Die Verleumder unter uns

Die sogenannte große Politik benutzt zur Umsetzung ihrer Machtansprüche regelmäßig Lügen und Verleumdungen – aber eben nicht nur sie.


Die Grenzen zwischen Narrativ (Geschichte), Lügen und Verleumdungen verwischen in der großen Politik schnell. Das macht es nicht immer leicht, sie zu entlarven. Denn sie sind mit wohlklingenden Etiketten beklebt, wie „humanitäre Einsätze“, „Berlin-Blockade“, „syrischer Bürgerkrieg“, „Hilfspakete“, „Griechenland-Rettung“, „westliche Werte“, „Sicherheitspartnerschaft“ und so weiter und so fort. Ihre politischen Gegner nutzen das Muster der Verleumdung allerdings ebenso gern.


Da wird etwas gepflegt, was wir, wenn aufmerksam genug, selbst im Alltagsleben regelmäßig beobachten können – vielleicht sogar an uns selbst? Verleumdungen beschränken sich innerhalb unserer Gesellschaft eben nicht auf die etablierte Politik und Medien. Selbst diejenigen, die sich explizit als Teil einer Friedensbewegung ausmachen, greifen wiederholt zum Werkzeug der Verleumdung, um ihre Gegner in den Augen des Publikums herunterzustufen. Gerade weil sich kaum einer dessen wirklich bewusst ist, sollten wir uns mit dem Begriff Verleumdung näher beschäftigen.

Weil durch sie Kooperation, Verständnis und Empathie zerstört wird. Verleumdungen hindern uns daran, in positiver Weise unsere kleinen und großen Strukturen und Prozesse zu hinterfragen und zu verändern. Daher versuche ich also die Beschreibung eines Charakterbildes, das sicher keiner gern für sich annehmen mag, in dessen Rolle wir aber allesamt allzu leicht schlüpfen können. Der Duden bietet einige Synoyme für die Verleumdung an:

„Diffamie, Lüge, Lügengeschichte, Lügenmärchen, Rufmord, Rufschädigung, Unwahrheit; (gehoben) Ehrverletzung, Verunglimpfung; (bildungssprachlich) Diffamation; (emotional) Ehrabschneiderei; (gehoben, oft ironisch oder scherzhaft) Mär“ (1)

Ein Verleumder nach deutschem Strafrecht ist:

„[der] wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist“ (2)

Dass die Verleumdung „wider besseres Wissen“ verbreitet wird, beschreibt die strafrechtliche Sicht. Doch auf der menschlichen Ebene, die ich für viel wichtiger halte, erweitere ich die Beschreibung zu:


Die Verleumdung wird wider besseren Wissens und/oder trotz der Möglichkeit besseren Wissens verbreitet.


Was bewirken nun Verleumdungen, welchen Einfluss haben Verleumder?

Einen verdammt großen, denn Verleumder erzeugen Ängste. Sie pflegen ihre eigenen Feindbilder und kommunizieren sie unentwegt in ihre sozialen Umfelder. Sie grenzen aus. Sie streuen Gerüchte. Sie verbreiten ihre eigenen Vermutungen, damit sie als nagende Zweifel in ihren Opfern Platz finden. Denn Jene, welche diese Vermutungen aufnehmen, sind Opfer – und können rasch ihrerseits zu Tätern werden.

Verleumder missionieren und beißen sich an den von ihnen selbst ausgesuchten Gegnern regelrecht fest. Unermüdlich streuen sie ihre Überzeugungen und stärken sie dabei in sich selbst. Sie sind polemisch statt achtungsvoll und spalten damit soziale Gemeinschaften.

Verleumder sind von ihren eigenen Emotionen, vor allem Angst, vereinnahmt und übertragen diese Emotionen auf ihre Umgebung. Ihr Wirken im Kleinen ist nicht weniger verhängnisvoll, als das der Verleumder in der großen Politik. Sie lassen die Grundstimmung innerhalb einer Gemeinschaft kippen, stören und zerstören Vertrauen und ersetzen es durch Misstrauen und Vorwürfe.


Der Verleumder steckt in jedem von uns. Es ist der kleine Kriegstreiber, das destruktive Wesen. Er sieht die eigenen subjektiven Erkenntnisse als unumstößliche, objektive Wahrheiten.


Wer sich seinen Wahrheiten verwehrt, gerät in Ungnade und verfällt der Feme. Beim Heruntermachen des Abtrünnigen ist dem Verleumder jedes Mittel recht. Ja, er sieht sich in der heiligen Pflicht, diesen Menschen als gefährlich für die Allgemeinheit hinzustellen. Verleumder konzentrieren sich auf die Aktivitäten anderer und bewerten sie. Die Art ihrer Wertschätzung Anderen gegenüber misst sich am Maß von Übereinstimmung des Opponenten mit dem eigenen Weltbild.

Verleumder tragen in sich etwas Hässliches. Es ist das Unvermögen sich selbst kritisch zu sehen, ohne das eigene Ego als gefährdet zu betrachten. Mögen sie auch gute, kluge Gedanken in sich haben, so unterwerfen sie diese doch ihrer Engstirnigkeit, die man auch Dogmatismus nennen kann.

Dabei schieben die Verleumder immer große Ideale vor sich her. Sie selbst glauben, außergewöhnlich gut zu sein, fühlen sich moralisch makellos. Sie nutzen die Psychologie der Macht, um Gleichgesinnte um sich zu scharen. Ihre eigenen Konzepte sind ideologisiert, starr und verschließen sich den Gedanken anderer Menschen.

Verleumdungen sind Mittel von Machtausübung. Sie haben zum Ziel, jene die vom rechten Wege der Verleumder abweichen, auszugrenzen. Es gibt damit zwei Opfergruppen. Erstens jene, welche von der Kommunikation abgeschnitten werden und zum Feindbild erhoben werden sollen. Die Zweiten aber – und das ist die Mehrheit der Menschen – sind die vom Verleumder Indoktrinierten. Es sind die, welche den Lügen, unbewiesenen Anschuldigungen, den angebotenen Feindbildern nicht widerstehen. Sie widerstehen nicht, weil ihnen das Konzept der Verleumdung nicht bewusst ist.

Daher erkennen die Menschen oft nicht, dass sie sich dem Einfluss der Verleumder entziehen müssen. Es hat wenig Sinn, in den Kampfmodus des Verleumders einzusteigen. Er weiß schon alles, er zweifelt nie an seinen Überzeugungen und so ist es SEIN Spiel und ER bestimmt die zu verwendenden Werkzeuge psychologischer Gewaltanwendung.

Verleumder gibt es überall, ja sie sind in uns. Wenn unser Ego die Oberhand gewinnt und es meint, andere Egos bekämpfen zu müssen, weil es sich selbst gefährdet sieht, dann hat die Verleumdung leichtes Spiel. Verleumdung und Lüge gehen Hand in Hand. Beide sind wiederum Partner jeder Ideologie, die sich ihre Gegner (die Andersdenkenden) passend zurechtstellt, ihnen ein moralisches Defizit anhängt, sie böse macht. Die zuvor getätigte selektive Betrachtung des Gegners hat die Voraussetzung geschaffen, ihn auch ausreichend „böse“ im eigenen Kosmos einzustufen.

Verleumder greifen autonomes, selbst verantwortetes Handeln anderer Menschen an, weil es eben nicht mit den eigenen Grundsätzen übereinstimmt. Das Wirken der Verleumder ist geeignet, Menschen den Mut zur Veränderung zu nehmen. So ist der Verleumder auch nicht kooperativ, weil immer dann, wenn potenzielle Mitstreiter von seinen ideologischen Grundsätzen abweichen, Schubladen geöffnet werden. Dort verschwinden die ungewohnten Ideen, Arbeitsweisen und die Menschen gleich mit. Allesamt sind sie fortan unakzeptabel.

Ein Verleumder wird jedem Handeln seines Opfers einen negativen Anstrich verpassen. Die Verleumdung ist logische Konsequenz von Voreingenommenheit. In dieser nimmt es der Verleumder mit der Wahrheit nicht so genau. Wenn es sein muss, hilft er etwas nach, um sich bestätigen zu können. Das emotionale Bestreben nach Bestätigung des eigenen Weltbildes und der Auflösung jedweder Dissonanz in diese Richtung, macht ihn äußerst verständnisvoll gegenüber sich selbst und in gleichem Maße verständnislos gegenüber anderen. Was dann herauskommt, ist das:


Der Verleumder lässt die Achtung vor dem in nicht gewünschter Weise denkenden und handelnden Menschen vermissen. Er verteufelt, er entmenscht ihn. Der Verleumder ist ein Angstmacher und Kriegstreiber.


Und so hat der Verleumder auch etwas Narzistisches. Er fühlt sich wertvoll und beachtet, wenn Menschen sich seinen Gerüchten und Halbwahrheiten, seinen Abwertungen und Diffamierungen zuwenden. Der Narzist wertet emotional wirkmächtig ab, um sich selbst aufzuwerten. Er sucht die Ja-Sager und sonnt sich in deren Zustimmung. Menschen mit der pathologischen Neigung, gezielt und berechnend Macht auszuüben (Psychopathen), nehmen gern Narzisten in ihre Dienste. Sie bedienen deren Erwartungen und fördern so deren übertriebene Neigung, Anerkennung durch die Heraushebung der eigenen Persönlichkeit unter Zuhilfenahme der Verleumdung anderer Menschen zu erreichen. In seiner emotionalen Eingeschränktheit ist der Narzist sich dieses Missbrauchs kaum bewusst.

Der Narzist fühlt sich dagegen stets zutiefst verletzt, wenn seine Sehnsucht nach Streicheln des Egos nicht bedient wird. Der Narzismus im Verleumder ist so nicht bereit, das autonome Handeln anderer anzuerkennen, weil eben die betreffenden Akteure auf diese Weise seine Erwartungen auf die lobende Anerkennung seines außergewöhnlichen Wesens verweigern.

Das psychologische Muster der Verleumdung lehnt andere Konzepte ab, ohne dass es sich zuvor wirklich ernsthaft mit ihnen auseinander gesetzt hat. Denn es sieht das eigene Konzept und damit das Selbstbild gefährdet. Daher zielt die Verleumdung nicht auf Inhalte sondern auf Menschen und ist bedacht, ihnen niedere Motive unterzuschieben. Und so ist auch die Verleumdung die Projektion des eigenen Wesens.

Verleumdungen sind eine Form psychologischer Kriegsführung. Wenn wir nur selektiv betrachten, uns nur das heraussuchen, „was passt“, verlernen wir zu verstehen und zu differenzieren. Dann sind wir auf dem besten Wege zur Verleumdung. Wer außerdem immerfort darauf aus ist, „rote Linien“ zu ziehen, wird rasch auch zum Mittel der Verleumdung greifen.


Der Verleumder zeigt ständig auf „rote Linien“, weil ihre Erreichung sein Ziel – und damit der selbst legitimierte Vorwand zum Handeln ist.


Die Betrachtung deutscher Politik ist das beste Beispiel. Allein die jahrelang ausgebrachten Verleumdungen gegenüber Syrien sind Beispiel genug. Wie kritisch ich die Politik der Regierung unseres Landes sehe, ist dem Leser dieses Blogs bekannt.  Wer aber – exemplarisch genannt – vom „Merkel-Regime“ oder von „das Merkel“ spricht, nutzt genau die Werkzeuge, deren zu kritisierende Verwendung er bei seinen Gegnern richtig erkannt hat. Wer Spitzenpolitikern prinzipiell systematisch niedere Beweggründe unterstellt, verleumdet.


Verleumder – egal auf welcher Seite sie auch stehen mögen – ändern nichts, aber auch gar nichts zum Guten.


Er entmenscht, um auf andere Kosten aufzusteigen und die eigene Machtlosigkeit mit emotional aufgeladenen Aktionismus zu besänftigen. Auf diese Weise benutzt man also die leicht vom Mund gehende Abwertung zur eigenen Aufwertung, um sich aus der Rolle, die man doch selbst im hart kritisierten System ausfüllt, davon zu stehlen.

Da somit der Krieg um das „alternativlos Gute“ keinesfalls nur von den Trägern im oberen Bereich der Herrschaftspyramide ausgeht, würde durch deren (personellen) Austausch mit Sicherheit auch nicht dieser – nämlich ideologische – Krieg beendet werden. Denn die Pyramide stellt sich als Verhaltensmuster (Matrix) in jedem Individuum auf und verleitet es dazu, seine ganz eigene Sicht der Welt, als DIE Sicht der Welt anzusehen und entsprechende Abweichungen zu bekämpfen.

In der Überhebung der selbst vertretenen (aber nicht wirklich ureigenen) Ideologie darf dann jedes Mittel recht sein. Das dies auch innerhalb der Friedensbewegung und im Besonderen innerhalb der sogenannten Linken grassiert, möchte ich ausdrücklich betonen. Ein Blick in diverse Foren, Blogs, Online-Plattformen macht das schnell deutlich.

Die Verleumdung ist banal und geht leichter, als wir es uns das zugeben mögen, über die Zunge. Wenn im Alltag über andere Menschen „getratscht“, sich „das Maul zerrissen wird“, dann kommt sie zum Vorschein, die ganz gewöhnliche Verleumdung. Dann sind andere Menschen Opfer unserer leicht daher geredeten Abwertung und wir selbst werden zum Opfer unserer Profilierungssucht. Wenn wir uns bei so etwas erwischen – und ich rede aus eigener Erfahrung – haben wir die Möglichkeit, innezuhalten. Fast automatisch kommen wir danach in die Lage, uns aus unserem geistigem Käfig heraus zu bewegen und anderen Menschen zuzuwenden.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkungen

(Allgemein) Dieser Artikel ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Danke auch an Kritisches Netzwerk für die Veröffentlichung und Anreicherung des Artikels auf seiner Online-Plattform.

Quellen

(1) 12.7.2018; https://www.duden.de/rechtschreibung/Verleumdung

(2) 12.7.2018; https://dejure.org/gesetze/StGB/187.html

(Titelbild) Gespenster; Autor: Alexas_Fotos (Pixabay); Erstellt: 18.10.2016; Quelle: https://pixabay.com/de/halloween-geister-1746354/; Lizenz: CC0 Creative Commons

 

8 Kommentare

  1. Meiner Erfahrung nach sind die größten Verleumder auch gleichzeitig die größten Opfer und auffäligsten Zombies im System der Matrix.
    Sie sind so sehr daran Berauscht „jemand zu sein“ dass auch der kleinste ihnen von den Machthabern, den Medien und ihrem ekelhaften und krankhaft egoististischem Inneren, zugeworfene Knochen der Zugehörigkeit zur „Herren.- und Überrasse“ sie über jedes andere Leben auf diesem Planeten stellt und sie damit zu den schärfsten und schlimmsten Waffen gegen eine wahrhaft „humane“ Gesellschaft macht.
    Meine Worte mögen den meisten übertrieben, verletzend und respektlos vorkommen, aber leider sind sie in ihrer Schärfe nicht zu mindern denn sie spiegeln das tägliche Verhalten meiner mich umgebenden möchtegern Herrenrassen- Oberschicht und selbsternannten Spiegel-TAZ- Welt- Die Zeit- Akademiker- Gutmenschen wieder die das Monopol auf das wahre „Verstehen“ und das Lesen „zwischen der Zeilen“ beherrschen und auf die Kommetare von unter- ungebildeten- nicht mehr Mainstream konsumierenden- Verschwörungspraktikanten natürlich nur mit ihren leicht kopfschüttelenden und übermeschlichem Lächeln der Sicherheit besser durch das geschriebene Wort einer fremdgesteuerten Medienhure informiert zu sein, als die realen Erlebnisse einiger ihrer Mitmenschen.
    Nein, ein zurück aus der Zombie- Infektion ist werder möglich, noch jemals nachgewiesen.
    Solange Menschen dem momentanem „Entwicklungsstand“ fröhnen und sich an der Matrix beruaschen, so lange wird die Verleumdung weiterleben und uns in unserer selbsterschafftener Matrix halten.
    LG an alle!

  2. Lieber Ped,

    entschuldige bitte, dass ich Dich falsch verstanden habe. Ich hoffe, dass mein Kommentar zumindest dazu beiträgt. dass andere Lesern Dich nicht in ähnlicher Weise falsch zu verstehen.

    Viele Grüße
    Ruben

  3. Lieber Ped,

    Wenn wir uns bei so etwas erwischen – und ich rede aus eigener Erfahrung – haben wir die Möglichkeit, innezuhalten. Fast automatisch kommen wir danach in die Lage, uns aus unserem geistigem Käfig heraus zu bewegen und anderen Menschen zuzuwenden.

    Ich würde eher von »würdeverletzendem« als von »verleumdendem« Verhalten sprechen. »Verleumden« ist meiner Beobachtung nach nur eine von vielen mögliche Ausprägung, Mitmenschen zum Objekt meiner Selbst zu degradieren.

    Auch mir passiert so etwas immer wieder. Entscheidend finde ich, dass ich es merke und den Anlass nutze, um in mich zu gehen und meine Einstellung zu überdenken. Wenn mir das auch lange nicht immer in Echtzeit gelingt, so doch zumindest später, in einem ruhigen Moment. Dann liegen die Entscheidung und das Handeln zwar schon zurück, aber erstens kann ich versuchen, die Sache noch zu bereinigen und zweitens kann ich wenigstens für das nächste Mal daraus lernen.

    In der Überhebung der selbst vertretenen Ideologie darf dann jedes Mittel recht sein. […] Ein Blick in diverse Foren, Blogs, Online-Plattformen macht das schnell deutlich.

    Mir fällt es zunehmend schwer, Artikel und Kommentare in den Freien Medien zu lesen. Die meisten Beiträge sind aus der Perspektive des moralisch Überlegenen geschrieben. Die Gegenseite wird dämonisiert. Sobald ich diese Attitüde bemerke, breche ich das Lesen ab. Viele Artikel sind es nicht mehr, die ich bis zum Ende lese. Ich weiß, dass es anderen auch so geht.

    Verleumder erzeugen Ängste. Sie pflegen ihre eigenen Feindbilder und kommunizieren sie unentwegt in ihre sozialen Umfelder. Sie grenzen aus. Sie streuen Gerüchte. Sie verbreiten ihre eigenen Vermutungen, damit sie als nagende Zweifel in ihren Opfern Platz finden.

    Einen Kritikpunkt hätte ich dann aber doch an Deinen Überlegungen anzumelden. Und zwar machst Du nach meiner Einschätzung Mitmenschen schon alleine dadurch zum Objekt Deiner Selbst, dass Du von »Verleumdern« sprichst, so als wäre dies eine objektiv feststellbare Charaktereigenschaft, anhand derer Du die Menschen klassifizieren zu können scheinst. Auch erweckt Deine Formulierung den Eindruck, als würdest Du den »Verleumdern« eine böse Absicht, wenn nicht gar eine »Verschwörung« unterstellen. Meiner Meinung nach machst Du dadurch den gleichen Fehler, den Du den Mitmenschen unterstellst, die mit dem Mittel der Verleumdung hantieren. Ich sehe es eher so, dass jeder Mensch die Tendenz zum Verleumden in sich trägt und sich hin und wieder derart würdelos verhält. Das es oft so erscheint, als wäre eine Verschwörung im Gange halte ich für einen systemischen Effekt, der ohne explizite Absprachen auskommen. Ich unterstelle daher weder eine böse Absicht noch gar eine böse Verschwörung. Ich kann berichten, dass es sich mit dieser Einstellung gut lebt.

    Viele Grüße

    Ruben

    1. Lieber Ruben,

      Und zwar machst Du nach meiner Einschätzung Mitmenschen schon alleine dadurch zum Objekt Deiner Selbst, dass Du von »Verleumdern« sprichst, so als wäre dies eine objektiv feststellbare Charaktereigenschaft, anhand derer Du die Menschen klassifizieren zu können scheinst. Auch erweckt Deine Formulierung den Eindruck, als würdest Du den »Verleumdern« eine böse Absicht, wenn nicht gar eine »Verschwörung« unterstellen.

      Das ist von mir keinesfalls beabsichtigt. Ich beschreibe ein Verhaltensmuster (siehe auch Einleitung), das uns allen innewohnt und das ganz sicher keiner gern bei sich so sehen will. Daher spreche ich auch wiederholt im „wir“ und „ich“. Dass man auch gleich einen ganzen Menschen zu Jenem abstempelt und ihn damit abwertet, lese ich auch jetzt nicht aus dem Artikel heraus – eher das (beabsichtigte) Gegenteil. Ich denke doch, deutlich und mehrfach erläutert zu haben, dass wir es hier mit einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen zu tun haben, dass keinesfalls vor (z.B.) Politikern halt macht. Das Gleiche gilt für die herausgelesene „böse Absicht“ oder die „Unterstellung einer Verschwörung“. Sorry, mich irritiert also (erneut) diese, Deine Reflexion, die ich allerdings nicht als „übergriffig“ bezeichne.

      Freundliche Grüße, Ped

  4. Lieber Ped,
    vielen Dank für die aufschlussreichen Zwischentöne. Wieder einmal wurde eine Bildungslücke geschlossen. Danke dafür.
    Herzlichen Gruß,
    Christian

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