammenkommen, wachsen natürliche Hierarchien. Der eine gibt vor, wie man Häuser baut, ein anderer weiß, wie man Brücken baut, usw. Aus diesen Hierarchien entstehen in komplexen Organisationsformen Klassen. Nun ist der Begriff „Klasse“ in Anbetracht menschlichen Zusammenlebens emotional belastet. Das liegt m. E. an der Art wie sich in unseren Kulturkreisen die Hierarchien und deren Ansprüche entwickelt haben. Hierüber gibt es viel zu forschen und zu entdecken. Das schätze ich so an dieser Seite hier.

    Wenn man nun aber einfach sagt, „Hm, es gibt ja gar keine Klassen sondern nur Rollen in die jemand schüpft“ und der Spieler(!) der Rolle hat die A-Karte, so betoniert man doch das vorherrschende emotionstriggernde Klassen-Mem anstatt es aufzulösen.
    Ist nicht die Organisationsform und -struktur (das „System“) das Problem, welches es zu ändern gilt? Ist es nicht so, dass, sobald jemand in einer „bösen“ Klassen-Rolle abtritt, sofort jemand die leergewordene Stelle antritt und alle seine Möglichkeiten ausschöpft?

    Ich meine: Marx hatte Recht, als er behauptete, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Diese Aussage ist doch an sich völlig emotionslos und sie beschreibt die Klassenproblematik kurz und prägnant.

    1. „Jede Klasse hat ihren Klassenclown und wenn mehr als ein „Leut“ zusammenkommen, wachsen natürliche Hierarchien.“

      Wirklich?
      Der Beruf, den man ausübt, weil er einem Spaß macht und der „nebenbei“ anderen Menschen zugute kommt, also auf gewisse Weise allgemein glücklich macht, ist doch gerade eine Rolle, die eben mit Hierarchien schlicht nichts zu tun hat. Menschen, die nach ihren – quasi immer einzigartigen – Fähigkeiten Wertschätzung erfahren und sich dadurch auf natürliche Weise in Kollektive einbringen, sind doch nicht zwangsläufig Hierarchieträger.
      Dass es in der Realität Hierarchien gibt, wird von mir nicht bestritten. Das aber Hierarchien offenbar unser gesellschaftliches Zusammenleben dominieren, halte ich dagegen ganz und gar nicht für selbstverständlich.
      Ob wir in Klassen oder Rollen denken, hängt nicht zuletzt von unserer eigenen, ureigenen Position zu uns selbst ab, unserer Selbsidentifikation und Wertschätzung dem Ich gegenüber. Wenn wir über unser Mankos in Schuld gebracht und ins Handeln gezwungen werden, dann sind wir wieder bei Klassen. Das kam von außen und hat quasi unser unschätzbar wertvolles Ich unterworfen.
      Strukturen sind eben nicht zwangsläufig hierarchisch. So etwas lässt sich oft beim Beobachten von spielenden Kindern feststellen. Aber Sie und ich machen das im Alltagsleben auch regelmäßig.

      Herzliche Grüße, Ped

    2. ein „klassenclown“ KANN AUCH ein sehr verantwortungsbewußter und ernsthafter mensch sein – selbst er kann in unterschiedlichen situationen in unterschiedlichen rollen auftreten – doch „traditionell“ übernimmt er die rolle der „komischen seite“ der gleichen geschichte und zeigt, was mit humor und leichtigkeit möglich ist – also ein positiver interpret, der von manischer verbissenheit und betroffenheitsgejammer zu einer möglichen relativierung beiträgt … zumindest macht er ein angebot dafür.

      in entscheidender konsequenz geht es um die sache – mag dies nun ein brückenbau oder das gelingen einer operation sein – und da sind natürlich profis gesucht … ich verstehe nicht, was dies mit emotionen zu tun haben sollte – das fertige „werk“ entscheidet über den erfolg

      1. an marie: Klasse Anmerkung von Ihnen, zum (Unter)-Thema „Klassenclown“. Dafür möchte ich Ihnen zuzwinkern und zum Dank auch noch folgende Geschichte erzählen:

        Wenn Seifenblasen Politik machen: viel Rauch um Nichts
        (eine zugegeben – „ziemlich verrückte“ Kurzgeschichte)

        Vor kurzem habe ich ein phantastisches Stichwort von dem ich – wenn ich mich recht entsinne schon einige Jahre zuvor bei einem Kabarettauftritt von Hagen Rether das erste Mal gehört habe – „noch etwas weiter gesponnen“ und dies geschah folgendermaßen:

        Auf meinem Weg durch die Stadt ging ich („mein kleines Teufelchen“ hatte sich wieder ein­mal „hinter meinem Ohr festgesetzt“) zum „Optiker meines Vertrauens“, den ich auch an­sonsten immer wieder einmal besuche, um mit ihm und seiner Verkäuferin ein wenig gute Laune und wie schon oft zuvor – auch ein wenig „Schabernack“ auszutauschen.

        Die beiden begrüßten mich wie sonst auch – mit guter Laune und blickten mich, wie mir schien – auch wieder einmal erwartungsvoll an, mit welchem „tollen Ansinnen“ ich denn heute wieder käme. Ich sagte daraufhin, daß ich inzwischen auf der Suche nach einem fi­nanzkräftigen Geschäftspartner wäre, um eine neue, „äußerst raffinierte“ Geschäftsidee mit „aller Wahrscheinlichkeit nach durchschlagenden Erfolgschancen“ zu realisieren, denn ich sei nun von Plan, meiner zukünftigen Kundschaft eine ganz besondere Dienstleistung anzubieten, nämlich einen – gewiß auch weltweit – noch einzigartigen Brennholzverleih!

        Beide stutzen erst einmal, und besonders dem Geschäftsführer des Brillengeschäfts war deutlich anzumerken, wie es in ihm arbeitete, wie er – sonst nie um eine humorvolle passende Antwort verlegen – nun erst einmal nach den richtigen Worten hierfür suchte. Nach kurzem Überlegen erwiderte er mir dann aber doch auch schon, daß dies wohl „tat­sächlich eine blendende Idee sei, mit der „man sicher viel Geld machen könne“ und daß ich mit diesem Geschäftsmodell „unzweifelhaft meinen „hervorragenden Geschäftssinn“ beweisen würde“. Klar stimmte ich dieser für mich so günstigen Aussage natürlich sofort zu und erwiderte, daß dies allein schon deswegen so der Fall sei, weil meine Kunden eine entsprechend hohe Kaution, die sie zu Beginn des Verleihgeschäfts an mich zu entrichten hätten „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ kaum je zurückfordern würden, da ich die Rücknahme von Asche, beziehungsweise von bis zur Unkenntlichkeit verbranntem Holz durchaus zurecht verweigern könne; die Verleihgebühr hingegen könnte demzufolge äußerst gering sprich‘ sehr preisgünstig, ja „geradezu einmalig billig“ sein, da mein eigentlicher Gewinn ja schon durch das durchaus rechtmäßige Einbehalten der bereits anfangs zu entrichtenden hohen Kaution entstünde.

        Die geradezu übermütig gute Laune, die unter uns durch all dies noch zusätzlich entstanden war konnte eigentlich kaum besser sein, doch als ich den Laden gerade wieder verlassen wollte, flüsterte mir „mein kleines Teufelchen hinter dem Ohr“ ein, ich könne doch eigentlich „noch eins draufsetzen“ und so erzählte ich den beiden auch noch von folgender weiterer „Geschäftsidee“ von mir und die sähe dann folgendermaßen aus:

        Ein kurzer Auftritt in einem Kabarett oder Variete, bei dem ich mit meinem kleinen blauen Seifenblasenspielzeug* (das ich inzwischen so liebe und auch oft bei mir trage) erst eine ganze Menge Seifenblasen produziere, dann eine Weile (natürlich gaanz, gaanz vorsichtig) mit diesen so filigranen schillernden Kugeln jongliere, dann aber schließlich – eine kleine Stecknadel hervorhole und mir ihr all die Seifenblasen zum Platzen bringe, sodaß damit am Ende – ganz wie es den allgemeinen Vorstellungen bis heute entspricht – die gesamte Bühne auch „wieder picobello aufgeräumt und auch wieder völlig sauber“ ist.

        Inzwischen habe ich meinen beiden Brillenverkäufern die hier erzählte Geschichte vorge­legt, um sie auch mit deren Zustimmung zu veröffentlichen, diese Zustimmung inzwischen von beiden auch erhalten und ich meine – auch Hagen Rether ist mir (wenn er diese Geschichte einmal lesen sollte) nicht böse, wenn er sieht, welch‘ eine kuriose Geschichte inzwischen aus seinem so tollen Stichwort vom „Brennholzverleih“ entstanden ist.

        Ich meine übrigens, daß ein solches Seifenblasenspielzeug grundsätzlich nicht nur für Kinder, sondern gerade auch für Erwachsene sehr geeignet ist, insbesondere z. B. auch, wenn man in unserem Bundestag den Reden so mancher unserer Parlamentarier zuhört. – (Der „Klassenclown“ in mir läßt mich hier noch hinzufügen: Politiker so heißt es ja immer wieder, seien bekanntlich „eine Klasse für sich!“). – Man kann diesen Leuten damit dann auch ohne laute Zwischenrufe auf deutliche und obendrein auch völlig friedliche Weise signalisieren, was man beispielsweise vom Inhalt ihrer Redebeiträge oder von ihrem „so gewissenhaften“ jeweiligen Abstimmverhalten hält (und – der so sprichwörtliche „viele Rauch um Nichts“ den so viele dieser Herrschaften inzwischen fast bei jeder Gelegenheit produzieren, ließe sich dabei – gerade auch durch die Inanspruchnahme meines Brennholzverleihs – gewiß noch um Einiges steigern!!!)

  3. Zitat:
    „Dienen“ ist ein Begriff, der sehr gut in hierarchische Systeme, Machtsysteme passt. Unser Ich wird ersetzt durch etwas Fremdes, um der großen Sache zu dienen. Wir opfern uns auf und bestimmen unseren Wert über diese Fremdidentifikation, über das Aufgehen der eigenen Existenz in einer fremdbestimmten Ideologie.
    Zitat Ende

    So ganz will mir das nicht einleuchten… Wieso ist Dienen mit der „großen Sache“ verbunden? Wenn ich in meinem persönlichen/lokalen Umfeld diene, indem ich beispielsweise Dinge tue, die Anderen nützlich sind, trage ich möglicherweise dazu bei, die Welt ein wenig besser zu machen. Dabei MUSS ich nicht dienen, wie es vlt. ein Butler tut. Das hat also nichts mit Macht zu tun.

    Ich finde den Text sehr theoretisch. Vieles kann ich mangels anschaulicher Beispiele nicht nachvollziehen.

    Herzliche Grüße,
    Jochen

    1. Danke, Jochen!
      Wir sind bei Sprache, sehr gut, sehr wichtig.
      Dienen stellt ein Abhängigkeitsverhältnis dar. Wir dienen einer Sache oder wir dienen Menschen. Wir können das gern positiv konnotieren, aber darum geht es nicht. Mit dem Dienen ist Unterwerfung verbunden. Dienert jemand, drückt man damit aus, dass er er die Verbeugung macht, die seine Stellung gegenüber dem Gegenüber ausdrückt. Ich stelle mir das auch gern historisch vor. Um einen Diener zu haben, benötigte man in der Feudalgesellschaft eine gewisse Position, man musste aufgestiegen sein. Je mächtiger der Herrscher, desto zahlreicher die Diener und beide Seiten waren sich des Dienstverhältnisses bewusst.

      Der Diener ist das visuelle Zeichen der Unterwerfung. Vom Dienen kommt auch das Wort Dienst. Auch hier: ein Dienstverhältnis beschreibt ein Abhängigkeitsverhältnis, welches ständig den freien Willen einschränkt. Glücklich dürfen die sein, wo sich diese Einschränkung weniger auswirkt.

      Dem Dienen stelle ich die Selbstverwirklichung gegenüber, die eben kein Aufopfern, kein Nachstellen des eigenen Ichs ist, sondern mit gesunden Egoismus ganz natürlich gelebt wird. Dieser gesunde Egoismus ist aber mit Empathie getränkt und damit bereichernd für die Mitmenschen.
      Eben weil Dienen das Ich hinten anstellt, sich aufopfert, zeigt es auch eine mangelnde Wertschätzung gegenüber sich selbst.

      indem ich beispielsweise Dinge tue, die Anderen nützlich sind, trage ich möglicherweise dazu bei, die Welt ein wenig besser zu machen.

      Natürlich, aber aus welchen Motiven heraus tun Sie das? Sie ahnen doch schon, dass das mit Dienen offenbar nichts zu tun hat (wie ihr Folgesatz vermuten lässt).
      Der Fokus des Artikels liegt trotzdem auf der Herausarbeitung des Unterschiedes zwischen einem Leben in eher erstarrten Klassen und dem in flexiblen, Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung aufzeigenden Rollen.

      Herzliche Grüße, Ped

      1. Hallo Ped,
        wir verwenden unterschiedliche Bedeutungen von „Dienen“.
        Schau‘ mal auf
        https://www.wortbedeutung.info/dienen/
        Du meinst, dass Selbstverwirklichung statt Hintenanstellung des Ich’s bereichernd für Andere ist? Wenn es einen gesunden Egoismus gibt, gibt es dann auch einen kranken?
        Ich denke, dass die Motive für Bereicherung Anderer schlicht im Wesen des Menschen liegen. Ich muss die Motive nicht noch klassifizieren, oder theoretisch erklären.

        Grüße vom Jochen

        1. „Wenn es einen gesunden Egoismus gibt, gibt es dann auch einen kranken?“

          Ja, das meine ich – mit dem Vorbehalt des „krank“ – denn beide Arten von Egoismen sind uns wesenseigen.
          Wenn man nicht auf das eigene Glück achtet, bei dem, was man tut, wird man auch schwer andere zu glücklicheren Menschen machen. Wenn MENSCH im Vordergrund steht, muss man beim eigenen MENSCHSEIN beginnen. Da steckt aber automatisch Behutsamkeit und Achtsamkeit gegenüber anderen Menschen mit drin, eben weil man ja MENSCH sein will. Es ist das, was ich auch gern mit „hör auf dein Herz“ benenne.
          Das wir das Wort „Dienen“ unterschiedlich interpretieren, finde ich völlig in Ordnung und was Sie damit ausdrücken möchten, ist mir klar. Wir dürfen aber darauf achten, diese unterschiedliche Interpretation durch die Menschen beim eigenen Gebrauch zu berücksichtigen.

          Herzliche Grüße, Ped

        2. An der Stelle möchte ich auf C. Eisenstein hinweisen: „Dienen“ innerhalb der Geschichte der Separation bedeutet etwas anderes als in der postkapitalistischen Geschichte.
          Eisenstein’s Bücher waren für mich eine Offenbarung.

          Herzliche Grüße vom Jochen

      2. “Schon gut! Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen;
        Denn eben wo Begriffe fehlen,
        Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
        Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
        Mit Worten ein System bereiten,
        An Worte läßt sich trefflich glauben,
        Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben.“
        (Goethe, “Faust“)

        Goethe wird sich sicher etwas dabei gedacht haben, dass er Mephisto diese Worte sprechen lässt. 😉

        Zitat Ped: “Dienen stellt ein Abhängigkeitsverhältnis dar. … Der Diener ist das visuelle Zeichen der Unterwerfung.“

        Sie versuchen, das Dienen in ein schlechtes Licht zu rücken und stellen dem Dienen die Selbstverwirklichung gegenüber. Imago hat weiter unten schon die positive Seite des Dienens aufgegriffen, und ich bin da ganz auf seiner Seite. Der Mensch ist ein Ich und als solches von Anfang an nicht unabhängig. Jeder muss die Dienste eines anderen beanspruchen und dafür selbstverständlich auch Dienste erbringen. Der “gesunde“ Egoismus weiß das, der “kranke“ will sich selbst verwirklichen. Wenn man sich mit dem, was man hat und kann, dienend einem Wir einordnet, bedeutet es nicht, dass man sich unterordnet. Es ist wahre Selbstverwirklichung, die dem Dienen nicht gegenüber steht. In diesem Sinne stellt das Dienen das Ich nicht hinten an, sondern, egoistisch wie wir sind, in den Vordergrund. Mit dem Wort “Selbstverwirklichung“ kann man eine Menge Schindluder treiben. 🙂

        Herzliche Grüße

    2. Das „Dienen“ – ein Begriff, der leider AUCH (Zitat von oben) „sehr gut in hierarchische Systeme, Machtsysteme passt“, ist eben nicht automatisch schon „mit einer großen Sache verbunden“; hingegen einer wirklich großen (humanen und umweltgerechten) „Sache“ zu dienen ist per Definition kein demütigender Akt der Unterwerfung, sondern geschieht vielmehr aus dem sicheren Wissen und in freier Überzeugung heraus, damit IN WAHRHEIT ALLEM EXISTIERENDEN LEBEN GERECHT DIENEND das wirklich Richtige zu tun.

      Hat also nichts mit Macht oder Machtstreben, aber auch nichts mit eher banalem Nützlichkeitsstreben und Egoismus zu tun, sondern zeugt vielmehr von einer ethisch hohen Gesinnung die vor allem die höchsten Ziele verehrt, die wir Menschen zu erkennen vermögen. Demut ist dann zwar die naturgemäße Folge jener Menschen, die sich hierfür (IN FREIHEIT!) entscheiden, die dienstbeflissene Unterwürfigkeit eines Butlers zum Beispiel ist solchen Menschen ganz und gar nicht zu eigen. Sie lassen sich nicht demütigen (demütigen auch nicht sich selbst), sondern handeln (dienen) aus naturgemäßem Respekt vor dem Höchsten GANZ BEWUSST IN FREI GEWÄHLTER DEMUT. – So ist das „Dienen“ auf dieser höchsten Ebene dann auch von höchstem Wert, und Menschen die so handel(t)en, werden (bzw. wurden daher vor allem früher einmal) als EDLE MENSCHEN bezeichnet (ein Titel bzw. Rang, den jedoch bis heute längst nicht alle sogenannten „Edelleute“ verdienen und der daher [zumindest bislang] auch immer mehr in Mißkredit oder gar Vergessenheit gerät).

      Würden sich z. B. unsere derzeitigen Staatslenker wirklich als oberste Diener der Bevölkerung verstehen (sie reden ja manchmal davon), so würden sie wirklich gerecht und unparteisch handeln und wir könnten dann ALLE – ein weitaus besseres Leben führen!

  4. sehr interessante und aktuelle gedanken – und es bietet sich ja auch hier die möglichkeit an, darüber umfassender in einen gedankenaustausch zu treten, der über einen momentanen kommentarsplitter hinaus geht, denn es gibt reichlich – überreichlich – bedarf sich über begriffsinhalte und deren verwendung/wirkung auszutauschen!

    als alte theater- und literaturliebhaberin verstehe ich ganz genau, was der autor meint – genau wie deren aktuelle wichtigkeit.

    jedoch gehe ich davon aus, dass in der binären 0-1 kommunikationsstruktur, viele formen von dialektik in vergessenheit geraten sind und auf ein entmenschlichtes entweder/oder hinaus laufen.

    der facettenreichtum der situationsgerechten rollengestaltungsmöglichkeiten ist ein schatz, der dringend erinnert und gewürdigt werden muß und nicht als „täuschung mit übler absicht“ diffamiert werden darf … von hardlinern jeder art, die oft als kreidefressende wölfe in der übelsten rolle selbst auftreten …

  5. Ein im Kern und den meisten Aussagen wiedermal sehr realistischer Blick auf den Menschen.
    Beim Problem des „gelebten“ Kapitalismus kann ich nur auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen dazufügen dass, der heutige Mensch, in der großen Mehrzahl, von Natur aus ein „Kapitalfaschist“ ist, und dies bei genauer Betrachtung der Gesellschaft und ihren einzelnen Idividuen sehr deutlich zeigt, die Frage ist nur, will man das sehen, oder erkennt man sich zu sehr darin wieder und die antrenierten Emotionen lassen es nicht zu dieses Bild auch seiner persönlichen Realität hinzu zu fügen. Mehr kann, und brauche ich von meiner Seite über den Homo- Kapitalismus nicht zu sagen.
    Einen Wiederspruch in deinem Beitrag möchte und muss ich noch ansprechen Ped.
    Das Spielen einer Rolle wird von den Menschen schon realisiert, und zwar schon so sehr dass sie, wie den Meisten hier auf diesem Blog schon mehr als bekannt ist und von dir sehr trefflich als das Leben in der Matrix beschrieben wird, in ihrem Leben weder jemals erkennen, geschweige den etwas daran ändern werden, die ihnen von Außen auferzwungene Rolle zu spielen. Wodurch das bewiesen wird ist zu Einem als welches „Gutmenschenbild“ sich die meisten Verursacher und Erschaffer des größten Leids auf diesem Planeten selber sehen, und zum Anderen sind es ihre täglichen (un) Taten auf allen Ebenen unserer Gesellschaft die ein wahres und sinnerfülltes gemeinschaftliches Zusammenleben unmöglich machen.
    Ich persönlich stelle mir einen gesellschaftlichen „Horizont“ vor der sich über den ganzen Planeten spannt und die Grundlage des menschlichen Miteinander bildet.
    Ein Horizont erkennbar für alle, und an dem sich alle Menschen orientieren können.
    Ein Horizont der bindend für die Menschheit aber tolerant für das Individum ist.
    Ein Horizont der es sichtbar macht wenn einzelne oder Gesellschaftsgruppen nach oben abheben um sich „über“ den Rest zu stellen, und dies durch den Rest der Menschheit verhindert wird.
    Ein Horizont der Dinge wie Kriege, Hartz 4, Mindestlohn, Ober.- und Unterschichten nicht zulässt und diese genauso wiedergibt wie sie sind, nähmlich krimminell.
    Ein Horizont der uns zeigt wenn Mitmenschen unterdrückt werden, wenn Mitmeschen sozial ins Abseits geraten, wenn Mitmenschen leiden, wenn Mitmenschen Hilfe brauchen, damit ihnen vom Rest der Menschheit geholfen werden kann.
    Und vor allem ein Horizont der für alle Menschen auf diesem Planeten die gleiche Grundlage ihres Handelns ist!
    Natürlich ist dies ein Vision eines träumerischen Verschwörungstheoretikers der einmal zu oft an den roten Pillen genascht hat, und da es diesen von mir erhofften Horizont noch nie gegeben hat, und es auch diesen Menschen noch nie gegeben hat der ihn verwirklichen könnte, ist dies eine Fiktion für die aller Meisten nur, so, und nur so geht Weiterentwicklung, in dem wir immer fest daran glauben die Welt besser machen zu können um Ziele zu verwirklichen die gestern noch undenkbar waren. Erst wenn wir eines Tages begreifen sollten welches Potential uns durch unsere Intelligenz, unsere Empathie und unserer Fähigkeit von neuen Dingen zu träumen von der Natur gegeben wurde, an diesem Tag werden wir auch beginnen diese Träume des Horizont für alle auch zu verwirklichen, und aufhören die feuchten finanziellen Machtträume der momentanen Machthaber auf diesem Planeten zu unserem Leid und unserem Ungunsten zu verwirklichen.
    LG an alle!

  6. Hallo Ped,

    von Rollen statt Klassen zu sprechen ist ein sehr guter Ansatz, habe ich so noch nicht gesehen. Aber muss man nicht auch unterscheiden zwischen Kapitalisten und Raubkapitalisten? Am Kapitalismus an sich kann ich nichts schlechtes finden, ich selbst war auch mal Kapitalist. Allerdings einer, der sich von anderen Unternehmern anhören lassen musste, den Markt kaputt zu machen, weil ich zu hohe Löhne zahle und wovon ich eigentlich lebe bei den Preisen, die ich anbiete. Wenn man im Hinterkopf hat, jedem Beteiligten seinen billigen Anteil zukommen zu lassen, gehts eigentlich. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich zwangsläufig nicht auch von Ausbeutung profitiert habe, aber ich bin sicher, dass ich auch noch profitiert hätte, wenn Arbeiter in fernen Ländern nicht ausgebeutet worden wären. Es sind Raubkapitalisten, die die Preise bis zum Gehtnichtmehr drücken, damit sie zu einem Preis anbieten können, den ihre unterbezahlten Arbeiter noch zahlen können und sie selbst dabei noch unermesslich reich werden.

  7. Gefällt mir sehr gut, was der Autor oben zum Thema schreibt! – War auch höchste Zeit, die oben behandelten Begriffe endlich einmal DEUTLICH UND ZUTREFFEND (und obendrein auch gut verständlich) zu analysieren, denn ich halte es für AUSSERORDENTLICH WICHTIG, unser bisher oft so irreführendes und uns damit auch lange Zeit so lähmendes Sprach- und Denk-Wirrwarr nun so schnell wie möglich auf klar unterscheidende Weise klären zu helfen.

    (Freut mich übrigens auch sehr zu sehen, daß sich inzwischen auch einige [und gar nicht so wenige] andere Autoren im Netz offenbar ohne „große Absprache“ untereinander mehr und mehr auch mit der gründlichen Begriffsklärung unserer bislang oft recht schwammig [bis hin zu völlig unzureichend] bezeichneten Begriffe/Schlagwörter beschäftigen und dies oft auch sehr gut machen! – Dieses offenbar ganz spontane und doch so sehr wichtige Teamwork (was der eine nicht so deutlich wahr nimmt, fällt dem Anderen oft umso deutlicher auf) kann UNS ALLE mehr und mehr zu wirklich Positivem inspirieren und dann insgesamt bald auch deutlich zügiger voranbringen in Sachen wirklicher Verbesserung unserer Lebensumstände. – Weiter so, da bin ich dann [egal ob als Leser oder als Autor] immer wieder sehr gerne mit dabei!)

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