Vom Instinkt zum Gewissen

Was gewinnt im Menschen? Seine Instinkte, seine Triebe – oder sein Gewissen?


Der Mensch als biologisches Wesen ist von Instinkten geleitet. So wie er in der Vergangenheit über die darin entwickelten Strategien sein Überleben sicherte, so „funktioniert“ er auch heute in seinem Dasein als soziales Individuum. Wenn er in Notsituationen gerät, gewinnt ein auf tiefem Egoismus basierender Kampf mit den Artgenossen die Oberhand über friedliches gemeinschaftliches Zusammenleben. Deshalb sind Kriege zwischen Gesellschaften unvermeidlich. Die These vom homo sapiens als einem grundsätzlich egoistisch ausgerichteten Wesen ist Basis aller marktwirtschaftlichen, vor allem neoliberalen Gesellschaftsmodelle. Nur: Ist das wirklich so? 


Sind wir als Menschen tatsächlich machtlos gegen unsere unterbewussten über unzählige Generationen verinnerlichten Verhaltensweisen, sind diese per se egoistisch – und wir deshalb zu dauerhaften Frieden gar nicht fähig?

Das Thema inspirierte mich nach einer diesem recht nahe stehenden Diskussion mit Menschen, die mich eh durch ihre Tiefgründigkeit, Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit beeindrucken, mit der sie sich an Aspekte unseres menschlichen Wesens heranwagen. Daher an dieser Stelle mein herzlicher Dank an Demos, Daniel und Nathanael (a1)! Zwei Thesen stellten sie gegenüber, die sich deutlich vom eingangs skizzierten Mantra eines naturbedingt die Gesellschaft dominierenden home oeconomicus abheben und die ich nachfolgend (ganz leicht modifiziert) wiedergebe:

„Unser Verstand ist unser Gesetz“

versus

„Unser Gewissen ist unser Gesetz.“ (1)

Da schwingen hohe ethische Normen mit. Die äußerst interessante, dazu stattgefundene Diskussion (2) ist nicht Thema des Artikels. Was mich aber bei der Auseinandersetzung umtrieb, waren die Begrifflichkeiten: 

Verstand, Gesetz, Gewissen.

Wissen wir, was sie bedeuten und wenden sie an der richtigen Stelle an? Welche der in diesem Kontext oben genannten Thesen ist gültig? Haben vielleicht beide ihre Richtigkeit oder sind sie vielmehr Baustein für eine andere These, die es noch auszuformulieren gilt? Tauchen wir deshalb im Folgenden auf (so hoffe ich) allgemein verständliche Weise ein in die menschliche Psyche und suchen über diesen Weg nach einer schlüssigen Antwort.

Keine Frage, wir sind biologische Wesen und unsere Sinne, die auf Wahrnehmung (Sinneseindrücke) unbewusst, affektiv und damit sehr effektiv reagieren, haben eine im Sinne des Überlebens überragende Bedeutung. Und als Überlebenswerkzeuge werden sie selbstredend auch in jeder Situation angewandt, in der das Überleben (das muss nicht immer nur das eigene Überleben sein) gefährdet ist.

Aber haben wir nicht auch ein Bewusstsein? Wo ist eigentlich die Grenze zwischen Bewusstem und Unterbewusstem? Kann es sein, dass wir oft meinen, bewusst zu handeln, wir aber viel mehr vom Unterbewussten gesteuert werden? Gerade die letzte Frage ist von Bedeutung. Müssen wir uns doch im Klaren sein, das gewaltsame geistige Manipulation – dazu zählt Propaganda und Werbung – eben genau auf dieser unterbewussten Ebene stattfindet; wir aber, so geleitet, oft überzeugt sind, rationale Entscheidungen zu treffen.

Das wollen wir zuerst untersuchen und dabei einmal betrachten, wie wir überhaupt Informationen aufnehmen und verarbeiten.

Die menschliche Verarbeitungskette

Schauen wir uns das Muster unserer Informationsverarbeitung und dem daraus resultierenden Tun näher an, kommen wir um die Betrachtung einiger psychologischer Begriffe nicht herum. Diese Begriffe erläutere ich im Folgenden in einer gewissen logischen Reihenfolge, ohne diese als ehern betrachtet zu wissen.

  • Reiz
  • Wahrnehmung, Instinkt, Sinne
  • Emotion (Instinkte, Gewissen)
  • Verstand (Gewissen)
  • Vernunft (Gesetz)

Das Gewissen ist in dieser modellhaften Darstellung zweimal aufgeführt, denn in mir lebt die Frage, was denn unser Gewissen tatsächlich bestimmt. Das ist das Problem jeder modellhaften Abstraktion, nämlich, dass das, was ineinander verwoben ist und verschwimmt, mehr oder willkürlich voneinander abzugrenzen ist, um den betrachteten Aspekt besser verstehen und erklären zu können. Auf jeden Fall „beißt“ sich der (tierische) Instinkt mit dem (menschlichen) Gewissen, so wie sie da nebeneinander der Emotion zugeordnet sind. 

Reiz und Wahrnehmung

Ein Reiz (auch Stimulus) ist die wahrgenommene Aktivität von Objekten der Umwelt, aber auch unseres Ichs durch unsere Sinne. Die Entwicklung unserer Sinnesorgane mit ihren spezialisierten Fähigkeiten (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) ist ein seit Jahrmillionen andauernder genetischer Prozess.  Naturgemäß sind uns bei der Wahrnehmung der Welt Grenzen gesetzt. Einmal quantitativ, weil unsere Sinne eine begrenzte Sensibilität besitzen, womit sie durch einen Ereignishorizont limitiert werden und natürlich auch qualitativ, denn unsere Sinne sind auf die Wahrnehmung ganz bestimmter Aktivitäten spezialisiert (eben Sehen, Hören und so weiter).

„Wahrnehmung ist das Produkt zweier nacheinander ablaufender Prozesse, dem Prozess der Informationsaufnahme und dem Prozess der Informationsverarbeitung.“ (3)

Wahrnehmung (Reiz) geschieht unbewusst und seine Ausprägung ist bei jedem Menschen einzigartig. In dieser Diversität (Vielfalt) liegt sicher auch einer der Gründe, warum wir Menschen in uns vielfältige Talente in ganz bestimmte Richtungen entwickeln. Weil wir Wahrnehmung nicht ausschalten können, landet jeder Reiz in der – ich nenne sie mal so – Halle des Unterbewussten. Und dort warten die Emotionen.

Emotionen

„Emotionen sind komplexe, in weiten Teilen genetisch präformierte Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben, um bestimmte Anpassungsprobleme zu lösen und dem Individuum ein schnelles und der Situation adäquates Handeln zu ermöglichen.“ (4)

Emotionen „warten“ also in der Halle des Unterbewussten, mal eher dämmernd, mal voller Erwartung, und „bewerten“ die eingegangenen Informationen (die über die Sinne wahr genommenen Reize). Informationen, welche zu einer Emotion „passen“ (wie eine Art Schlüssel), regen diese Emotion an. Das Stirnhirn (präfrontaler Cortex) integriert die aus der Halle des Unterbewussten rufenden Emotionen und kann sie in bestimmtem Maße auch kontrollieren. Emotionen sind Empfindungen die man weit nuancieren kann; Trauer und Freude, Wut und Angst, Verwunderung und Überraschung, Lust und Abneigung sind nur einige Beispiele für Emotionen.

Unsere Emotionen bilden ein lernendes System, sie schulen unsere Instinkte. Mehr noch aber sind sie hoch sensibel. Sie sind empfänglich für Reize. Ja, diese Empfänglichkeit kann sich gar bis zur Gier steigern und daher möchte ich auf etwas aufmerksam machen:


Emotionen, die übermäßig oft angeregt werden, erliegen einer Konditionierung und sind dann dauerhaft hellwach. Das kann unter Umständen für einen Menschen auch gefährlich werden, weil es das System überlastet und dauerhaften Stress auslöst. Diese Art von Stress aber kann zu psychischer Erschöpfung führen, zu Verhaltensstörungen, welche nicht selten die tiefe Ursache anderer Krankheiten sind.


Wir können Emotionen nicht wirklich unterdrücken, allenfalls verbergen. Und ich meine schon, dass unsere Emotionen heutzutage in völlig unnatürlicher Weise angeregt werden, wir viel zu oft und zu lange in Stress sind, weil wir uns ständig entsprechenden Triggern aussetzen.


Nehmen wir (und ich schaue auf unsere Gesellschaft hier) die überlebenswichtigen Dinge heraus, wage ich zu behaupten, dass mindestens 80 Prozent unserer Kaufentscheidungen, nicht nur rein emotional angelegte Entscheidungen sind (denn das sind sie immer), sondern von Dritten bewusst mit Vorsatz erzeugte Emotionen. Und auf die gleiche Weise wird die (emotionale) Kriegsbereitschaft im Menschen hergestellt, mittels ganz bestimmter Reize.


Aber dazu weiter unten mehr. Übrigens können wir unsere Emotionen verstehen und aus ihnen lernen. Und wir haben ja den Verstand, inwieweit bringt der uns weiter?

Verstand

„Verstand ist das Substantiv zu „verstehen“ von althochdeutsch „farstān“ mit der ursprünglichen Bedeutung „davor stehen“ (wodurch man z. B. eine Sache genau wahrnehmen kann), was von Anfang an im übertragenen Sinn („begreifen“, „durchschauen“) verwendet wurde. “ (5)

Das „Ver“ kommt in diesem Zusammenhang also aus dem Altdeutschen „far“ wie „davor“. Der Verstand ist mit der Genese des Tieres Mensch gewachsen und wird durch die Kette (sehr vereinfacht) Wahrnehmung – Emotion – Präfrontaler Cortex angeregt. Der Verstand ist eine jedem Menschen innewohnende Fähigkeit, allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Verstand lernt durch Erfahrung, wobei auch die Lernfähigkeit stark zwischen den Individuen divergiert und durch vielfältige Komponenten beeinflussbar ist.

Vernunft

„Vernunft ist das geistige Vermögen des Menschen, Einsichten zu gewinnen, Zusammenhänge zu erkennen, etwas zu überschauen, sich ein Urteil zu bilden und sich in seinem Handeln danach zu richten.“ (6)

Ohne Vernunft hängt der Verstand in der Luft. Erst die Vernunft erlaubt kreatives Handeln, sie schließt kognitives Denken ein, kann verschiedene Sichten und Handlungsebenen überschauen und in einen gemeinsamen Kontext bringen. Handlungen beruhen allgemein auf Erkenntnissen (Erfahrungen) und sind das Ergebnis des Zusammenspiels von Verstand und Vernunft. Und wir sind an einem sehr wichtigen Punkt angelangt, an dem wir Eines erkennen können:


All das bisher Beschriebene ist absolut lebensnotwendig und „funktioniert“ auch ohne Gewissen. Die enthaltenen Verhaltensmuster sind unbewusst – und das ist gut so. Sie sind das Ergebnis unzähliger Generationen menschlicher Geschichte und der seiner Vorfahren.


Die reine Vernunft

Bei dieser (Teil-)Überschrift ist der gedankliche Weg zur „Kritik der reinen Vernunft“ des Philosophen Immanuel Kant nicht weit. Dort schrieb er: 

„Jede Erkenntnis besteht aus Sinnlichkeit und Verstand, denn die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen, und der Verstand ist auf unsere fünf Sinne angewiesen. Daher: Gedanken ohne Inhalt sind leer. Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ (7)

Meine Erkenntnis, die ich nicht aus dem Studium des Kantschen Werkes gewann, deckt sich mit der seinen Zitierten. Bemerkenswert finde ich aber eben den Ausdruck „reine Vernunft“. Vermittelt er uns doch indirekt, dass es auch eine „angereicherte Vernunft“ gibt. Eine Vernunft mit Seele. Gar einer mit Gewissen?

Die reine Vernunft scheint mir nicht ausreichend zu sein, um als menschliches Wesen beispielsweise tiefes anhaltendes Glück zu empfinden. Menschen, die aus was für Gründen auch immer, in der reinen Vernunft verharren, erscheinen mir arm. Weil sie das beschriebene Gefühl nicht empfinden können. Ihre Empfindungen sind verkrüppelt und damit komme ich zu Psychopathen.

Psychopathen und die reine Vernunft

Gerade Psychopathen agieren prinzipiell  pragmatisch, konsequent oder kompromisslos. Sie handeln extrem rational – vernünftig. So gesehen, wird der Begriff „Vernunft“ oft – da sehr positiv konnotiert und mit ethischen Werten verknüpft – an den falschen Stellen genutzt. Zum Beispiel hat die Redewendung: „Die Vernunft sollte die Oberhand gewinnen.“ natürlich einen anderen ethischen Ansatz, als im Sinne des Satzes tatsächlich ausgedrückt wird.


Es bedeutet nämlich, dass, im Kontext planvollen Handelns, die Vernunft die Oberhand gewinnen soll – über das Gewissen!


Nur, ist das bislang erläuterte Prinzip von Informationsaufnahme, Verarbeitung, Erkenntnis und vernünftigen Handelns nicht eigentlich ein sehr gut funktionierendes, man möchte meinen perfektes System?

An diesem Punkt bestätigt sich für mich das Bild einer in hohem Maße pathologisch (im Sinne von Psychopathen) gesteuerten Gesellschaft, der auch wir angehören.

Dafür genügt es, die Ideologien zu untersuchen, auf die sich beispielsweise der Neoliberalismus stützt. Sie gehen in ihren Schlussfolgerungen immer nur bis zur Kategorie „Vernunft“ – und blenden das, was eben auch noch dem Menschen eigen ist (siehe weiter unten), einfach aus. Nun, für den Psychopathen ist demnach ein solches System tatsächlich perfekt!

Und dafür ist er nicht zu verurteilen, denn es kann für ihn nicht anders sein. Er hat ein Manko, ein Defizit, dass er (nach jetzigen wissenschaftlichen Erkenntnissen) nicht beheben kann. Er ist also nicht schuld daran – auch wenn er über dieses Defizit gerade die Schuldgefühle anderer Menschen für sich nutzt, um Machtgefühle auszuleben. Aber was fehlt ihm denn und warum ist es so wichtig, zu diesem Fehlenden befähigt zu sein?

Der Psychopath ist nicht in der Lage, die Folgen seines eigenen Denkens (Verstand plus Vernunft) und Handelns selbstkritisch zu hinterfragen (zu reflektieren). Er ist damit unfähig, eigene Fehler zu erkennen – anzuerkennen. Es fehlt die kritische Rückkopplung, um eigene vernünftige Handlungen anzupassen. Für überlebenswichtige, affektive Handlungen eines biologischen Systems (was der Mensch ja auch darstellt) mag das gut sein, für ein kooperatives gemeinsames Handeln mit anderen Menschen dagegen ist es fatal.

Selbstreflexion – Empathie – Gewissen

Das „Gewissen“ ist kaum zu erklären, ohne sich zuvor mit Selbstreflexion und Empathie beschäftigt zu haben:

„Selbstreflexion bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, über die eigene Situation nachzudenken. Reflexionen von äußeren oder inneren Beobachtungen können als Chancen zum Erkennen von Problemen und Ansatzpunkten für Veränderungen angesehen werden. Selbstreflexion setzt das Vermögen zur differenzierten Selbstbeobachtung und eine gewisse Distanz zu sich selbst voraus.“ (8)

Selbstreflexion hängt eng mit Empathie (Selbstempathie) zusammen und beschreibt die Fähigkeit, zu seinen Gefühlen, zu seinem tiefsten Innern zu stehen, OHNE dabei seine Persönlichkeit bedroht zu fühlen. Damit ist ein gewissermaßen objektiver Blick von außen auf das eigene Ich möglich. Die mögliche Kritik an sich selbst führt nicht zum Konflikt mit der eigenen Persönlichkeit. Man kann auch sagen, Selbstreflexion ist der Mut in den anderen hineinzuschauen und dabei Wesensmerkmale des eigenen Ichs zu erkennen und Empathie ist die Kraft, das, was man dort erkennt, wahrzunehmen UND auszuhalten.

Wir sind der Selbstreflexion, die zum Beispiel ein grenzenlos egoistisches Verhalten verhindert, allesamt (bis auf oben beschriebene Ausnahme) fähig. Selbstreflexion ist beim Menschen völlig normal. Aber sie kann blockiert werden. Propaganda, einschließlich Werbung, verhindert wirkungsvoll Selbstreflexion. Die uns innewohnende Selbstreflexion erlaubt uns Empathie – womit wir eben keine Humanroboter sind, die in dem einen System so funktionieren und in dem anderen wiederum anders, halt nach angewandtem System.

Diese Systemsteuerung wurde und wird aber mit großem Nachdruck versucht, in gesellschaftlichen Projekten einzuführen – und das in großen Teilen erfolgreich. Es lohnt sich hierzu die Geschichte der RAND-Corporation und die von John Nash zu erforschen. In deren Projekten wurde und wird der Mensch rein auf seine Instinkte reduziert – und diese Reduzierung wird versucht, am Menschen selbst umzusetzen!

Die Empathie ist jedoch das, was unser alltägliches Zusammenleben über unsere unbewussten genetisch vererbten und weiterentwickelten Überlebensmechanismen hinaus tatsächlich ausmacht. Mehr noch ist sie eine Weiterentwicklung dieser Mechanismen. Kooperation hat sich als ein universelles Erfolgsmodell bewiesen. Man hat zwei Formen von Empathie erkannt; die kognitive Empathie:

„Von kognitiver Empathie spricht man, wenn man wahrnimmt, was in einem anderen vorgeht, jedoch ohne dabei die emotionale Reaktion seines Gegenübers zu zeigen. Dazu gehört z.B. auch die Anwendung eines Persönlichkeitsmodells. Zur kognitiven Empathie gehören aber auch unbewusste, intuitive Bestandteile, so lange sie auf rationalen Abläufen im Gehirn basieren. Kognitive Empathie bedeutet also, dass man versteht, was in einem anderen vorgeht.“ (9)

und die emotionale Empathie:

„Von emotionaler Empathie spricht man, wenn man die Gefühle eines anderen annimmt – im wahrsten Sinne des Wortes. Man fühlt das, was auch der andere fühlt. Emotionale Empathie ist also dasselbe wie Mitgefühl, Mitleid oder auch die Teilhabe an der Freude anderer. Emotionale Empathie wird oft auch affektive Empathie genannt.“ (10)

Selbstreflexion kann so im Zusammenspiel mit der Empathie auch affektives Verhalten auswerten (sowohl das Eigene als auch das Anderer) und uns befähigen, bis zu einem gewissen Maße besser mit unseren und anderen Gefühlen umzugehen (zum Beispiel um zu verhindern, dass unsere Gefühle andere Menschen verletzen). Wir prägen über diese Fähigkeit zukünftige Entscheidungsprozesse, die dann schließlich von unserem Gewissen hinterfragt werden können.

„Das Gewissen ist eine emotionale Reaktion auf die eigenen Handlungen, Worte und Entscheidungen. Es definiert, ob wir eine Entscheidung für gut oder schlecht befinden, da wir uns auf die eine oder andere Weise damit identifizieren können.“ (11)

Diese Bewertung auf gut und schlecht wird gespeist aus den Erfahrungen unserer Selbstreflexion. Und mit unserem Gewissen ist uns tatsächlich Bewusstsein gegeben, wir sind uns dessen, was wir selbst tun, bewusst. Wir haben den Mut in den Spiegel zu schauen und die Fähigkeit, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

Egotismus

Lässt sich das Gewissen eigentlich abschalten? Ja – und dafür gibt es den Egotismus; aus gutem Grund, denn ohne den Egotismus wären wir schlicht nicht lebensfähig:

„Der Egotismus bezeichnet die übertriebene Neigung eines Menschen, sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Der Egotismus ist im heutigen Sprachgebrauch vor allem mit negativen Konnotationen belegt, denn er beschreibt die Tendenz mancher Menschen, für sich selbst nur positive Eigenschaften in den Vordergrund zu stellen und diese weitschweifig und verstärkt zu beschreiben. Dies kann objektiv aber auch in den Augen anderer zu Selbstüberschätzung und Realitätsverlust führen. In Bezug auf die Umwelt kann sich Egotismus destruktiv auswirken und oft das Gegenteil von dem erreichen, was ursprünglich durch die Selbstdarstellung bezweckt werden sollte. Der Egotismus ist in diesem Sinne nahe verwandt mit dem Narzissmus.“ (12)

Ich wiederhole es – auch wenn die zitierte Definition (wie sie selbst anmerkt) den Begriff negativ konnotiert – dass Egotismus eine wichtige, sinnvolle Funktion für unser Leben hat. Stellen wir uns einfach nur vor, wir würden alles Geschehen um uns herum ununterbrochen reflektieren und mit Empathie verarbeiten. Wir gerieten in einen Konflikt, den wir nicht lösen könnten. Jeder Schmerz, jede Krankheit, Gewalt, empfundenes Unrecht würde uns emotional erschüttern, der Lebensalltag wäre nicht mehr zu bewältigen. Egotismus verhindert das, als natürlicher Schutzmechanismus blockt er unsere Empathie.


Das hat auch im sozialen Umfeld seine Bedeutung, denn in Gemeinschaften können wir nur dann positiv wirken, wenn wir – durch einen gesunden Egoismus (als spezieller Form des Egotismus) – auf unsere Gesundheit und unser eigenes Glück achten.


Ein ganz einfaches, triviales Beispiel dafür ist, es mag überraschend sein – der Schlaf. Unser Schlafbedürfnis ist egoistisch, wir müssen dafür irgendwann die Empathie für unsere Mitmenschen herunterfahren, wir müssen uns in diesem Fall schlicht um uns selbst kümmern. Wir können es eine Zeitlang unterdrücken, wenn wir aber diesem egotistischen Zug dauerhaft widerstehen, werden wir mit Sicherheit krank.

Und wer kennt es nicht? Dass wir nicht schlafen können, wenn uns das Gewissen peinigt.

Es gibt weitere (natürliche) Bedürfnisse, Emotionen unseres Ichs, die grundsätzlich erst einmal egotistisch sind – sein müssen, wie gerade erläutert. Eine besondere Rolle dabei spielen Gier und Angst, die mutwillig getriggert werden können, um die Empathie von Menschen zu unterdrücken und damit den Menschen selbst zu unterdrücken, zu beherrschen – und zwar dauerhaft! Wenn das passiert, werden Menschen folgerichtig auf eine niedrigere Stufe der Evolution zurück geworfen – sie werden gewissenlos!

Der Egotismus wird aber auch deshalb kritisch gesehen, weil man in ihm narzistische Züge erkennt – also eine übersteigerte Selbstliebe (siehe Zitat oben). Allerdings kommt dadurch nur unzureichend zum Ausdruck, dass wir ohne eine tiefe Liebe zu uns selbst, kaum in der Lage sind, auch andere Menschen wahrhaftig zu lieben. Die Liebe macht ihr Objekt wertvoll und behandelt es deshalb mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Ein – ich nennen ihn mal – gesunder Egotismus sorgt dafür, dass wir uns selbst achten und als wertvollen Teil innerhalb sozialer Gemeinschaften empfinden. Der Egotismus erlaubt uns auf diese Weise auch einen Egoismus, der uns innerlich umfänglich berechtigt, zu gegebenen Zeiten unsere eigenen Belange in den Vordergrund zu stellen.

Angst und Gier versus Gewissen

Wer mehr zum Thema Angst wissen möchte, kann auch gern in den Artikel Die Angst und der Krieg schauen, hier deshalb nur kurz:

Angst ist ein völlig normales, ja unbedingt notwendiges emotionales Wesensmerkmal des Menschen; erzeugt durch subjektiv alarmierende, bedrohliche Ereignisse. Für den außen Stehenden können die Bedrohungen real aber auch irreal sein, für den Betroffenen allerdings sind die Bedrohungen immer real. Als lernendes System konditioniert sich der Mensch darauf, Situationen als Gefahren zu erkennen oder nicht; ganz nach dem oben beschriebenen Prozess (Wahrnehmung – Emotion – Verstand – Vernunft).

Unschön ist allerdings in der Regel, dass der Mensch auf Angst auch missbräuchlich konditioniert werden kann. 

Angst erzeugt Stress und setzt einen Mechanismus zur Lebenserhaltung in Gang, dieser Vorgang der eigenen Existenzsicherung muss egotistisch sein und blockiert damit Empathie. Angst ist also – und gut das es so ist – nicht abschaltbar, aber das lässt sich eben auch missbrauchen. Wenn wir Angst haben, sind wir nur noch begrenzt oder gar nicht in der Lage empathisch zu denken und zu handeln.


Angst blockt also auch unser Gewissen, dass ja seine Gabe aus Empathie bezieht. Menschen die Angst haben, schalten in einen Fluchtmodus, Starre oder in einen Kriegsmodus, um der Gefahr zu entgehen, sich unsichtbar zu machen oder aber die Gefahr mit Gewalt zu beseitigen. Fällt uns eigentlich auf, dass in unserer Gesellschaft mit der Erzeugung von Ängsten geradezu inflationär umgegangen wird?


Und Gier? Ich bezeichne sie als übersteigertes Bedürfnis, einen Mangel auszugleichen. Auch ein Mangel ist, wenn dauerhaft auftretend, bedrohlich für unsere Existenz. Deshalb sind wir bestrebt, einen wahrgenommenen Mangel auszugleichen, daher entwickeln wir Bedürfnisse. Wenn ein Mangel wiederholt oder anhaltend auftritt – von uns also so empfunden wird (und jede Emotion ist für den Betroffenen, wie schon bei der Angst erwähnt, real), dann steigert sich das Bedürfnis zum Ausgleich des Mangels hin zur Gier.

Auch die Gier ist also grundsätzlich überhaupt nicht verwerflich, sie sichert unser Überleben – und muss deshalb Empathie blockieren. Wer denkt in Empathie an den Frieden der Welt oder hat in irgendeiner Form Gewissensbisse, wenn ihm kurz vor dem Verdursten ein Becher Wasser gereicht wird?

Aber so wie die Angst lässt sich natürlich auch Gier im Menschen bewusst fördern. Einerseits kann man ihm die lebensnotwendigen Ressourcen entziehen – sprich bewusst Mangel herbeiführen. Hinterhältig ist auch das Schüren eines bislang natürlich vorhandenen Bedürfnisses oder gar das Erzeugen eines neuen Bedürfnisses, welches zuvor gar nicht für den Angegriffenen existierte.

Es lässt sich so weit treiben, dass Menschen pausenlos mit Reizen geflutet werden, um deren Emotionen aus Bedürfnissen und Gier zu stimulieren. So etwas nennt man heutzutage euphemistisch: „Kaufreize schaffen„. Fällt uns eigentlich auf, dass in unserer Gesellschaft mit der Erzeugung von Bedürfnissen und Gier ebenso inflationär umgegangen wird, wie mit dem Schüren von Ängsten? Das ist kein Wunder, denn Gier speist sich aus – per se existenziellen – Ängsten.

Wenn Emotionen wie Angst und Gier pausenlos in den Menschen getriggert werden, wirkt sich das unweigerlich auf ihre Fähigkeiten zu reflektierendem, empathischem Denken und Handeln aus. Sie werden in einer gewissen Weise gewissenlos!

Einen – im Eingangsteil erwähnten – Begriff gilt es noch kurz zu untersuchen, das „Gesetz“

Gesetz

Betrachten wir hier den Begriff nicht im Sinne eines Naturgesetzes oder einer juristischen Verordnung, sondern als universelle Kategorie für menschliches Handeln. In Auswertung der gerade erarbeiteten Erkenntnisse lässt er sich dann in etwa so beschreiben:

Ein Gesetz im Kontext menschlichen Handelns ist eine durch Selbstreflexion und Empathie vom Menschen selbst entwickelte Richtschnur für eigenes Denken und Handeln sowohl in seinem unterbewussten Wirken als menschliches Wesen, als auch im planvollem Wirken in Rücksicht und Gemeinschaft mit anderen Menschen.

Und daher schlussfolgere ich in Bezug auf eingangs erwähnte Thesen (meiner Freunde) und sage:

Unsere Vernunft ist unser Gesetz und(!) unser Gewissen ist unser Gesetz.

Denn:

„… der Verstand [und weitergehend die Vernunft] veranlasst die wohl notwendigen Handlungen, wo das Gewissen selbst in Konflikt mit den Gefühlen [dem Gewissen] gerät.“ (13)

Wir sind einer höheren Vernunft fähig, einer die das Gewissen einbezieht, müssen aber auch anerkennen, dass nicht alle vernünftigen Entscheidungen im Leben empathisch und selbstreflektiert sein können.

Vernunft – Mit und ohne Gewissen

Vernünftiges Handeln kann also ohne Gewissen stattfinden. Affektives und instinktives Handeln ist demnach als vernünftiges Handeln zu bewerten. Und es geschieht natürlich auch über den „Umweg“ des Gewissens. Zwingend erforderlich dafür ist dann aber Empathie und Selbstreflexion.

Es ist eben so, dass sowohl das Unterbewusste unseres Ichs als auch das Bewusste lernende Systeme sind, die in komplexer Weise voneinander abhängen. Lernen aber können sie nur durch die Verarbeitung der damit verbundenen Erfahrungen und gemachten Fehler. Im Einzelfall kann das bitter sein, allgemein jedoch brauchen wir es jedoch überhaupt nicht bedauern, denn diese Erfahrungen müssen gemacht werden, um reifer und reicher zu werden.

Daher schützt uns auch unser Gewissen nicht vor Fehlentscheidungen, im Gegenteil sind gerade gemachte und (!) erkannte Fehler Antrieb für Veränderung, für Lernprozesse. Vernunft, die zusätzlich durch Selbstreflexion gespeist wurde, sehe ich als eine höhere Vernunft. Und eines benötigt gerade höhere Vernunft neben der Empathie: Wissen – Wissen über die Welt, andere Menschen und uns selbst. Dieses Wissen kann uns auch davor schützen, dass unsere Empathie, unsere Selbstreflexion durch pathologische Handlungen (psychopathische Manipulation) missbraucht wird.

Die Frage, ob wir nach dem Prinzip des homo oecononicus „funktionieren“ und nur das passende System dafür zu entwickeln ist, das war ja die Ursprungsfrage. Sie hat der „Gottvater“ der Marktwirtschaft, Adam Smith so beantwortet:

„Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen Vorteil trachten.“ (14)

Bedenken wir: In dieser Aussage bildet sich vollständig das Paradigma unserer heutigen gesellschaftlichen Leitkultur ab. Und, hatte er recht? Handeln wir Menschen im Prinzip ohne Gewissen? Diese Frage muss nicht für die Menschheit gestellt werden. Denn, was Adam Smith nicht bewusst war: Auch er projizierte mit dieser Aussage vor allem sein eigenes Wesen und meinte aber, es auf die Menschheit verallgemeinern zu können.

Smith war Ökonom. Es liegt mir fern, hier das Feindbild des Ökonomen zu postulieren, doch die Denkweise der Ökonomie, so wie sie seit Jahrhunderten den Kapitalismus durchorganisiert, betrachte ich äußerst kritisch. Schließlich steckt in ihr ein gehöriges Maß pathologischen Denkens. Der renommierte BBC-Filmregisseur Adam Curtis sagte dazu:

„Das, was Adam Smith die ´unsichtbare Hand´nannte, ist unsichtbar, weil sie tatsächlich gar nicht da ist. Und Politiker haben eine starke Rolle darin zu spielen, die Märkte zu kontrollieren. Und eine neue Disziplin, genannt ‚Verhaltensökonomie‘ (‚behavioral economics‘) ist dabei, zu studieren, ob Menschen sich wirklich so benehmen, wie das vereinfachte Modell sagt, dass sie es tun. Deren Studien besagen, dass sich tatsächlich nur zwei gesellschaftliche Gruppen in allen experimentellen Situationen rational und selbstsüchtig verhalten: Die einen sind die Ökonomen selbst. Die anderen sind Psychopathen.“ (15)

(Fast) jeder kann die Frage, ob sein Handeln grundsätzlich von Empathie (Gewissen) oder von Selbstsucht geprägt ist, an sich selbst stellen – und dann auch beantworten. Damit ist möglicherweise auch klar, dass es ganz und gar nicht klar ist, von was wir uns treiben lassen – unseren Instinkten oder unserem Gewissen.

Übertragen wir das zweite auf den Mut, zu unseren eigenen Gefühlen zu stehen, auf unser Herz zu hören, verwandelt sich das „verkopfte“ Gewissen in ein wärmendes einigendes Gefühl. Das dürfen wir gern öfter in uns zulassen – mit dem wunderbaren Nebeneffekt, auch andere Menschen herzerwärmend zu bereichern. Wenn wir nun noch begreifen, dass unser Herz Teil unseres Unterbewussten ist und quasi einen Teil des Gewissens darstellt, zerfällt das Bild eines von Natur aus vorrangig egoistischen Wesens namens Mensch endgültig.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkungen

(a1) Die drei von mir erwähnten Menschen waren oder sind Teilnehmer der Mahnwache für Frieden Dresden; einem Forum, dass nicht nur für Themen dieser Art bis heute jederzeit offen ist.

(Allgemein)

Der Text ist die umfangreiche Überarbeitung eines Artikels aus dem Jahr 2016, der unter dem Titel Der Mensch – zwischen Instinkt und Gewissen hier auf dem Blog erschien.

Dieser Artikel ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

Quellen

(1,2,13) Unser Verstand ist unser Gesetz; Diskussion im Forum der Mahnwache für Frieden Dresden; 10-2015; http://friede-dresden.xobor.de/t124f14-Unser-Verstand-ist-unser-Gesetz-versus-unser-Gewissen-ist-unser-Gesetz.html

(3) Wahrnehmung; Stangl, W. (2012); Lexikon für Psychologie und Pädagogik; http://lexikon.stangl.eu/autor/  © Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik; http://lexikon.stangl.eu/4674/wahrnehmung

(4) Die menschlichen Emotionen; Werner Stangl; Werner Stangls Arbeitsblätter 2016; Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/

(5) Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache; Friedrich Kluge

(6) Vernunft; Der Duden, Online-Ausgabe; http://www.duden.de/rechtschreibung/Vernunft

(7) 1781; Immanuel Kant; Kritik der reinen Vernunft; Riga; http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/kant_rvernunft_1781; entnommen aus: 11.1.2016; https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/kant-fuer-anfaenger/kritik-der-reinen-vernunft/kant-kritik-03-verstand-sinne100.html

(8) Selbstreflexion; Stangl, W. (2012); Lexikon für Psychologie und Pädagogik; http://lexikon.stangl.eu/autor/  © Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik; http://lexikon.stangl.eu/7084/selbstreflexion

(9,10) 26.5.2018; http://www.empathie-lernen.de/empathie-definition

(11) 26.5.2018;  20www.psychologie-studieren.de/glossar/gewissen/

(12) Egotismus;Stangl, W. (2012); Lexikon für Psychologie und Pädagogik; http://lexikon.stangl.eu/autor/  © Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik; http://lexikon.stangl.eu/10356/egotismus/

(14) Adam Smith; An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (1776), The Wealth of Nations, Book I; http://gutezitate.com/zitat/135234

(15) Artikel zu Teil II der BBC-Filmreihe “The Trap – What happened to our Dream of Freedom” (“Die Falle – Was mit unserem Traum von Freiheit geschah”) von Adam Curtis: „The Lonely Robot“ („Der einsame Roboter“); Übersetzung des Skripts bei: https://www.radio-utopie.de/2012/10/29/bbc-filmreihe-the-trap-ii-der-einsame-roboter-der-genetisch-programmierte-homo-oeconomicus/

(Titelbild) 26.7.2013; Autor: geralt (Pixabay); Quelle: https://pixabay.com/de/person-mann-augen-sehen-kreise-141364/; Lizenz: CC0 Creative Commons

11 Kommentare

  1. Hallo Herr Frey,
    Vielen Dank für den inspirierenden Text.
    In der Literaturliste vermisse ich folgenden Titel:
    Robert Sapolsky, Gewalt und Mitgefühl, Die Biologie des menschlichen Verhaltens, Carl Hanser Verlag, München 2017
    Mich hat dieses Buch auf den aktuellen Wissenstand katapultiert (bin ein älteres Semester), dabei sehr hilfreich war, http://www.gehirnlernen.de, sonst ist die 1000-Seitenkost eher schwer verdaulich. Aber das Studieren lohnt sich.
    Adam Smith kommt in Ihrem Text nach meiner Einschätzung etwas zu schlecht weg, er war übrigens Moralphilosoph. Die Literaturstelle dazu, gutezitate.de, zeigt ja schon woran das liegen könnte.
    Wünsche weiterhin erfolgreiche Friedensarbeit,
    Herzliche Grüße Georg

  2. Hallo Ped,
    Deine Artikel sind der Hammer und das schöne ist, dass ich meist vorher in meinen eigenen Gedanken, genau die Gedanken habe, die Du dann wenig später in solche Artikel packst und mir somit zeigst, dass ich nicht alleine bin damit. Es ist so verdammt spannend sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und die Menschen um einen herum als Spiegel wahrzunehmen.
    Ich selbst baue gerade mein komplettes Inneres Denken um, was man mir (auf die unterschiedlichste Art und Weise) anerzogen hat und es macht Spaß zu merken, wie das eigene Herz immer wärmer wird. Klar, das ist keine leichte Sache und es tut in einem selbst auch oft genug verdammt weh, wenn man merkt wie man in der Vergangenheit nach außen gewirkt hat, obwohl man dachte, das ist genau richtig so.
    Und genau an der Stelle habe ich auch schon einen Ansatzpunkt. Damit man sich selbst nicht in Frage stellt, sollte man sehr auf seine Wortwahl und deren Bedeutung achten. Du hast da ja auch schon einiges dazu in einem anderen Artikel geschrieben, was ich super fand. Hier im Text fand ich folgende Stelle:

    „Daher schützt uns auch unser Gewissen nicht vor Fehlentscheidungen, im Gegenteil sind gerade gemachte und (!) erkannte Fehler Antrieb für Veränderung, für Lernprozesse.“

    Ich bin für mich an einer Stelle, an der ich mir sage, Menschen machen keine Fehler. Sie machen Erfahrungen. Ob sie dann daraus lernen oder Veränderungen herbeiführen, ist dann wieder eine andere Sache. Aber da wir nur die Vergangenheit kennen, können wir für die Zukunft gar nicht sagen, was richtig oder falsch ist. Deshalb versuche ich auf die Begriffe in Bezug auf menschliches Verhalten zu verzichten, denn meiner Meinung nach gehört es eben nicht dahin und genau das beschreibst Du ja in diesem Artikel hier sehr gut. Der Mensch kann nichts für seine Emotionen und Gefühle etc., aber er kann lernen damit umzugehen und sie zu kontrollieren. Aber dazu brauch es eben auch „falsch“ (um nochmal die Begriffe zu verwenden – ausnahmsweise), um „richtig“ erkennen zu können. Das heißt – wenn man es mathematisch betrachtet – es kürzt sich raus.
    „Ich habe nichts falsch gemacht, ich habe eine Erfahrung gemacht, aus der ich nun meine Schlüsse ziehe(n sollte).“ So sehe ich es und versuche das in meinem Freundeskreis anzubringen und einige sind mittlerweile schon recht nah bei mir, weil sie merken (wenn man im menschlichen Bereich auf richtig und falsch verzichtet), dass man innerlich „leichter“ wird.

    Mittlerweile glaube ich auch, dass unsere Wortwahl nach außen zeigt, was für ein Mensch wir sind. Das Wort kann schon Propaganda sein, je nachdem wie man es einsetzt. Deshalb bin ich sehr dafür ganz genau seine eigene Wortwahl in verschiedensten Situationen zu beobachten. Ich hatte da glaub ich schon mal was geschrieben bzgl. dem bekannten Satzanfang „Das Problem ist,…“. Meine Freunde und Bekannten versuchen immer mehr nicht mehr das Wort „Problem“ zu verwenden und ich merke, wie sich innerlich verändern und immer mehr auf ihre Sprache und Wortwahl zu achten. Ich bin mir sicher, dass man schon allein mit solch einfachen Maßnahmen Zugang zu sich selbst bekommt – also für Menschen, die damit vielleicht Schwierigkeiten haben.

    Was sagst Du dazu? Was haben die anderen Kommentatoren hier für eine Meinung? Würde mich mal interessieren. 🙂

    So long… Schönen Tag noch!
    Felix in the Sky

    1. Der Mensch kann nichts für seine Emotionen und Gefühle etc., aber er kann lernen damit umzugehen und sie zu kontrollieren.

      Einmal beobachten:
      SEINE Emotionen – sind es wirklich die des Menschen (wer, welche Instanz ist das: MENSCH?), könnten Emotionen nicht auch eigenständige Entitäten sein, die sich in der Konfiguration Mensch „aufhalten“?

      ER kann lernen – wieder Frage: wer ist ER ?

      Kontrolle, Umgang … WER ist der Beobachter ?

      Bin ICH der Zuschauer, der auf die Bühne schaut und das „Stück“ dort ist „mein Mensch“?
      „Mein“ Denken, Fühlen, Wollen sind darin Hauptakteure, die auf der Bühne (des Lebens) eine Geschichte malen, welche ICH WAHRnehmen und auch empathisch mitgestalten kann?

      Die Wortwahl wird gelenkt durch den Begriff. Begriffe sind das Gewebe (TEXT – als Zusammenhang).
      Wenn ich ICH bin, bin ich im bin und das Gewebe ist Teil des Ganzen (das Profane oder Periphere Bewußtsein nähert sich dem Innen und damit dem Außen (Spiegelung, hermetisches Prinzip).
      Meine Wörter erhalten durch das Gewebe die Bedeutung (Begriff ist Bedeutung).

      In der Verstandesidentifikation wird die Beziehung von Wort und Begriff nicht bewußt, sondern mechanisch angewandt (Schubladismus), so als hätte dieses Wort nur den einen Begriff und der eine Begriff nur dieses Wort – bestimmt durch „meine“ einmal gelernte (von anderen eingeflößte ?!) Verknüpfung. Dies führt zu Krieg unter den Menschen, wegen Verlust des „geist’gen Bands“ durch das das Gemeinsame erlebt werden könnte. Allen Ichen gemeinsam ist das Ich bin – das Sein jeden Tropfens ist Teil des Seins.

      1. Das Wichtige wie Schöne ist: es ist Ihre ganz einzigartige Sicht.
        Und ich suche darin das Wertvolle, das sich mit der meinigen vereint oder sie bereichert.

        Herzliche Grüße an Sie und Felix von mir und meinem Beobachter (also auch mir) 😉

      2. Ja, danke, da kommt schon einiges zusammen – der Mensch, das multidimensionale Wesen 🙂

  3. Ein wirklich herausvordernder Artikel den ich nicht unkommentiert lassen kann oder darf ;-).
    Hier ein kleiner Einblick wie ich bisher die Menschen erfasst, kennengelernt und verarbeitet habe.
    1. Unser Gewissen ist Opfer unseres Verstandes da unser Verstand zwar von Äußerlichkeiten beeinflusst wird aber das Tor zum Inneren darstellt und somit der wichtigste Punkt ist an dem Manipulation greift.
    2. Nicht unser Verstand unterscheidet uns von den Tieren sondern unsere Empathie, auch wenn das Aus.- und Erleben dieser Empathie anscheinend nur bei ca. unter 1% der weltweiten Bevölkerung stattfindet.
    3. Die Wahrnehmung der uns umgebenden Realität ist für die aller meisten Menschen nur so weit gewollt und möglich, wie es ihrem individuellem „Glauben“ an die Realität entspricht und für sie nur die „guten“ Emotionen erzeugt, ganz unabhängig dessen was in der Realität wirklich geschehen ist und welche Botschaft diese Realität eigentlich mitbringt. Ein sehr zeitgemäßes Beispiel ist die makabre Illusion und der feste Glaube daran dass Kriege und Bomben nicht das Grauen bringen welches die Realität uns vermittelt sondern Freiheit, Frieden und natürlich die Illusion der Illusionen: Demokratie. Von dem noch daraus resultierenden Irrglauben das wir die die aller besten Gutmenschen auf diesem Planeten sind die auch das Recht und teilweise die Verpflichtung haben darüber zu entscheiden wie und ob andere Mitmenschen leben zu haben möchte ich hier nicht anfangen da jeder mit etwas Selbstreflexion sich dieses schauderhafte „Selbstbildnis“ der Menschen selbst vor Augen führen kann.
    4. Emotionen sind innerer Führer, großer Teil des Sinnes des Lebens und Droge Nr. 1 wenn es darum geht sich von Zeit zu Zeit von dieser unmenschlichen und künstlichen Realität die uns umgibt loszureißen und seinem Inneren ein Auszeit zu geben. Auch hier glaube ich ein gutes Beispiel zu haben in dem ich alle daran die diese Zeilen Lesen erinnern möchte was sie im Zustand des Verliebt sein fähig sind zu fühlen, zu machen und ob sie im Normalfall über noch 1% Selbstkontrolle in diesem Zustand haben ;-).
    5. Der Verstand eines jeden einzelnen Menschen ist eigentlich nur das individuelle Spiegelbild dessen was diesen Menschen bewegt und welchen Motiven und Beweggründen er willens ist zu folgen und sich persönlich zu unterwerfen. Was von der Außenwelt davon erkannt und bewertet wird unterliegt dann logischer Weise auch nur wiederum des Verstandes derer die dies tun und eine Verallgemeinerung des Verstandes ist in meinen Augen nicht möglich.
    6. Die Vernunft ist der seiden Faden zwischen den äußeren Einflüssen und dem geistigen Innerem. Die Vernunft erlaubt es uns im besten Fall unser ureigenes Inneres gegen schädliche äußere Einflüsse zu beschützen und zu bewahren und den für uns erstrebenswerten Weg zu gehen. Aber auch hier sind es nur die aller wenigsten Mitmenschen die es für vernünftig halten ihr Inneres zu beschützen, für die große Mehrheit unserer Mitmenschen ist Vernunft nur der Schlüssel zu einem angepasstem Leben in dem die Grenzen ihres Handelns und ihres Glaubens nur von äußeren Einflüssen des Systems welches sie umgibt und den Menschen abhängig machen die diese Einflüsse kontrollieren.
    7. Der „Psychopath“ steckt in jedem von uns und kann je nach Umfeld, Lebensweg und dem Ungleichgewicht zwischen rationalem Denken und Handeln, und der innerem Empathie ausgelöst und wie uns die Realität lehrt, kaum jemals wieder behoben oder rückgängig gemacht werden. Jeder der sich von Zeit zu Zeit seinem wahren Spiegelbild stellt wird nicht drum herum kommen auch in sich den kleinen oder großen schlummernden Psychopathen zu erkennen und so er denn mehr empathisch eingestellt ist, die psychopathischen Seite unter Kontrolle halten.

    Alles was ich über Selbstreflexion und Empathie sagen könnte wurde in diesem Beitrag von Peter genauso wiedergegeben wie ich es sehe und empfinde. Das Einzige was ich noch darüber sagen kann ist dass ich zu der zweiten Klassifizierung gehöre die dazu (positiv) verdammt ist die Schmerzen, das Leid aber auch die Freude dieser Welt „mit-zu-fühlen“ ob ich will oder nicht. Hier ein kleines Beispiel wie ein kürzlich kennengelernter Mitmensch seine kürzlich begonnen Reise zur Selbstreflexion mir beschrieben hat: „ Ich weiß ja dass an der Selbstreflexion kein Weg vorbei führt, aber es ist so schwer und schmerzhaft und deswegen kaum zu ertragen!“ So habe ich auch am Anfang empfunden, bis ich aber den wahren Wert dieser Charaktereigenschaft erkannte, wie für mich so auch im gleichen Wert für die Gesellschaft.
    Beim Egoismus bin ich etwas anderer Meinung wie Peter da ich den Instinkt der Selbsterhaltung nicht als Egoismus ansehe sondern als Ur- Instinkt welcher nicht unserem Geist entspringt sondern in den Genen integriert ist. Der momentane Egoismus welcher die Menschen beherrscht ist rein geistig, zu fast 100% fremdgesteuert und dient nicht dem Lebens.- oder Arterhalt sondern nur als Werkzeug für Psychopathen und Narzissten.
    Die Angst in den Menschen ist seit Anbeginn der Menschheit der Bewacher des Überlebens wenn man sie auf den Zweck reduziert den die Natur für sie vorgesehen hat. Das die Angst als fürchterliches und effizientes Werkzeug zum Lenken der Human- Ressource genutzt wird ist mittlerweile allen klar aber nur die aller wenigsten sind im Stande sich dieser zu entziehen da sie auf die Urinstinkte wirkt die wir nicht abschalten können.
    Das Gesetz der Selbsterhaltung lässt Menschen, egal wie und auf welche Art sie empathisch sind, in einigen Situation nur noch „Funktionieren“ und kann alle Gefühle für eine gewisse Zeit so lange verdrängen bis wieder Zeit ist darüber nachzudenken was einem zugestoßen ist und sich die Zeit nimmt, soweit man auch empathisch genug ist, diese äußeren Einflüsse auch gefühlsmäßig zu verarbeiten. Wenn man so schlimme und verletzende Erfahrungen wie körperliche oder geistige Gewalt, Krieg, Gefühlskälte usw. nicht seelisch aufarbeitet läuft man zwangsläufig Gefahr etwas Innerliches für immer zu verlieren und entweder ein Opfer von Psychopathen oder selber einer zu werden.

    Am Ende bleibt nur immer wieder festzustellen dass der Mensch am heutigen Zeitpunkt zum „Homo- Kapitalismus“ weiterentwickelt hat und über diese ihm von der Natur aufgetragene „Probe“ gehen muss um vielleicht eines Tages wirklich von seinem zugegebener Maßen einzigartigen Verstand so zu profitieren dass er am Ende den Wert des Lebens und nicht den Preis des Daseins erkennt.
    Dieser Kommentar hat zugegebener Weise bisher am meisten Zeit, Hirnschmalz und Selbstreflexion gekostet und ist der Grund für die späte Abgabe.
    Es ist schön zu wissen dass man nicht komplett alleine mit seiner Art zu denken und fühlen ist und wenn ich einen Begriff im diesem Beitrag vermisst habe und ihn zu einem sehr wichtigen Grundbaustein der menschlichen Psyche halte ist es „Hoffnung“.
    Nichts begleitet einen so konstant durch das Leben wie die Hoffnung. Die Hoffnung auf ein gutes Leben, die Hoffnung auf Freude, die Hoffnung auf gute Mitmenschen um sich herum und zum guten Schluss die Hoffnung auf einen friedlichen Tod.
    Der Mensch ist genau so einfach wie komplex zu sehen und wahrzunehmen. Da wo Logik und Verstand ihre Grenzen haben beginnen die Empathie, das Mitgefühl und die Hoffnung dass der Mensch sich und seine Handlungen zum Guten wandelt.

    LG an alle!

    1. Freut mich zu lesen – auch, daß Sie einer der wenigen sind, die dem (und auch dem eigenen) Verstand auf die Schliche kommen 🙂
      In einer Zeile ist jedoch diesbezüglich eine Unstimmigkeit zu dem selbst Geschildertem:

      «Die Vernunft ist der seidene Faden zwischen den äußeren Einflüssen und dem geistigen Innerem. Die Vernunft erlaubt es uns im besten Fall, unser ureigenes Inneres gegen schädliche äußere Einflüsse zu beschützen»

      Das sogenannte Äußere ist, wie Sie selbst dargestellt haben, zumeist eine Projektion des Verstandes. Die Vernunft schützt uns also gegen schädliche Einflüsse von «innen», dem Verstand.

      In meiner «Wasserbild-Analogie» wird diese «eigensinnige Abkapselung», die Eigendrehung des Verstandes, deutlich: das Eigenleben kann konträr zu den Schöpfungswirksamkeiten stehen und ruft aus dieser Diskrepanz Konflikte, Leid für einen Selbst und andere hervor.

      So lange das «Gewissen» ein verständlicher Abgleich ist, ist es fremdbestimmt – nur im Herzen finde ich die WAHRnehmung: an welcher Stelle stehe ich persönlich im Kosmos, was ist genau meine Aufgabe, was brauche ich dafür usw..
      Und wenn dann ein äußerer Zwang dem entgegensteht und ich aber diesem Zwang nachgebe, dann handele ich gegen mein Gewissen, d.i. Handeln wider besseren Herz-Wissens und nicht gegen normatives Wissen, wie es der Verstand produziert.

    2. @Boban Rovcanin:
      Danke für Deinen Kommentar. Er bestärkt, dass ich mich auf einem guten Weg befinde. Sich mit sich zu beschäftigen kann durchaus weh tun, aber wenn man diese dunklen Flecken in sich mit Licht erhellen kann, ist es die Mühe und den Schmerz wert. Denn am Ende wartet – bin ich fest davon überzeugt – das Ende des Regenbogens (im übertragenen Sinn versteht sich).
      Wenn ich sehe, wie sehr ich mich in den letzten Jahren durch Selbstreflexion kennengelernt und mein Denken und Handeln verändert habe, kann ich alle nur darin bestärken in diesen friedlichen Krieg mit sich selbst zu ziehen. 😉

      Liebe Grüße
      Felix in the Sky

      PS: Es ist sogar super, dass man mit diesen Gedanken und Gefühlen nicht allein ist. 🙂

  4. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel !
    Besonders erfreut mich der Schlusssatz , auf den hatte ich beim Lesen gewartet …. sonst wären Sie nicht PED wie man ihn als warmherzigen , mitfühlenden Menschen stetig kennenlernen durfte .
    Die jedem Menschen zugrunde liegende Eigenheit kann nur ganzheitlich wirken , man kann sie nicht , wie in der Medizin leider gehandhabt , in Fachbereiche einteilen und den Menschen dadurch regional beurteilen . Alles hängt mit Allem zusammen was seine Prägung anbelangt . Was ich immer wieder beim Abwägen eigener Reaktionen bemerkt habe :
    Das Gewissen ist der Teil , der für menschliche Handlungen massgeblich ist und somit die Basis bildet , mit sich selbst leben zu können .
    Auch zeigt es uns ( bewusst und gespeist aus dem Unbewussten ) immer wieder den Weg in die richtige Richtung , zu den eigentlich lebenswerten und für uns so wichtigen Quellen des Lebens , wo Gier , Machtbestreben und Manipulation keinen Stellenwert haben .

    Herzliche Grüsse ,
    RC

  5. Am Anfang war EINS – Bild: z.B. Wasser
    ZWEI ist die Trennung/Unterteilung usw.: Bild: der Tropfen
    Die Tropfenhaut ist eine siebenschichtige Membran, die mittlere, also vierte bildet dabei eine Art Spiegelachse („Siebenarmiger Leuchter“) 7 : 1, 6 : 2, 5 : 3.
    Diese Membrane hat veschiedene Organe, wodurch etwas von Außen nach Innen gelangen kann und auch umgekehrt. Wir nennen diese Organe Sinnesorgane – es sind bei weitem mehr als 5 !!! Der Verstand ist z.B. auch ein Sinnesorgan.
    Die Membranen sind individuell getriggert (bedingt durch Karma) und bilden dynamische Filter.
    Im Inneren des Tropfen lebt zwar dasselbe wie im Außen, der Tropfen kann jedoch das wahre Sein nur durch die Membranorgane als Bewußtsein innerhalb der Organe spiegeln.
    So entsteht ein Innen- und Eigenleben, welches sich seine „eigenen Gesetze“ „ausdenken“ kann usw.
    Die vierte Schicht ist diejenige, welche mit dem Kern in Verbindung steht und die „Wahrheit“ der Spiegelungen WAHRnimmt. Wir nennen es die Herzqualität. Der chinesische Schamane (Chinesische Medizin) nennt es Yuan Shen – der Ort des großen Geistes. Wir können sagen: im Herzen ist die Begegnung von Mikro- und Makrokosmos: die Qualität des Tropfens in sich selbst wird wahrgenommen und in dieser Wahrnehmung gleich des „Ozeans“, der EINS in dem er zugegen ist.
    Insoferne eine solche Bewußtseinsart erreicht können wir von Intution sprechen: das im Geistigen (Wasser) verlaufende rein geistige (immanent) Erlebnis eines geistigen Inhalts.
    Erreicht unser Bewußtsein die Ebene 2 gespiegelt 6 sprechen wir von Imagination (Bildhaftes Wesenserleben – Bild und Information werden gleichzeitig), erreicht es die Expansion von 1 und 7 sprechen wir von Inspiration („Hörendes“ Wesenserleben), 3 und 5 ist das dichteste und entfremdetste, abgeschattetste Bewußtsein, welches wir als Verstandesbewußtsein oder normales Tageswachbewußtsein bezeichnen können.
    Dieses Bewußtsein, da es maßgeblich bestimmt ist von „Eigenheiten“ (Egotismen) führt zwangsläufig zu Diskrepanzen und überhaupt auch zu Fragen, denn alles erscheint fremd, fraglich, zweifelhaft usw.
    Die Erkenntnis ist die Vereinigung der „Wahrnehmung“ durch die Sinnesfilter mit dem Wesensgehalt – im Verstandesbewußtsein als Begriff zu begreifen (Begriff nicht gleich Wort, Worte können begriffen werden: Baum -> Begriff; Tree -> Begriff).
    Die Diskrepanz führt mitunter zum Konflikt. Die Gefühle sind spezifische Organreaktionen in den Aspekten, die vom „Innentropfen“ zum „Außen“ verletzt sind (auch hier lehrreich: chinesische Medizin – bzw. sind hier die Archetypen von Gefühlen, die auch im Tierreich wirken)
    Das mal als weitere Anregung 😉

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